Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1362.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Märkische Wegmarken

Wolfgang Kling und Jörg Lüderitz: Neumark – durch die alte Kulturlandschaft östlich von Oder und Neiße. Trescher Verlag, Berlin 2015, 291 S.

Altmark – Mittelmark – Uckermark – Neumark zeichnen in etwa den zeitlichen Verlauf der deutschen Ostsiedlung im 12. und 13. Jahrhundert im Land zwischen Elbe und Oder nach, wobei die Neumark bereits östlich von Oder und Neiße, der heutigen deutsch-polnischen Grenze, liegt. Diese Region nördlich und südlich der Warthe war bis 1945 der östliche Teil der Mark Brandenburg, sie gehört im heutigen Polen zu den Woiwodschaften Westpommern im Norden und Lebus im südlichen Teil. Der Name Neumark ist als Nowa Marchia in der polnischen Lokalhistorie weiter erhalten.

Jörg Lüderitz hat in den vergangenen Jahren Reiseführer über jeweils einzelne Teile der Neumark verfasst – z. B. über das Sternberger Land – oder Vorschläge für Radwanderungen. Er ist gebürtiger Neumärker, hat in der DDR gelebt, in den siebziger Jahren die Reisefreiheit zwischen der DDR und Volkspolen für zahlreiche Fahrten in seine Heimat genutzt, Bekanntschaften mit einheimischen Polen gemacht und Freundschaften geschlossen. Diese Erfahrungen konnte er nach der Wende nutzen, Lüderitz gilt als einer der kundigsten Kenner der Neumark in Deutschland.

Nur etwa 80 Kilometer vom Großraum Berlin entfernt, dünn besiedelt, waldreich und mit vielen Seen, war die Neumark in deutscher Zeit ein beliebtes Erholungsziel nicht nur für Berliner. Das Städtchen Berlinchen – heute Barlinek – galt damals schon als Perle der Neumark. Am Bild der Landschaft hat sich auch in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg nichts verändert, nur dass für Deutsche diese Region kaum zugänglich war und vielfach aus dem Blickfeld geriet. Das ändert sich erst allmählich, auch dank günstiger Verkehrsverbindungen durch Bahn und Straße und vor allem durch die Öffnung der Grenzen. Allerdings ist bei nicht wenigen Deutschen eine erschreckende Geschichtsvergessenheit zu beobachten in dem Irrglauben, dass alles, was östlich von Oder und Neiße liegt, schon immer zu Polen gehört hätte.

Hier kann der von Lüderitz und Kling verfasste Reiseführer für Berliner, Brandenburger und übrige Deutsche aufgrund seiner beachtlichen Qualität gegensteuern. Die ersten Abschnitte geben eine Kurzbeschreibung von Landschaft und Natur sowie einen Abriss der geschichtlichen Entwicklung vor und nach 1945. In diesen Übersichten wird die Neumark in die Regionen nördlich und südlich der Warthe eingeteilt, zwei Karten in den Innenseiten des Einbandes vermitteln die räumlichen Vorstellungen. Den Hauptteil des Buches bilden Darstellungen von 40 Reisezielen nördlich und südlich der Warthe; der Bogen spannt sich von Küstrin über Berlinchen, Landsberg an der Warthe, Drossen, Zielenzig, Sternberg, Schwerin bis Guben.

Die Orte werden mit ihren heutigen polnischen Namen bezeichnet, die früheren deutschen sind in Klammern hinzugefügt. Die beschriebenen Ortschaften decken die gesamte Fläche der Neumark, also des östlichen Teiles der Mark Brandenburg, ab. Am Beispiel des heutigen Debno, ehemals Neudamm, wird die Gliederung aller Ortsbeschreibungen dokumentiert: Einer ausführlichen geschichtlichen Darstellung seit Gründung im Mittelalter folgen die wichtigsten und für den Ort charakteristischen Sehenswürdigkeiten, in vielen Fällen mit Fotos vorgestellt. Vielfach hilft ein Ortsplan bei der Orientierung.

Breiten Raum nimmt jeweils die Beschreibung der Umgebung der Ortschaft ein. Damit ist gewährleistet, dass nicht nur 40 Einzelpunkte behandelt werden, der Leser lernt vielmehr den gesamten Raum kennen. Die Ortsschilderungen werden ergänzt durch Angaben zu Unterkunftsmöglichkeiten, Verkehrsanbindungen, Gastronomie sowie Freizeitangeboten. Diese Gliederung bietet eine hervorragende Orientierung für Planung und Durchführung eines Ausfluges in die Neumark. Besonders sehenswerte Orte bzw. Punkte werden in eigenen Kapiteln vorgestellt, z. B. die monumentale Christusstatue von Schwiebus, die Marienkirche in Königsberg in der Neumark oder der Nationalpark an der Drage im Osten des beschriebenen Gebietes. Hilfreich für den Nutzer sind ein deutsch-polnischer Sprachführer sowie ein deutsch-polnisches Ortsnamenverzeichnis.

Der Rezensent, gebürtiger Neumärker und regelmäßig in seiner Heimat, bestätigt die Aktualität und sachliche Richtigkeit der Angaben in diesem Reiseführer, der ein wichtiger Begleiter bei Ausflügen in das ehemals deutsche und jetzt polnische Land östlich von Oder und Neiße sein sollte. Vielleicht kann seine Lektüre auch Initialzündung für bisher Unentschlossene werden.

Karlheinz Lau (KK)

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