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Ausgaben: Ausgabe 1363.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Satire als Instrument der Humanität

Erich Pawlu erhielt den Gryphius-Preis

Der Schriftsteller und Publizist Erich Pawlu ist in Düsseldorf mit dem renommierten Andreas-Gryphius-Preis für sein Gesamtwerk ausgezeichnet worden. Damit steht der Dillinger Buchautor und Satiriker in einer Reihe mit Schriftstellern wie Siegfried Lenz, Wolfgang Koeppen, Otfried Preußler, Peter Härtling und Walter Kempowski.

Erich Pawlu stammt aus dem nordmährischen Frankstadt (heute Novy Malin). Von 1959 bis 1996 unterrichtete er Deutsch, Geschichte, Erdkunde und Sozialkunde am Johann-Michael-Sailer-Gymnasium Dillingen. 20 eigene Bücher und 23 000 Einzelveröffentlichungen brachten ihm schon bisher mehrere Literaturpreise ein. Für sein kulturelles Schaffen wurde er 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Gekürt werden die Gryphius-Preisträger nach strengen Kriterien von einer Jury der Künstlergilde Esslingen. Deren Bundesvorsitzender Hansjürgen Gartner und Professor Dr. Winfrid Halder, Direktor des Gerhart-Hauptmann-Hauses Düsseldorf, würdigten im Rahmen einer Feierstunde den Rang Erich Pawlus als Meister der Erzählkunst und der konstruktiven Ironie. In der Laudatio der Germanistin und Mediävistin Dr. Helga Unger, München, hieß es: „Erich Pawlu ist ein Schriftsteller, der die allgemein menschlichen und die drängenden Probleme im überzeitlichen Geist des wahrhaft Humanen in vollendeter Sprachkunst zum Ausdruck bringt. Erich Pawlu verfügt als Schriftsteller über eine scharfe Beobachtungsgabe, einen ausgeprägten Sinn für Situationskomik und die Lust am Durchkomponieren, gepaart mit einer humanistischen Grundhaltung.“ Inhaltlicher und künstlerischer Reichtum seien vergleichbar mit dem des Werks von Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Eugen Roth.

In seiner Dankesrede verwies Erich Pawlu auf sein frühes Verständnis für das Werk des Barockdichters Andreas Gryphius: „Meine eigene Erfahrung von Krieg und Vertreibung erleichterte mir den Zugang zu den elegischen Gryphius-Gedichten, die unter dem Eindruck des Dreißigjährigen Krieges entstanden.“ Erich Pawlu bedankte sich bei seiner Frau sowie bei Freunden und Wegbegleitern für Unterstützung und Förderung. Seine Rede schloss er mit einem Sonett, „das sich in die Weltsicht des Andreas Gryphius zwischen der Erkenntnis ‚Es ist alles eitel‘ und der Lebenslust im ‚Peter-Squenz‘-Spiel einfühlen will und zugleich augenblickliche Empfindungen in barocke Form kleidet“.

 

Erich Pawlu

Danksonett

Wer schön und feierlich / in Gerhart Hauptmanns Schatten
dem großen Gryphius / zur Seite wird gestellt,
der spürt mit einem Mal / tief unter den Krawatten,
dass Leben schön sein kann / in einer harten Welt.

Er findet plötzlich gut, / trotz dunklem Hintergrunde,
was um ihn her geschieht. / Und gegen alle Trends
fühlt er sich angeregt / in dieser frohen Runde
zu unbeschwertem Spiel nach Art von Peter Squenz.

Zwar weiß auch er genau, / die Erde wird sich drehen,
sodass der Tagesruhm / in kurzer Zeit vergehen
und in den tiefen Fluss / der Lethe sinken muss.

Doch einmal wurde er / im Laufe schöner Stunden
in Düsseldorf mit Glanz / und urkundlich verbunden
dem Meister des Barocks: / Andreas Gryphius.

(KK)

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