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Ausgaben: Ausgabe 1363.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

„Orte der Reformation“

Königsberg und das Herzogtum Preußen

In der Reihe „Orte der Reformation“ ist ein Heft erschienen, das sich dem Thema „Königsberg und das Herzogtum Preußen“ widmet. Die 92 Seiten starke Publikation mit über 80 Abbildungen ist von der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig veröffentlicht worden. Die Herausgeber – Pfarrer i. R. Lorenz Grimoni, Leiter des Museums Stadt Königsberg in Duisburg, und Dr. Andreas Lindner, Theologe am Martin-Luther-Institut der Universität Erfurt – stellen in dieser 18. Ausgabe der Reihe einmal mehr ihre hohe Fachkompetenz unter Beweis.

Dietrich Brauer, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER), betont in seinem Vorwort: „Markgraf Albrecht von Brandenburg, persönlich mit Luther und Melanchthon befreundet, führte die Reformation im Ordensstaat ein. Damit löste er 1525 den alten Deutschordensstaat auf und gründete das Herzogtum Preußen. Es wurde eine Kirchenordnung verabschiedet und die erste deutsche evangelisch-lutherische Landeskirche etabliert.“ Dr. Andreas Lindner erläutert, wie im günstigen Zusammenwirken Herzog Albrechts, der Bürger Königsbergs und des von Martin Luther entsandten Johannes Briesmann die Einführung der Reformation und der Aufbau der ersten evangelisch-lutherischen Landeskirche überhaupt begann. Lorenz Grimoni behandelt das Thema der „Glaubensflüchtlinge in Preußen seit der Reformation“. Die Flüchtlinge kamen anfangs aus den Niederlanden und aus Böhmen. Später waren es die calvinistischen Hugenotten aus Frankreich, die Mennoniten aus der Schweiz und nach 1731 die Salzburger Emigranten sowie englische und schottische Puritaner, die in Königsberg und in der Provinz eine neue Heimat gesucht und gefunden haben. Stephan Bitter, Superintendent i. R. und Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität Bonn, schildert in seinem Beitrag das Wirken der ersten Generation von Reformatoren in Königsberg. Klaus Plorin, evangelischer Gemeindepfarrer in Bayern, beschreibt Königsberg „als Ort evangelischer Kirchenlieder – Die himmlische Kunst der Musica“. Bei Michael Ludscheidt, Bibliotheksleiter im Augustinerkloster Erfurt und Germanist an der Universität Erfurt, steht die „Literatur in Königsberg zwischen Reformation und Barock“ im Mittelpunkt.

„Reformation in Königsberg und im Herzogtum Preußen“ ist auch der Titel der Ausstellung, die das ehrenamtliche Museumsteam um Lorenz Grimoni als „Abschiedsgeschenk“ für den Standort Duisburg wählte. Hintergrund ist, dass in der 18. Ausgabe der Publikation „Orte der Reformation“ zahlreiche Dokumente und Bilder aus den Beständen des Museums Stadt Königsberg erwähnt werden, die die Besucher bei einem Rundgang durch die Ausstellung in Duisburg betrachten können.

Zu den Besonderheiten der Präsentation gehören die erste Predigt des Bischofs Georg von Polentz sowie die erste preußische Chronik von Petri de Dusburg und eine wertvolle Bibel mit Bildern der Familie Luther. Eine Art „geistigen Mittelpunkt“ bildet die Darstellung des im Krieg zerstörten und wieder aufgebauten Königsberger Doms. Ergänzend ist der Dom zu Königsberg mit der 1924 eingerichteten Grabstätte als Modell aus dem Jahre 1968 zu sehen.

Zum Begleitprogramm der Reformations-Ausstellung in Duisburg gehörte der von Dr. Andreas Lindner gehaltene Vortrag über Albrecht von Brandenburg-Ansbach und die Reformation. In der Salvatorkirche Duisburg wiederum fand in Anlehnung an die Präsentation zur Lutherdekade ein Festgottesdienst mit Professor Dr. Margot Käßmann, der „Botschafterin für das Reformationsjubiläumsjahr 2017“, statt.

Es ist inzwischen bekannt, dass das Museum Stadt Königsberg in Duisburg nach seiner 47-jährigen Tätigkeit seine Pforten schließt und in das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg umzieht. Ein letztes Mal zeigt man hier, so Klaus Weigelt, Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Königsberg, bei der Vernissage, die europäische Strahlkraft der früheren Provinzhauptstadt Ostpreußens im Rahmen einer Ausstellung. Doch Königsberg soll auch weiterhin in Duisburg „zu Hause“ sein. Da sich die Stadt zum Fortbestand der Patenschaft bekannt hat, wird langfristig ein Patenschaftsbüro betrieben werden. Außerdem wird weiterhin der „Königsberger Bürgerbrief“ erscheinen, der über Themen zur Stadtgeschichte, über Ereignisse und Personen vor 1945, über Entwicklungen im heutigen Kaliningrad sowie über die Tätigkeit der Stadtgemeinschaft Königsberg informiert.

Die Verbindung der Stadt Duisburg mit Königsberg geht auf das Jahr 1951 zurück, als die Patenschaft für die geflüchteten und vertriebenen Bürger übernommen wurde. Die am 5. Dezember 1992 im Kultur- und Stadthistorischen Museum am Johannes-Corputius-Platz eröffnete Museumseinrichtung löste das am 20. Oktober 1968 gegründete Museum Haus Königsberg ab. Die Betreuung des Hauses übernahm die Stadtgemeinschaft Königsberg mit der Stiftung Königsberg in Zusammenarbeit mit der Stadt Duisburg. Der heute 76-jährige Museumsleiter Lorenz Grimoni und sein inzwischen gealtertes Team sind überzeugt, dass die Arbeit an den gewachsenen Sammlungsbeständen des Hauses und die Koordinierung grenzüberschreitender Projekte in den Händen der jüngeren Mitarbeiter in Lüneburg bestens aufgehoben sind.

Dieter Göllner (KK)

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