Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1354.

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Gutmachen, was sich gutmachen lässt

Porträt Premysl Pitter

Der sudetendeutsche Fabrikant Oskar Schindler ist durch Steven Spielbergs Film in aller Welt bekannt geworden als Retter vieler jüdischer Zwangsarbeiter in der Zeit der Verfolgung und Ausbeutung durch das NS-System.

Mit dem Ende dieser Diktatur und des Zweiten Weltkrieges war aber die Zeit der Finsternis in Mitteleuropa nicht beendet. Jetzt traf die Rache der Sieger und der vorher unterdrückten Staaten die deutsche Bevölkerung der Ostgebiete und des Sudetenlandes. Nur wenige Tschechen kritisierten die Internierung, Enteignung und Vertreibung.

Einer von ihnen war der Prager Premysl Pitter (1895–1976), der als Christ und Pazifist schon vor und während der Protektoratszeit Kinder in sozialer Not in der Kinderheimstätte Milic-Haus aufgenommen hatte, unterstützt unter anderem von Pavla Mondra, Ferdinand Krch und der Schweizerin Olga Fierz. Seine Hilfsaktion galt zunächst überlebenden jüdischen Kindern, dann auch deutschen Kindern aus tschechischen Internierungslagern unter dem Namen „Zamky“ (Schlösser), da er verschiedene Schlösser in Sanatorien umwandeln konnte. Über 800 Kindern, die Hälfte davon deutsch, wurde bis Anfang 1947 geholfen, dann griff der Staat ein, sodass Pitter nur durch seine Flucht über Berlin einer Verhaftung entging. Seiner Mitarbeiterin Olga Fierz wurde die Rückkehr in die seit 1948 kommunistische CSR verboten.

Pitter wirkte dann viele Jahre als Seelsorger im Lager Valka bei Nürnberg für ausländische Flüchtlinge. Er erhielt hohe jüdische und deutsche Auszeichnungen und den Masaryk-Orden durch Václav Havel. In Nürnberg wurde er vor der St.-Rupert-Kirche durch eine Stele geehrt.

Pitter hat 1945 und später in aller Öffentlichkeit die Gewalttaten gegen die Sudetendeutschen und deren Vertreibung verurteilt. Ich zitiere hier seine Worte aus einer Sendung im Radio Freies Europa (1964): „Eine große Schuld liegt immer noch auf unserem Volke: jene allgemeine Gefühlslosigkeit, die … 1945 … bei den Internierungen und Vertreibungen so viel Elend verursacht hat.“ Und anlässlich eines Besuches bei einem Kirchentag evangelischer Sudetendeutscher 1959 in Kassel: „Wir (die tschechischen Protestanten – d. Verf.) haben geschwiegen, als ihr aus eurer Heimat vertrieben wurdet.“ Es sei nötig, „mit Gottes Hilfe gutzumachen, was sich gut machen lässt …“

Premysl Pitter war ein Vorbild in dunkler Zeit, wohl der finstersten Zeit der tschechischen Geschichte, deren Überwindung trotz vielfältiger Ansätze auch 2014 noch nicht umfassend gelungen ist.

Rüdiger Goldmann (KK)

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