Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1402.

Bücher, Medien und Veranstaltungen

Des Volkes eigene Feinde

Die Ungarn verurteilen die einstigen Vertreiber

Ohne politischen Streit läuft in Ungarn die kulturelle Förderung der etwa 150 000 Deutschen. So Emmerich Ritter, Abgeordneter der deutschen Minderheit im ungarischen Parlament bei der vom Ungarischen Generalkonsulat und dem Haus des Deutschen Ostens in München durchgeführten Gedenkveranstaltung für die seit 1946 vertriebenen Ungarndeutschen. Da Ungarn im Sommer 2018 in München ein repräsentatives Gebäude für sein Generalkonsulat erworben hat, konnte die gut besuchte Veranstaltung erstmals dort stattfinden. Dr. Bernd Fabritius Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, nannte das Verhalten der ungarischen Regierung gegenüber den im Land verbliebenen Deutschen ein Vorbild für andere Staaten. Ähnlich äußerte sich Sylvia Stierstorfer als Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, die zugleich daran erinnerte, dass Ungarn vor 30 Jahren den Grenzzaun zertrennt und damit den Eiserenen Vorhangs gelüftet hat.

Generalkonsul Gabor Tordai-Lejko sprach von jenen, die am 19. Januar 1946 mit der Vertreibung der Deutschen begannen, als von den „Feinden des Volkes“. Im Jahre 2012 beschloss das ungarische Parlament einstimmig den jährlichen Gedenktag. 2016 wurde im Budapester Bezirk Soroksar ein Vertreibungsdenkmal des ungarischen Bildhauers Sandor Kligl aufgestellt. Es zeigt eine Mutter mit ihrem Sohn, die nur mit Koffer und Rucksack ihre Heimat verlassen müssen.

An acht Universitäten und Hochschulen werden derzeit in Ungarn Fachkräfte und Pädagogen für Kindergärten und Schulen für die deutsche Minderheit ausgebildet, an denen insgesamt etwa 14 000 Kinder und Jugendliche mit Deutsch als Muttersprache unterrichtet werden. Einstimmig hat das ungarische Parlament die finanzielle Förderung erhöht und 2010 auch Gehaltssteigerungen für die Erzieher bewilligt.

Wie in den Vorjahren erfreuten Schülerinnen und Schüler durch Gesangs-, Tanz-, Gedicht- und Musikeinlagen. Diesmal kamen sie mit ihren Lehrerinnen aus Werischwar. Ein knappes Drittel der Bevölkerung ist dort deutschsprachig, daher gibt es auch zweisprachige Straßen- und Ortsschilder.

Professor Andreas Otto Weber, Direktor des Haus des Deutschen Ostens, kündigte für 2020 eine Studienreise von bayerischen Lehrern nach Ungarn an.

Norbert Matern (KK)

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