Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1363.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Baltikum, geballt

Studenten-Seminar in Libau/Liepaja

Mit großer Freude begrüßten uns die Leitung der Universität in Libau/Liepaja, 30 lettische Studenten und etwa zehn interessierte Gäste zu unserem 13. Baltischen Studenten-Seminar. Wie in den vergangenen Jahren begann Dr. Tilmann Plath (Universität Greifswald) die Tagung mit einer Einführung in die baltische Geschichte, die im 12. Jahrhundert mit der Christianisierung begann. Ruta Brusbarde ging mehr in die Tiefe, indem sie mit Altlivland begann und die Zeit des Mittelalters bis etwa 1561 behandelte. Im dritten Vortrag befasste sich Dr. Manfred von Boetticher mit der Hanse und dem deutschen Anteil an ihr. Durch die Hanse wurde Lettland stark mit dem Westen Europas verbunden und profitierte wirtschaftlich sehr stark. Besonders Riga erblühte durch den verschiedenartigen Handel mit der Hanse.

Der Theologe und Pastor Dr. Gundars Ceipe (Riga) berichtete von der sehr frühen Reformation, die von Deutschland (Lübeck, Königsberg, Rostock) aus ins Baltikum getragen wurde und in der Petri-Kirche, Riga, bereits 1522 manifestiert wurde. Dr. Ceipe erklärte den jungen Menschen auch, was Glaube ist und wie man ihn finden und leben kann. In das Herzogtum Kurland und Semgallen führte Professor Dr. Marite Jakovleva (Universität Riga) sehr detailliert ein. Kurland war und ist eine wichtige Region im Baltikum. Heute gehört es zu Lettland. Professor Dr. Ineta Balode (Universität Riga) behandelte sehr anschaulich die Bedeutung der deutschen Sprache für Lettland und ihre Entstehung. Spezialist für die Herrnhuter im Baltikum ist Professor Dr. Gvido Straube (Universität Riga). Er erklärte ihre Bedeutung für Livland und den Zusammenhang mit dem nationalen Erwachen der Letten. Über die Zeit der ersten Selbständigkeit des Landes von 1918 bis 1939 berichtete anschließend Dr. Plath.

Am letzten Seminar-Tag erfuhren wir von Dr. Raimonds Ceruzis (Universität Riga), was in der Zwischenkriegszeit im selbständigen Lettland geschah. Die Deutschen wurden ihrer Vormachtspositionen enthoben, wurden enteignet und hatten Schwierigkeiten, weiter ein normales Leben zu führen. Viele Deutschbalten verließen bereits 1920 das Land, weil sie keine Existenzgrundlage mehr hatten. Mit der Umsiedlung der Deutschen in den Warthegau 1939 entstanden auch für Lettland große Schwierigkeiten im Wirtschafts-, Kultur- und Bildungswesen. Es fehlten die entsprechend Ausgebildeten.

Dr. Janis Keruss (Universität Riga) sprach über die dramatischen Fluchtwege der Fischer aus Lettland, die während der langen Okkupation durch die Sowjets immer wieder versuchten, nach Schweden zu gelangen. Ihr Schicksal ist nur wenig bekannt, umso interessanter waren die Ausführungen gerade für die junge Generation, die mit derartigen Berichten selten konfrontiert wird.

Wie die Seminare in den zwölf Vorjahren bedeutete das diesjährige wieder eine sehr wichtige und notwendige Bildungsbereicherung. Jeder Student erhielt ein Zertifikat, das ihm für eine weitere Fortbildung sicher behilflich sein wird. Der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sei deshalb für die finanzielle Unterstützung, die dieses Seminar ermöglicht hat, herzlich gedankt.

Babette von Sass (KK)

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