Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1362.

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Häuser zum Zeigen mehr denn zum Wohnen

In Rumänien treibt die europaweite Erwerbsmigration seltsame Blüten

Das Oascher Land, die Marmarosch und die Bukowina sind eher ländlich geprägte Regionen im Norden Rumäniens. Seit einigen Jahren bestimmen stattliche Neubauten das Dorf- und Landschaftsbild mit. Farbenprächtig bis grell, mehrstöckig, marmor- und granitverziert heben sie sich von den traditionellen Häusern ab.

Ihre Besitzer arbeiten das Jahr über in Italien, Spanien, Frankreich oder Großbritannien. Dort sichern sie meist als Bauarbeiter, Reinigungskräfte, Altenpfleger, Erntehelfer die Existenz ihrer Familien. Ihre Ersparnisse fließen vielfach in den Bau großer Häuser in ihren Herkunftsorten. Architektur und Innenausstattung sind sichtbares Zeichen ihres Erfolgs im Ausland und ihrer modernen westlichen Lebenseinstellung. Die repräsentativen Häuser und die schweren Autos sind der Schlüssel zu gesellschaftlicher Anerkennung, sie sichern die Familienehre.

Bewohnt werden die neuen Häuser nur selten. Die älteren Menschen leben weiterhin in ihren eigenen Häusern. Sie hüten jene Enkelkinder, die zurückbleiben, und die unbewohnten Häuser. Nur zu Weihnachten, Ostern und im August füllen sich die Dörfer. Dann trifft man sich, tauscht Neuigkeiten aus. Den August prägen die pompösen Hochzeiten. Danach verstummen die Orte wieder.

Die Ausstellung „Schöne neue Welt. Traumhäuser rumänischer Migranten“ im Museum Europäischer Kulturen Berlin mit Fotografien von Petru Calinescu, Matei Bejenaru und vielen anderen vermag die verschiedenen Aspekte der Migration und des Baubooms nur anzudeuten, die Rahmenveranstaltungen sollen sie vertiefen.

(KK)

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