Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1357.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Documenta Liechtensteiniana

Marek Vareka und Marek Zárický (Hg.): Das Fürstenhaus Liechtenstein in der Geschichte der Länder der Böhmischen Krone. Universität Ostrava; Liechtensteinisches Landesmuseum (Documenta Liechtensteiniana Series Nova ; 1). Ostrava, Vaduz, 2013, 630 S.

Die Wiederentdeckung des regionalen Adels oder vielmehr ein neuer Zugang zu dieser Thematik ist seit Anfang des neuen Jahrhunderts in der Öffentlichkeit wahrzunehmen. Insbesondere die Kulturräume des europäischen Ostens haben durch Guts- und Grundherrschaft viele bauliche Zeugnisse der Vergangenheit aufzuweisen. Eine dieser großen Familien sind die Fürsten Liechtenstein. Ihre heutige Bekanntheit durch das gleichnamige Fürstentum ist gewissermaßen ein Anachronismus in unserer Zeit supranationaler Souveränitätsübereignung. Nach Größe und Regierungsform scheint in Vaduz etwas von der Zeit des 18. Jahrhunderts konserviert.

Dabei war das Fürstenhaus Liechtenstein in ganz anderen Regionen maßgeblicher und reicher begütert. Fünfzig Prozent des fürstlichen Bodenbesitzes gingen schon in der ersten Tschechoslowakei nach dem Ersten Weltkrieg verloren. Auf nur 20 Prozent des Wertes schrumpfte der Besitz nach dem Zweiten Weltkrieg. Denn in der heutigen Tschechischen Republik lagen die ertragsstarken Zentren.

In der habsburgischen Geschichte, also in enger Wechselwirkung mit Böhmen, Mähren und Schlesien, ergab sich der Aufstieg dieses Geschlechtes. Er manifestiert sich ganz besonders in Karl von und zu Liechtenstein (1569–1627). Der war 1608 vom befreundeten Kaiser Matthias in den erblichen Fürstenstand erhoben und kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg, 1614, durch Kauf zum Herzog von Troppau geworden.

Zu den tschechischsprachigen Veröffentlichungen, die Teilaspekte beleuchteten, so von Marek Vareka: Lichtenštejnski, Prag 2010, trat nun eine von Vareka mit dem umtriebigen, in Kattowitz und Ostrau wirkenden Universitätsprofessor Marek Zárický herausgegebene deutschsprachige Publikation. Als Startband einer neuen Serie ist „Das Fürstenhaus Liechtenstein in der Geschichte der böhmischen Länder“ in Mährisch Ostrau/Ostrava und Vaduz erschienen. Initiatoren und Herausgeber sind die Philosophische Fakultät der Universität Ostrava und das Liechtensteinische Landesmuseum in Vaduz.

Grundlage ist eine 2010 in Olmütz/Olomouc veranstaltete wissenschaftliche Konferenz mit Referenten aus sieben Nationen. Zufällig ebenfalls sieben Hauptkapitel mit 34 Beiträgen aus dem tschechischen und deutschen Sprachgebiet enthält nunmehr der Konferenzband. Mit dem neuen Buch ist der große Vorzug verbunden, dass man die neue Sicht auf die Thematik mit den aus der reichhaltigen archivalischen Überlieferung sich speisenden Forschungsergebnissen in der Tschechischen Republik in deutscher Sprache dargeboten bekommt.

Die Gliederung folgt zeitlichen wie inhaltlichen Aspekten. Der erste Block betrachtet die mährische Phase bis zur Böhmischen Ständeerhebung, also dem Dreißigjährigen Krieg. Mit „Aufstieg und Glanz des Fürstenhauses Liechtenstein“ ist der zweite Block überschrieben. Sein Wirken in der Gegenreformation wird sodann in drei Beiträgen betrachtet. Eher als durchgängiges Thema sind „Die Liechtensteiner als Grundherren“ zu sehen, wenngleich die Beispiele dazu mehr dem 19. Jahrhundert entstammen. Es folgt der Block zu den Wirren des 20. Jahrhunderts. Da die Schlösser vielfach erhalten blieben bzw. erst heutzutage zu Attraktionen für die breite Öffentlichkeit wurden, sind das Kunstschaffen und die Sammlungen bzw. Museen zwei Bereiche, die ebenfalls mit Beispielen fundiert präsentiert und erläutert werden.

Vielversprechend sind die Beiträge, die aus neuen Quellen mit Details aufwarten können. Ob es also um die Anzahl der Bewohner eines Schlosses und somit den Umfang einer Hauswirtschaft geht, um die durch schleichenden Verfall bestimmten Umbauten, den Kauf und Einsatz von Kraftfahrzeugen ab Beginn des 20. Jahrhunderts oder die fürstliche Mitwirkung bei der Entwicklung des Tourismus im Altvatergebirge, diese Publikation bietet neue Informationen über die Adels- und Regionalgeschichte.

Stephan Kaiser (KK)

«

»