Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1314.

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Deutsche Dämmerung in Rumänien: Tagung am Heiligenhof

Auf dem Territorium des nach dem Ersten Weltkrieg geschaffenen Großrumänien lebten damals zwölf deutsche Siedlergruppen: Siebenbürger Sachsen, Banater und Sathmarer Schwaben, Bessarabiendeutsche, Buchenlanddeutsche, Dobrudschadeutsche, Landler, Durlacher, Deutschböhmen, Steyrer, Temeswarer, Zipser. Sie unterschieden sich hinsichtlich ihrer Herkunftsgebiete, des Zeitpunktes ihrer Einwanderung, ihrer Siedlungsgebiete und ihrer historischen Entwicklung. Die Zahl der Angehörigen der deutschen Minderheiten im Großrumänien der Zwischenkriegszeit betrug noch etwa 750000 Menschen.

Mit dem Hitler-Stalin-Pakt am 23. August 1939 wurde die Aufteilung Europas in Interessensphären vereinbart, sodann in Zusatzprotokollen die Aussiedlung der Bessarabien-, Bukowina- und Dobrudschadeutschen aus Rumänien, die im Jahr 1940 vollzogen wurde. Durch zwischenstaatliche Abkommen wurden in der Kriegszeit die wehrfähigen rumäniendeutschen Männer ab 1943 fast ausnahmslos in die Waffen-SS eingezogen. Sie kamen, sofern sie den Krieg überlebt hatten, nicht nach Rumänien zurück. 1944 mußten die zeitweilig zu Ungarn gehörenden Nordsiebenbürger Sachsen vor der herannahenden Roten Armee nach Österreich flüchten. Anfang 1945 wurden weitere 70000 Rumäniendeutsche zur Zwangs- und Wiederaufbauarbeit für fünf Jahre in die Sowjetunion verschleppt. Einige davon wurden in die SBZ und nicht nach Rumänien entlassen.

Durch diese Ereignisse waren viele Familien getrennt. In den 1950er und 1960er Jahren fand unter humanitären Gesichtspunkten eine Familienzusammenführung – meist in der Bundesrepublik Deutschland – statt. 1978 vereinbarten die Bundesregierung und die rumänische Regierung unter dem KP- und Staatschef Ceausescu ein jährliches Aussiedlungskontingent von 15 000 Personen. Die Bundesrepublik Deutschland bezahlte für diese Personen jeweils einen vier- bis fünfstelligen DM-Betrag. Von 1977 bis zum Sturz des kommunistischen Regimes waren bereits die Hälfte aller autochthonen Deutschen emigriert.

Als Referenten sind vorgesehen: Dr. Anneli Ute Gabanyi, Berlin: Rumäniendeutsche Gruppen; Prof. h. c. Dr. Konrad Gündisch, Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE), Oldenburg: Eine kurze Geschichte der Siebenbürger Sachsen; PD Dr. Mariana Hausleitner, Berlin: Die Bukowinadeutschen; Dr. Cornelia Schlarb, Marburg: Die Bessarabiendeutschen; Film: Süße Heimat Zipserei – Die letzten Deutschen in der Marmarosch von Björn Reinhardt, Oberwischau/Viseul de Sus; Johann Lippet, Sandhausen: Aus dem Leben einer Akte; Prof. Dr. Hans Klein, ehemaliger Bischofsvikar der evangelischem Kirche in Rumänien und ehemaliger Vorsitzender des Siebenbürgenforums: Die politische Vertretung und Rolle der Deutschen Rumäniens in der Gegenwart; Ulrich Feldmann, Bad Kissingen: Geschichte der Dobrudschadeutschen anhand einer exemplarischen Familiengeschichte; Georg Aescht, Kulturpolitische Korrespondenz, Bonn: Rumäniendeutsche Literatur und Dissidenz; Dr. Irmgard Sedler, Museum der Stadt Kornwestheim: Landler in Siebenbürgen; Dr. Mathias Beer, stellvertretender Direktor des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen: Warum wurde die deutsche Bevölkerung Rumäniens am Ende des Zweiten Weltkriegs nicht vertrieben? Den Abschluß bildet ein Liederabend mit Daniel Malarcsek, Werneck: Fahr zur Hölle, Ceausescu!

Die Teilnahme kostet 150 Euro (ermäßigt für Studenten, Auszubildende, Teilnehmer aus Ostmitteleuropa etc. 30 Euro), inklusive Unterkunft und Verpflegung, zuzüglich Kurtaxe (8,25 Euro), gegebenenfalls Einzelzimmerzuschlag (25 Euro) für den gesamten Zeitraum. Weitere Informationen mit detailliertem Tagungsprogramm und Anmeldung bis zum 1. Dezember beim Studienleiter Gustav Binder, Kennwort „Rumäniendeutsche“, Der Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße 1, 97688 Bad Kissingen, Telefon 0971/714714, Fax 0971/714747, studienleiter@heiligenhof.de. Die Tagung ist für Interessierte frei zugänglich.

(KK)

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