Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1317.

Bücher, Medien, Verantaltungen

Ein Jubiläum und eine „vereitelte Anwerbung“

Mitte vorigen Jahres beging das Südostdeutsche Kulturwerk e.V. (SOKW) sein 60-jähriges und das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an  der Ludwig-Maximilians-Universität München (IKGS), das aus dem SOKW hervorgegangen ist, sein 10jähriges Jubiläum. Dieses Heft thematisiert in seiner  Rubrik „Das aktuelle Thema“ das Ereignis mit einschlägigen Redebeiträgen.

Einen Beleg für die thematische Brisanz und wissenschaftliche Brillanz der Arbeit  des Instituts liefert der „Spiegelungen“-Aufsatz „Die vereitelte Anwerbung Alfred  Margul-Sperbers als Informant des rumänischen Geheimdienstes Securitate im operativen Vorgang Hermine Pilder-Klein“ von Peter Motzan, der zu dem zeit- und literaturgeschichtlichen Thema auch auf der Jubiläumstagung referiert hat. Für den bekannten Germanisten und stellvertretenden IKGS-Direktor war es offiziell sein letzter Arbeitstag. Die „Spiegelungen“ wird Peter Motzan als Mitherausgeber und in der redaktionellen Tätigkeit weiterhin unterstützen, so u. a. in der Rubrik  „Literarische Texte“, für die er diesmal von Anke Pfeifer übersetzte Prosa des Rumänen Constantin Abaluta, Gedichte des Banaters Horst Samson und der jungen Ungarndeutschen Angela Korb ausgewählt hat. Aus dem im IKGS in Vorbereitung befindlichen Lexikon deutschsprachiger Autorinnen und Autoren aus  Südosteuropa werden vom Literaturhistoriker Klaus Werner drei aus der Bukowina stammende Autoren vorgestellt. Passend zur Beschäftigung mit diesen Vertretern einer ungewöhnlichen literarischen Landschaft Südosteuropas plädiert ein Essay von Martin A. Hainz für eine neues Nachdenken über Czernowitz als Stadt gelebter bzw. intendierter Multikulturalität. Dem 200. Geburtstag von Franz Liszt (1811–1886) ist der vom Musikwissenschaftler Franz Metz verfasste Aufsatz „Der ‚König des Klaviers‘ auf großer Tournee“ gewidmet. Nachvollzogen wird die „letzte und längste Konzertreise seiner Virtuosenlaufbahn“, die den 35-Jährigen von Ungarn aus über Temeswar, Lugosch, Arad, Hermannstadt, Klausenburg, Bukarest, Kiew und Czernowitz bis Konstantinopel führte. In der Rubrik „Geschichte und Gegenwart“ bietet der Publizist Stefan Teppert mit seinem Beitrag „Die donauschwäbische Siedlung Entre Rios in Brasilien“ eine überaus lesenswerte Dokumentation.

Im Rezensionsteil des Heftes wird eine Reihe beachtenswerter Neuerscheinungen zur Literatur und Geschichte Südosteuropas besprochen – Lyrik von Dieter Schlesak und Edith Ottschofski, Prosa von Hans Bergel, Bettina Schuller, Marica Bodrozic und Dan Lungu, ein Studienband über Immanuel Weißglas, Erinnerungen Edith Silbermanns an Paul Celan, eine Hans-Bergel-Monographie Renate Windisch- Middendorfs, Anton- Joseph Ilks Dissertation über die mythische Erzählwelt der Zipser im Wassertal sowie Bücher zur Geschichte der Donauschwaben (1918–1945), zur Rolle des serbischen Staatsmodells (1918–1929) und über Osteuropa nach der politischen Wende 1989.

(KK)

Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas. Im Auftrag des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e.V. an der LMU München herausgegeben von Peter Motzan und Anton Schwob. 6 (60) Jahrgang 2011, Heft 4, Einzelheft 6,15 Euro zzgl. Versandkosten

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