Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1309.

Bücher und Medien

Wohin führen Reiseführer, wie und warum?

Reiseführer eröffnen den Kulturwissenschaften ein vielfältiges Spektrum möglicher Beobachtungsfelder: Kulturtransfer, Eigen- und Fremdwahrnehmung, populäre Geschichtsbilder lassen sich anhand dieses Mediums ebenso untersuchen wie die Differenzierung der angesprochenen Zielgruppen, der Wandel von Reisegewohnheiten oder die wechselnde Attraktivität von Reisezielen.

Von wenigen Einzelstudien abgesehen, hat diese variantenreiche und kulturgeschichtlich überaus ergiebige Textsorte in der historischen Forschung bislang kaum die ihr gebührende Beachtung gefunden. Nahezu gänzlich fehlen einschlägige Untersuchungen zum ostmitteleuropäischen Raum, obwohl gerade dieser Teil unseres Kontinents hierfür zu vielfältigen Beobachtungen Anlaß gibt: kulturelle Pluralität, Überschneidung und Diffusion bei wechselnder Dominanz verschiedener Ethnien sowie häufig veränderte Grenzen haben hier komplexe beziehungsgeschichtliche Fundamente gelegt, die sich einfachen Deutungsmustern von vornherein entzogen haben und zu einer „Normierung“ touristischer Beschreibungen verleiteten und verleiten.

Dieser Band präsentiert als Ergebnis einer wissenschaftlichen Tagung eine breite Palette von Themen und Beobachtungsfeldern zu Reiseführern in und über Ostmitteleuropa, und zwar sowohl in geographischer wie in chronologischer Hinsicht: von Riga bis nach Prag, von frühen Reiseführern aus dem 19. Jahrhundert bis hin zum Reiseführer der Zukunft, der ohne Papier auskommen wird.

(KK)

Der genormte Blick aufs Fremde – Reiseführer in und über Ostmitteleuropa im 19. und 20. Jahrhundert. Herausgegeben von Rudolf Jaworski, Peter Oliver Loew und Christian Pletzing. Veröffentlichungen des Deutschen Polen-Instituts, Bd. 28. Zugleich Veröffentlichungen der Academia Baltica, Bd. 1. Harrassowitz, Wiesbaden 2011, 290 S., 24 Euro

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