Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1378.

Bücher, Medien und Veranstaltungen

„Tempelhüter“ und Hüter des Erbes

Trakehnen – ein (verlorenes) Pferdeparadies

Das Begleitheft zur Ausstellung des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen wurde redaktionell überarbeitet und neu aufgelegt.

Bereits 1982 führte das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen zum 250. Jahrestag des Gestüts Trakehnen eine Ausstellung durch. Zu den 1. Ellinger Trakehner-Tagen im Jahre 2006 wurde eine Ausstellung über die Geschichte des Hauptgestüts eröffnet. Dabei wurde ein Modell des Landstallmeisterhauses Trakehnen an das Museum im Deutschordensschloss übergeben. 2008 folgte die Auflage eines Begleitheftes zu dieser Ausstellung, das relativ rasch vergriffen war. Wegen des steten Interesses an der Geschichte des Gestüts hat das Kulturzentrum nun eine zweite Auflage des Heftes herausgegeben, die redaktionell überarbeitet und nach den neuesten Erkenntnissen um weitere acht Seiten mit historischen Fotos ergänzt wurde.

Das Heft „Trakehnen – ein Pferdeparadies“ beschreibt die Geschichte des Hauptgestüts und geht auf die Pferdezucht in Ostpreußen ein, beginnend mit der Entscheidung von König Friedrich Wilhelm I. vom 3. April 1713, mit der er die Verbesserung der Zucht in Ostpreußen anordnete. 1725 entschied der König, ein Hauptgestüt in der Gegend von Trakehnen zu gründen. Oberstallmeister Kurt Christoph von Schwerin konnte am 1. September 1732 die Inbetriebnahme des Königlichen Stutamtes mit 1100 Pferden melden.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich eine klare Linie, als englische Halbblüter in die Zucht eingeführt wurden. Stallmeister Friedrich von Schwiechow gab Mitte des 19. Jahrhundert dem englischen Vollblut den Vorzug, was zu einer glanzvollen Zuchtperiode führte, aus der Pferde mit Kraft, Belastbarkeit und Ausdauer hervorgingen.

Mehrmals musste das Hauptgestüt Trakehnen in seiner Geschichte flüchten: vor den Truppen Napoleons 1806 ins Baltikum und erneut 1812 in die Nähe von Neustadt in Schlesien. Auch zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurden die Pferde nach Neustadt an der Dosse, nach Graditz, Düren und nach Niederschlesien verbracht. Die größte Flucht begann mit dem am 17. Oktober 1944 vom Landratsamt Stallupönen angesichts der vor den Toren stehenden russischen Streitkräfte erlassenen Räumungsbefehl.

Von insgesamt 26 264 eingetragenen Stuten und 825 Hengsten erreichten knapp 1 000 die westlichen Teile Deutschlands. Nur noch 18 in Trakehnen geborene Stuten bildeten 1945 in Deutschland den Grundstock für die Erhaltung der Rasse. Zuchtgestüte sind noch in Russland und Polen vorhanden, wobei die in Polen gezüchteten Tiere als „Masurische Pferde“ bekannt sind. Mit den 18 im neuen Zuchtbuch eingetragenen Stuten gelang die Weiterzucht des „Warmblutpferdes Trakehner Abstammung“, 2003 waren 213 gekörte Hengste und 4137 Zuchtstuten vorhanden.

Das 36-seitige mehrfarbige Heft schildert die baulichen Anlagen von Trakehnen, beschreibt die Organisation, zeigt Originalaufnahmen des Fotografen Ottomar Anschütz von 1884 und zeichnet die Erfolge der Pferde bei sportlichen Ereignissen wie bei Querfeldeinrennen oder den Olympischen Sommerspielen 1936 in Dressur und Military auf. Erwähnung findet zudem der Zustand des heute im Königsberger Gebiet liegenden Hauptgestüts, wo 2007 das 275-jährige Bestehen gefeiert werden konnte und 2013 vor dem renovierten Landstallmeisterhaus das rekonstruierte Denkmal des Hengstes „Tempelhüter“ aufgestellt wurde.

Die mit Unterstützung des Förderkreises Ostpreußisches Jagdmuseum und der Hans-Ludwig Loeffke Gedächtnisvereinigung erschienene Publikation wurde unter der Redaktion des Direktors der Kultureinrichtung, Wolfgang Freyberg, erstellt und kann beim Kulturzentrum Ostpreußen, Schlossstraße 9, 91792 Ellingen, Telefon 09141-86440 oder info@kulturzentrum-ostpreussen.de für 5 Euro zuzüglich Porto und Verpackung erworben werden.

M. Fritsche (KK)

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