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Ausgaben: Ausgabe 1354.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

In Görlitz blühen Lenz und Bücher

Johann Wolfgang Goethe: Ein rosenfarbnes Frühlingswetter. Lieder, Balladen, Sprechgedichte. Hausbuch für den Leser von heute. Hg. von Johann Joseph Claßen. Bergstadtverlag, Görlitz 2015, 92 Seiten, 9,90 Euro

Vor einigen Jahren erschien anläßlich des 150. Todestages Joseph von Eichendorffs ein „Hausbüchlein“ mit einem „Best-of-Mix“ aus dem Lyrikkanon des schlesischen Romantikdichters. Herausgegeben hatte es Johann Joseph Claßen, selbst in Arnsberg ansässiger Dichter und auch bekannt als Vorsitzender der literarischen Christine-Koch-Gesellschaft im Sauerland. Seine Bücher veröffentlicht Claßen im Bergstadtverlag in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec, die heute Deutschland und Polen/Schlesien in besonderer Weise verbindet. Eine Partnerschaft zwischen Schriftstellern aus dem Sauerland und Masuren in Nordpolen brachte dem Autor aus Arnsberg den Kontakt zu seinem heutigen Görlitzer Verlag. Dieser vertreibt sein Verlagsprogramm in Polen wie in Deutschland.

Als jüngste Veröffentlichung in diesem Programm erschien jetzt wiederum ein poetischer „Best-of-Mix“. Doch diesmal keine Lyrik Eichendorffs, sondern ausgewählte Poesie von Johann Wolfgang Goethe. Und wiederum gab Claßen sie heraus: in einem „Hausbuch für den Leser von heute“, so der Untertitel. Der eigentliche Buchtitel, „Ein rosenfarbnes Frühlingswetter“, ist jene bekannte Metapher, die Goethe selbst in seinem frühen Liebesgedicht „Willkommen und Abschied“ schuf. Die ursprüngliche Fassung hatte er, als berühmtestes seiner Seesenheimer Lieder, für Friederike Brion gedichtet. Von Sommer 1770 an war Goethe als Student von Straßburg aus fast ein Jahr lang, wann immer möglich, nach dem 40 Kilometer entfernten Dorf Seesenheim, zum Pfarrhof und der Pfarrerstochter geritten. Über den ersten Eindruck Friederikes schreibt Goethe in einem Brief: „Schlank und leicht, als wenn sie nichts an sich zu tragen hätte, schritt sie, und beinahe schien für die gewaltigen blonden Zöpfe ihr Hals zu zart. Aus heitren blauen Augen blickte sie sehr deutlich umher … und so zogen wir durch die Fluren, mehr den Himmel über uns zum Gegenstand habend, als die Erde.“ Jedenfalls, solange das rosenfarbne Frühlingswetter anhielt! Im Sommer 1771 trübte es sich ein. Goethe verließ nach seinem Examen Straßburg, Seesenheim und Friederike Brion.

Im Vorwort erläutert der Herausgeber die Zusammenstellung und spannt dabei einen Bogen zu frühen Schaffensstationen sowie typischen Wesenszügen der Versdichtung Goethes. Ihre Aktualität sieht Claßen auch unter poetischen Aspekten: „Nicht etwa nur Liebe zu Gedichten oder das Wissen über ihren Kontext läßt sie erfassen, sondern auch die Adaption ihrer poetischen Authentizität“, schließt er mit einem Statement seine Einführung in den Band ab.

Die bleibende Gültigkeit der Poesie Goethes kontrastieren 18 Fotos, die meisten von Hans-Martin Esser und Anna Jänicke aus Arnsberg. Es sind Schnappschüsse unserer Zeit, die mit zugeordneten Verszitaten die Gedichtauswahl begleiten.

(KK)

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