Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1367.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Europäische Kulturhauptstadt,
zweisprachig kartiert

Dirk Bloch: Stadtplan Breslau 1932 / Wroclaw heute: Altstadt und angrenzende Stadtteile im Maßstab 1:12 000. Bloch Verlag, Berlin 2015, 6,95 Euro

Der Stadtplan „Breslau 1932 – Wrocław heute“ unterscheidet sich von den bereits auf dem Markt befindlichen Breslau-Plänen dadurch, dass er nebeneinander den Vorkriegs- und den aktuellen Zustand in gleichem Maßstab und gleicher Darstellung zeigt und somit einen direkten Vergleich beider Zeitschichten ermöglicht. Im Gegensatz zu Plänen, in denen neben den aktuellen Straßen lediglich die historischen Straßennamen verzeichnet sind, kann man so besser die Unterschiede in der Stadtstruktur sehen, wurde doch in Breslau – wie in jeder anderen europäischen Großstadt – durch Kriegszerstörung und den Bau von Schnellstraßen, aber auch durch Sanierung von als unhygienisch bezeichneten historischen Stadtvierteln vieles verändert. So kann man heute eben nur noch ahnen, dass anstelle der die Altstadt durchschneidenden autogerechten Schnellstraße Kazimierza Wielkiego einst ein ganzes Gewirr von Gassen und Sträßchen den Verlauf der alten Ohle säumte. In vielen Plänen wird behauptet, dass diese für die 70er Jahre typische Straße früher Karlstraße hieß, was nur für einen schmalen Bereich der heutigen Fahrbahn zutrifft. Man sieht aber beim Vergleich beider Pläne auch, was an historischen Gebäuden heute noch vorhanden ist und wie viele der alten Bauten heute ähnlich genutzt werden wie früher.

Dennoch befindet sich – als Überlagerung beider Zeitschichten – auf der Rückseite des Planes eine handliche zweifach beschriftete Karte „Altstadt und Dominsel“. Sie eröffnet eine praktische Möglichkeit, sich mit historischen Reiseführern und den dort genannten alten Straßennamen auch im heutigen Breslau gut zurechtzufinden.

Der Plan zeigt den inneren Stadtbereich zwischen dem Bahnhof Odertor im Norden und dem Stadtteil Herdain im Süden. Natürlich sind neueste Bauten wie die Konzerthalle, der derzeit noch in Bau befindliche neue Busbahnhof oder die Seilbahn über die Oder enthalten. Auf der Rückseite gibt es außerdem eine Nebenkarte vom Bereich Jahrhunderthalle/Scheitniger Park und ein ausführliches vergleichendes Straßenregister. Ein zweisprachiges Verzeichnis der Sehenswürdigkeiten rundet die Informationen auf dem Plan ab. Dieser Plan ist also sowohl für Besucher der Stadt, besonders für heimatvertriebene Breslauer, als auch für Forscher am heimischen Schreib- oder Küchentisch nutzbar und interessant.

Der Herausgeber ist selbständiger Stadtplaner und Sohn eines Kartografen. Schon von Jugend auf hat er in Stadtplänen gelesen wie andere in Büchern, da man in guten Stadtplänen auch die Geschichte der Stadt lesen kann. Deshalb fing er vor ca. 15 Jahren damit an, vergleichende Stadtpläne selber zu erarbeiten, die Stadtgeschichte – in diesem Fall von Gotha und Frankfurt (Oder) – erlebbar zu machen. Über Bekannte wurde er auf Königsberg/Kaliningrad aufmerksam, da wohl diese Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg so massiv verändert wurde wie keine andere in Europa. Seit 2010 erarbeitet er pro Jahr zwei bis drei neue Stadtpläne und Landkarten von Gebieten Ostpreußens und heute in Russland gelegenen Städten und gibt diese im Eigenverlag heraus.

Gleichzeitig entdeckte er ab 2003 seine Liebe zu Schlesien. Einer von vielen Gründen mag sein, dass seine Mutter aus Schweidnitz stammt, weshalb ihm diese Landschaft mit ihren wundervollen geschichtsträchtigen Städten so ans Herz gewachsen ist. Insbesondere das Schlesische Elysium – das Hirschberger Tal – lässt ihn seitdem nicht mehr los. Deshalb war es für ihn nur folgerichtig, seine kartografische Produktion auch auf schlesische Städte auszurichten, und was lag da näher, als mit der Hauptstadt Breslau – zumal im Kulturhauptstadt-Jahr – zu beginnen. Es ist beabsichtigt, vergleichende Stadtpläne weiterer schlesischer Städte folgen zu lassen. Als nächstes wird wohl Oppeln/Opole erscheinen. Mit diesen neuartigen Plänen weckt Dirk Bloch auch bei Menschen, die bis dahin keinen persönlichen Bezug zu Schlesien hatten, Liebe für Land, Leute und Geschichte.

Michael Ferber (KK)

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