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Ausgaben: Ausgabe 1362.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Ein Dichter, wie er nicht im Buche steht

Das Stuttgarter Haus der Heimat eröffnet gleich zwei Zugänge zu Persönlichkeit und Werk Gerhart Hauptmanns

Gerhart Hauptmann war ein ausgesprochen schlechter Schüler; als Jugendlicher versuchte er sich erfolglos als Bildhauer – 1912 erhielt er den Literaturnobelpreis. Thomas Mann rief ihn aus als „König der Republik“, sein früherer Freund Alfred Kerr beschimpfte ihn später wegen seiner Haltung zum Nationalsozialismus als „Feigling“, belegte ihn mit einem alttestamentarischen Fluch. Hauptmanns „Bahnwärter Thiel“ zählt bis heute zu den Meisterwerken der Novellenform, „Vor Sonnenaufgang“ löste einen veritablen Theaterskandal aus, und „Die Weber“ revolutionierte die Dramenwelt.

Wer sich mit Gerhart Hauptmann beschäftigt, der findet eine literarische Erfolgsstory – aber auch Widersprüche und Fragen. „hauptmann-bruch-stücke“ ist eine vom Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg konzipierte Ausstellung, die ausgewählte Stationen seines Lebens- und Schaffenswegs szenisch visualisiert. Sie erzählt zentrale Episoden seiner Karriere und führt in die oben genannten Werke ein.

Welches Gesamtbild ergibt sich aus diesen „hauptmann-bruch-stücken“? Die Ausstellung fordert die Besucher auf, es selbst zusammenzusetzen. „Hauptmann ist kein Mann zum Anfassen und zum Mitfühlen“, schreibt Peter Sprengel, Hauptmann-Experte und Professor an der FU Berlin, im Vorwort seiner Hauptmann-Biografie von 2012. „hauptmann-bruch-stücke“ präsentiert Bausteine, die Ansatzpunkte zur Auseinandersetzung bieten.

Das Haus Schlesien in Königswinter hat im Jahr 2012 aus Anlass des Jubiläums „100 Jahre Literaturnobelpreis“ eine Ausstellung zum selben Gegenstand erarbeitet. Zwölf Text- und Bildtafeln würdigen mit vielen Detailinformationen Leben und Werk des Dichters. Sie bieten eine Fülle an biografischem Hintergrundmaterial und zeitgeschichtlichem Wissen. Die Ausstellung beleuchtet den Dichter und sein Werk unter dem Aspekt der Menschlichkeit. Seine tiefe Verbundenheit zur schlesischen Heimat, die sich als Konstante durch sein Leben zieht, stellt den Ausgangspunkt dar.

Immer wieder prägten auch Menschen aus Hauptmanns unmittelbarer Umgebung wie Familie und Freunde sowie seine persönlichen Erfahrungen und Lebensabschnitte sein Werk. Besonders die Frauen– seine beiden Ehefrauen Marie und Margarete und die jugendliche Geliebte Ida Orloff –, die ihn in seinem Leben begleiteten, inspirierten und unterstützten, die um ihn buhlten und kämpften, fanden verstärkt Eingang in sein Werk.

„hauptmann-bruch-stücke“ und „Der Dichter der Menschlichkeit“ sind zwei völlig unterschiedliche Wege, sich Gerhart Hauptmann zu nähern – das Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg bietet sie beide bis zum 23. Dezember 2015, sodann vom 11. Januar bis zum 24. März an. Sie ergänzen sich zur sowohl informativen als auch inspirierenden Gesamtsicht.

(KK)

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