Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1402.

Bücher, Medien und Veranstaltungen

Europas Neu-Unordnung

Deutsch-polnische Kuratorentagung

In den vergangenen drei Jahren führte Haus Schlesien in Königswinter bereits konstruktive Kuratorentagungen zu Themen wie Flucht und Vertreibung, Heimatverlust und Entwurzelung sowie schlesische Identitäten durch. Jetzt gab es in Königswinter erneut eine deutsch-polnische Arbeitstagung. Diese fand in Anlehnung an die aktuelle Sonderausstellung im Haus Schlesien statt, „Zwischen Revolution und Ruhrbesetzung. Die Folgen des Ersten Weltkrieges für Schlesien“.
Am grenzüberschreitenden Dialog nahmen 15 Kuratoren und wissenschaftliche Mitarbeiter von deutschen und polnischen Kulturinstitutionen teil. Darunter waren auch Vertreter der Kooperationspartner, die an dem von Silke Findeisen kuratierten Ausstellungsprojekt mitwirkten. Bei der Arbeitstagung wurden die Sicht beider Nationen auf den Weltkrieg unter verschiedenen Gesichtspunkten gegenübergestellt, Parallelen und Differenzen herausgearbeitet sowie Spannungen in der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung diskutiert.

Die Teilnehmer stellten ihre Projekte und Planungen zum Themenfeld in Referaten vor, wobei der Blick auch über die Region Schlesien hinausging. Beim Erfahrungsaustausch wurden nicht nur die unterschiedlichen Ideen erörtert, sondern auch Probleme in der Umsetzung und Präsentation der Vorhaben angesprochen. In regem Dialog wurden auch zahlreiche Lösungsansätze formuliert. Die Konferenzsprachen waren Deutsch und Polnisch, die Vorträge und Diskussionen wurden konsekutiv gedolmetscht.

Das Ende des Ersten Weltkrieges stellte für Mitteleuropa eine deutliche Zäsur dar. Schlesien als Grenzregion im Osten war dabei besonders von den Gebietsabtretungen betroffen. Die Jahre 1918/1919 und die ihnen folgenden waren eine Zeit des Umbruchs in Deutschland, Europa und weltweit. Es waren Schicksalsjahre, die die politische Landkarte Europas verändert und auf dem gesamten europäischen Kontinent Spuren hinterlassen haben. Das Gedenken an das Jahr 1918 war Anlass für zahlreiche Museumsprojekte und Veranstaltungen.

Einer der insgesamt vier Themenblocks im Rahmen dieser Arbeitstagung war dem Thema „Der Erste Weltkrieg – Krieg ohne Ende und Kriegsende“ gewidmet. Referenten waren Dr. Frank Mäuer, Kurator der Ausstellung „Heimat.Front – Oberschlesien und der Erste Weltkrieg“ sowie Darius Andruskiewicz und Anna Czempik vom Opladener Geschichtsverein Leverkusen, die u. a. über das europäische Kooperationsprojekt „KRIEGSENDEN in europäischen Heimaten“ informierten. Lilia Antipow vom Haus des Deutschen Ostens München sprach über „Die Pariser Vorortverträge und die Geschichte Schlesiens als Programmschwerpunkt im Haus des Deutschen Ostens 2019“. Leszek Jodlinski, Direktor des Oberschlesischen Museums in Beuthen (Muzeum Górnoslaskie w Bytomiu), erläuterte das Konzept der Ausstellung „100×100. Unser Jahrhundert“, in dessen Rahmen 100 Objekte aus dem Museumsbestand präsentiert wurden.

In den zweiten Themenblock, „Die Folgen des Ersten Weltkrieges für Schlesien“, führte Dr. Vasco Kretschmann, Kulturreferent für Oberschlesien, mit Ergebnissen einer Podiumsdiskussion unter dem Motto „Oberschlesien und Polens Grenz- und Minderheitenpolitik nach 1918“ ein. Dawid Keller vom Schlesischen Museum Katowitz (Muzeum Slaskie w Katowicach) referierte über „Die Auswirkungen der Teilung Oberschlesiens im Jahr 1922 auf das Verkehrswesen“, und Dr. Grzegorz Studnicki vom Museum des Teschener Schlesien (Muzeum Slaska Cieszynskiego w Cieszynie) informierte über den „Polnisch-tschechoslowakischen Streit um das Teschener Schlesien (1918–1920)“.

Im Rahmen des Themenblocks „Die Folgen des Ersten Weltkrieges in anderen Grenzregionen Europas“ kamen Markus Moehring vom Dreiländermuseum Lörrach, Florian Paprotny, Projektmitarbeiter in der Martin-Opitz-Bibliothek Herne, und Dr. Sabine Grabowski, Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf, zu Wort.

Den Themenschwerpunkt „Der Erste Weltkrieg in der Erinnerungskultur“ bestritten Henryk Dumin, Riesengebirgsmuseum Hirschberg (Muzeum Karkonoskie w Jeleniej Górze), mit dem Beitrag „Folkloreüberlieferungen und erhalten gebliebene materielle Relikte der niederschlesischen Gemeinschaften“ sowie Anna Celuch, Regionalmuseum in Neumarkt (Muzeum Regionalne w Srodzie Slaskiej), mit dem Vortrag „Die Gründung des Neumarkter Museums im zeitgeschichtlichen Kontext der Nachkriegsjahre“.

Die Kuratorentagung im Haus Schlesien mit dem regen Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern hat sich erneut als optimale Plattform für einen erfolgreichen grenzüberschreitenden Dialog erwiesen. Die Beiträge werden in einem zweisprachigen Band zusammengefasst und somit auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.

Dieter Göllner (KK)

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