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Ausgaben: Ausgabe 1355.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Als „Kriegsgefangene ohne militärischen Rang“ in russischen Weiten

Gefangen in Sibirien. Tagebuch eines ostpreußischen Mädchens 1914–1920. Hg. v. Karin Borck und Lothar Kölm.  fibre Verlag, Osnabrück, 276 S., 25 Euro

„Einen Monat nach dem Kriegsausbruch wurden wir Zivilisten unserer Heimat entrissen und nach dem Orient transportiert. Auf unserer weiten Reise durchquerten wir das europäische Rußland und Sibirien. Wir sahen auf dieser weiten Fahrt so manche Stadt, so manches Dorf, unabsehbare unbebaute Flächen, Wälder und unendliche Sümpfe. So mancher Volksstamm fiel uns auf. In einem fast dreijährigen Zeitraum ist uns die Gelegenheit aufgedrungen, mit den Sibiriern in nähere Beziehung zu treten und deren Sitten und Gebräuche kennenzulernen“, schrieb die zwölfjährige Elisabeth Sczuka am 25. März 1917 in ihr Tagebuch.

Im August 1914 war die Familie Sczuka aus dem kleinen, wenige Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt gelegenen Ort Popowen im ostpreußischen Kreis Lyck in russische Kriegsgefangenschaft geraten. Sie teilten das Schicksal von über 11 000 ostpreußischen Zivilisten als „Kriegsgefangene ohne militärischen Rang“. Anfang September 1914 begann die über 5000 Kilometer lange Fahrt im Güterwagen nach Sibirien, das sie erst 1920 wieder verlassen konnten. Über diese Zeit, die Lebensumstände im Lager Krasnojarsk und an anderen Orten, über Sibirien, die Sibirier und ihr Leben hat Elisabeth Sczuka ein faszinierendes Tagebuch verfasst. Es gehört zu den wenigen Beispielen von Aufzeichnungen von Kindern, die als historische Quelle gelten können.

(KK)

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