Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1303.

Bücher und Medien

Manch Aufbruch ist für manchen nur ein Bruch

Das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) in Oldenburg stellt den Band 41 seiner Schriften vor. Der Titel „Aufbruch und Krise“ bezieht sich auf gegensätzliche Wahrnehmungen der politischen und gesellschaftlichen Situation im östlichen Europa nach dem Ersten Weltkrieg. Erstmals werden die kulturellen Phänomene, die Neuorientierung und Identitätssuche begleiteten, in einer regionen- und länderübergreifenden Zusammenschau in den Blick genommen.

Der Erste Weltkrieg und die nachfolgende Friedensordnung veränderten historisch gewachsene Regionen und Siedlungsgemeinschaften in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa nachhaltig. Während lang gehegte nationale Aspirationen verwirklicht werden konnten und die neuen Staatsvölker in Aufbruchstimmung versetzten, wurden vormalige Staatsvölker zu Minderheiten und begriffen ihre neue Situation als krisenhaft; dies galt in besonderem Maße für die Deutschen im östlichen Europa.

Aufbruchstimmung und Krisenerfahrung spiegelten sich im Widerstreit zwischen modernen Bestrebungen und rückwärtsgewandten Ideologien – vor allem auf kulturellem Gebiet, in Literatur, Architektur, bildender Kunst, in Film, Theater und Wissenschaften. Unter sechs übergeordneten Fragestellungen werden individuelle, gesellschaftliche sowie staatliche Strategien der künstlerischkulturellen und sozial- bzw. kulturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Nachkriegssituation in Ostmitteleuropa analysiert. Die Wissenschaftler, die unter anderem aus Deutschland, Polen, Ungarn und Estland kommen, lassen in ihren Beiträgen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den geschichtspolitischen, medialen und künstlerischen Ausdrucksformen des „Aufbruchs“ ebenso wie der „Krise“ in den verschiedenen Ländern und Gesellschaften Mittel-und Ostmitteleuropas aufscheinen. Die hier versammelten Aufsätze gehen auf die Jubiläumstagung zum 20jährigen Bestehen des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa im Jahr 2009 sowie eine ergänzende Ringvorlesung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg zurück.

Aus dem Inhalt: Geschichtspolitische Strategien; Historische Gedächtnisorte; Geschichtliche Erfahrungen; Identität; Loyalität, Segregation, Autonomie; Wissenschaft und Wissenschaftspolitik; Tradition – Moderne.

(KK)

Beate Störtkuhl, Jens Stüben, Tobias Weger (Hg.): Aufbruch und Krise. Das östliche Europa und die Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg. Bd. 41 der Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. R. Oldenbourg Verlag, München 2010. 671 S., 69,80 Euro

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