Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1306.

Bücher und Medien

Aus der Pußta in die Prärie und dabei stets in der Peripherie

„Die Peripherie wird attraktiver, bereichert das Zentrum“, schlußfolgert Walter Engel in diesem Heft, in dem er sich mit den literaturwissenschaftlichen Studien auseinandersetzt, die in einem neueren Tagungsband des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München im IKGS-Verlag erschienen sind unter dem Titel „Wahrnehmung der deutsch(sprachig)en Literatur aus Ostmittel- und Südosteuropa – ein Paradigmenwechsel?“.

Einem verwandten Forschungsgebiet wendet sich der in den USA lehrende Germanist István Gombocz zu, der sich in dem Aufsatz „Donauschwaben in Amerika“ mit einem der bisher „unerschlossenen Aspekte der donauschwäbisch-amerikanischen Kulturgeschichte“ befaßt, indem er in die Pressegeschichte der Donauschwaben in Übersee Einblick bietet und eines ihrer langlebigeren Organe, den „Deutsch-ungarischen Familienkalender“ vorstellt, der von 1932 bis 1954 erschienen ist. Der Germanist umreißt in dem Beitrag die Geschichte der Publikation und behandelt am Beispiel ausgewählter Jahrgänge inhaltliche und thematische Schwerpunkte.

Ondra Lysohorsky (1905–1989), einem bemerkenswerten zweisprachigen Dichter Südosteuropas, ist der Artikel von Paul Tischler gewidmet, den „Spiegelungen“ als Textprobe aus dem beim IKGS in Vorbereitung befindlichen Autorenlexikon abdruckt. Lysohorsky, der der im Grenzgebiet zwischen Polen und Tschechien lebenden Minderheit der Lachen angehörte, schrieb lachisch und deutsch. Der Verfasser des Artikels zählt ihn zu den Hauptvertretern der neueren slowakeideutschen Literatur.

In der Rubrik „Literarische Texte“ veröffentlicht „Spiegelungen“ einen Auszug aus dem Roman „Niemand. Nirgends“ des aus der Vojvodina stammenden Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Bosko Toma-
sevic, geboren 1947. Zum 70. Geburtstag von Ingmar Brantsch werden neue Gedichte des aus dem siebenbürgischen Kronstadt stammenden Lyrikers und Prosaisten veröffentlicht. Der rumänische Germanist Cosmin Dragoste ist mit einer kleinen Auswahl aus seinen deutsch verfaßten Gedichten vertreten.

„Schranken der gesellschaftlichen Organisierung der Ungarndeutschen in der Rákosi-Ära (1949–1945)“ behandelt der Beitrag der Fünfkirchner Historiker József Vonyó und Zsolt Vitári, die nachweisen, wie Diskriminierungen der Deutschen in Ungarn in der Nachkriegsperiode sich über Jahrzehnte in deren gesellschaftlicher Existenz und ihrem Bewußtsein niederschlugen. Deutsche Geschichte Südosteuropas spiegelt sich auch in mehreren Berichten der Rubrik „Forum“ über einschlägige wissenschaftliche Tagungen. „Forum“ berichtet auch über das breite Medienecho, das der Beitrag Stefan Sienerths in „Spiegelungen“ 3/2010 über die IM-Tätigkeit Oskar Pastiors ausgelöst hat, und über die Jenenser Tagung zum Thema „Die Securitate in Siebenbürgen“. Der Historiker Rudolf Gräf, Vizerektor der Ba-
bes-Bolyai-Universität Klausenburg/Cluj, würdigt den Grazer Fachkollegen Harald Heppner zum 60. Geburtstag. An den namhaften siebenbürgischen Künstler Friedrich von Bömches (1916–2010) erinnert Gudrun Liane Ittu (Hermannstadt). Zahlreiche fachkundige Rezensionen machen auch diesmal auf wichtige Neuerscheinungen aufmerksam. Beigelegt ist dem Heft 4 das Jahresinhaltsverzeichnis 2010 der im Auftrag des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München herausgegebenen Vierteljahresschrift.

(KK)

Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas. 5 (59) Jahrgang 2010, Heft 4. Intime Services GmbH, Postfach 13 63, 82034 Deisenhofen, Tel. 0 89 / 85 70 91 12, 6,15 Euro

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