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Ausgaben: Ausgabe 1302.

Bücher und Medien

Historisch statt dämonisch: Der Deutsche Orden

600 Jahre nach der Schlacht von Tannenberg und anläßlich der Würdigung des 800. Geburtstags des ersten ermländischen Bischofs, des Deutschordenspriesters Anselm, lud der Marschall der Woiwodschaft Ermland und Masuren, Jacek Protas, auf Anregung des Kreisvertreters der ehemaligen deutschen Allensteiner, Herbert Monkowski, den Hochmeister des Deutschen Ordens, Generalabt Bruno Platter (Wien), ins ostpreußische Ermland/Warmia ein.

Seine Anwesenheit nutzte die Ermländisch-Masurische Universität Allenstein/Olsztyn zu einem wissenschaftlichen Symposion mit fünf polnischen und drei deutschen Vorträgen, die noch vor Beginn in einer polnischdeutschen Ausgabe publiziert wurden. Die Eile merkt der Leser an manchmal mangelhafter Übersetzung, einem Hin und Her von deutschen oder nur polnischen Namensnennungen – so im letzten Beitrag „Burgen des Deutschordenslandes im nordöstlichen Polen nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–2005)“. Gerade dort ist das Fehlen der deutschen Namen besonders bedauerlich, gibt der Beitrag doch eine vorzügliche Übersicht über den Zustand vor und nach dem Kriege sowie Angaben zur  wissenschaftlichen Literatur über die einzelnen Deutschordensburgen und Bischofschlösser.

Einleitend gibt der 65. Hochmeister Bruno Platter einen eindrucksvollen Bericht über die Schwerpunkte der 820jährigen Ordenstätigkeit vom Anfang bis heute. Er beschränkt sich auf die geistlich-spirituelle Ausrichtung, das Helfen und Heilen und die Verkündigung des christlichen Glaubens durch die Fratres und Patres, die Deutschordensschwestern und Familiaren in sieben europäischen Ländern.

Professor Udo Arnold (Bonn) legt in seinem Beitrag „Der Deutsche Orden als Objekt politischer Ideologie im 19./20. Jahrhundert“ dar, wie sich Preußen mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes 1813 die Ordenstradition aneignete und damit in Polen eine Gegenbewegung auslöste. Aus dem strahlenden Ordensritter auf deutscher Seite wurde der verhaßte blutrünstige „krzyzak“ vor allem in der Historienmalerei und Literatur. Mit der Wende verloren „solche symbolbeladene politische Kampfthemen wie die ‚krzyzacy‘ in Polen ihren Stellenwert“. Der Leiter des Deutschordens-Zentralarchivs in Wien, P. Frank Bayard, berichtet in seinem Vortrag „Wandel der Zeiten – Zeiten im Wandel“ über „das lange 19. Jahrhundert“ von den erfolgreichen Bemühungen, das geistlich-spirituelle Leben zu neuen Höhen zu führen. Das geschah durch die Wiederbelebung des in der Reformation erloschenen Schwesternzweiges, die Begründung von Priesterkonventen und des Sanitätswesens.

Die polnischen Historiker von der Universität Allenstein/Olsztyn beschäftigen sich mit dem Verhältnis  zwischen der Diözese Ermland und dem Deutschen Orden, der ersten Phase des „Großen Krieges“, der Besetzung des Dobriner Landes im Jahr 1409 durch den Deutschen Orden, ausgewählten wirtschaftlichen Aspekten in der Geschichte des Deutschen Ordens im 15. Jahrhundert, der Nutzung der Tradition von Grunwald/Tannenberg durch polnische politische Gruppierungen im Kampf um die Grenzen der  unabhängigen Republik Polen in den Jahren 1918–1920 und den Burgen des Deutschordenslandes im  nordöstlichen Polen 1945–2005. Leider wurde die Diskussion nach den einzelnen Vorträgen nicht dokumentiert.

Nach Kenntnis des Rezensenten ist dies in der Neuzeit das erste polnisch-deutsche Werk über den Deutschen Orden. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst des Deutschordenshistorikers Udo Arnold, der geduldig und unermüdlich den Brückenschlag zur polnischen Wissenschaft anstrebte und sich durch seine unbestechlichen Arbeiten deren Anerkennung erwarb.

Norbert Matern (KK)

Jan Gancewski (Hg.): Zakon Krzyzacki / Der Deutsche Orden in Geschichte, Ideologie und Wirkung – historische Symbole. Olsztyn 2010, 295 S., ISBN 978-83-87031-30-5

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