Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1331.

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Das Land der Memel mit der Seele suchend

Nach seinem beachtenswerten Buch „Ostpreußen – Biographie einer Provinz“ hat sich der 1954 in Bremen geborene Hermann Pölking nun einer Region zugewandt, in der bis 1945 Deutsche, Litauer, Kuren, Russen und Polen zusammenlebten, dem Memelland. Dieser historische Reisebegleiter ist es wert, mitgenommen zu werden, wenn man in eine „europäische Sehnsuchtslandschaft“ fährt, von der schon Humboldt und Thomas Mann schwärmten. Sein Autor erliegt nicht der Versuchung, alles schönzureden. Das Leben im Memelland ist bis heute hart. Lange Winter, darauffolgende Überschwemmungen, eine mangelhafte Infrastruktur verlangen den Menschen viel ab. Alte Fotos beweisen das. Aber die Landschaft zieht an, nicht umsonst gab es in Nidden eine Künstlerkolonie. Das dortige Licht hat für Maler seinen eigenen Reiz.

Pölking hat sein Thema in sieben historischen Kapiteln aufbereitet, von denen er sagt, dass deutsche und litauische Historiker sie bis heute manchmal unterschiedlich bewerten. Bei diesen Darstellungen stützt er sich auf vorliegende historische Literatur, vor allem auf Hartmut Boockmann, Andreas Kossert, Ulla Lachauer und Ruth Leiserowitz. Die Anmerkungen zu den sieben Kapiteln sind allerdings so klein gedruckt, dass sie wohl kaum viel beachtet werden. Aber Plagiate wollte sich Pölking nicht nachweisen lassen.

Seine eigenen Erfahrungen im Memelland sind als Reiseberichte zu den einzelnen Orten eingestreut, da kommen auch die Kriegszerstörungen vor. Fotos gehören dazu. Die Karten sind zu klein geraten. Eine ganz Ostpreußen umfassende Karte wäre notwendig gewesen, denn es werden Städte genannt, die der unkundige  Leser nicht verorten kann.

Dennoch: Das Buch gehört ins Reisegepäck, und der Nutzer wird über manche Flüchtigkeitsfehler hinwegsehen, die das Lektorat nicht entdeckt hat: Der Deutsche Ritterorden hatte keinen Groß-, sondern einen Hochmeister. Was heißt „die weit nach Russland hinein reichende Provinz Ostpreußen“? Erstaunlich, dass die Russlanddeutschen nicht erwähnt werden, die sich in der fruchtbaren Niederung mit Erfolg der Landwirtschaft widmen.

Norbert Matern (KK)
 
Hermann Pölking: Das Memelland – wo Deutschland einst zu Ende war. Ein historischer Reisebegleiter. be-bra Verlag, Berlin 2013, 429 S., 24,95 Euro

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