Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1372.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Mühen der Ebene

Gerhard Albert / Stefan Vesper (Hrsg.): Zwischen Isolation und Integration – Polen in Europa. Ost–West 3. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2016, 79 S., 6,50 Euro

Beunruhigende Veränderungen in Polen, einem „Land im Aufruhr“, sehen in unterschiedlicher Wertung die zehn deutschen, polnischen, schwedischen und französischen Autoren im neuen Heft „Ost–West“, das gemeinsam von Renovabis und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken herausgegeben wird. Es fällt auf, dass es nur einen Beitrag zum 25. Jahrestag des deutsch-polnischen Vertrages gibt – das Editorial erwähnt ihn gar nicht. Dieter Bingen, der Direktor des Deutschen Polen-Instituts, nennt den Nachbarschaftsvertrag einen Glücksfall.

Anlass dieses Heftes waren nicht nur der Papstbesuch, sondern in erster Linie die Maßnahmen der national-konservativen (katholischen) Partei „Recht und Gerechtigkeit“ mit ihrem Drahtzieher Jaroslaw Kaczynski, die es nach Meinung vieler ihrer Kritiker an der Umsetzung ihres Namens fehlen lässt.

Barbara Tömquist-Plewa, Professorin an der Universität Lund, weist auf das große Interesse hin, das Schweden am südlichen Nachbarn hat. Dort schwankt das Bild der Polen zwischen dem von Märtyrern und jenem von Unruhestiftern. Unter den Eliten wachse ein Bewusstsein dafür, dass die Ereignisse in Polen, die „Bewegung von Ideen und Stimmungen“ sich polarisierend in ganz Europa auszubreiten beginnen. Mitverantwortlich dafür ist nach Meinung von Georges Mink, ehemals Forschungsdirektor am Institut für Politische Sozialwissenschaften der Universität Paris-Ouest und derzeit Gastprofessor in Warschau, Kaczynski mit seinem ausgeprägten Schwarz-Weiß-Denken, seinem Ziel einer „Vierten Republik“ mit Neuausrichtung der polnischen Außenpolitik, nach der in einer „anarchischen Welt“ jeder Staat seine eigenen egoistischen Ziele verfolgen soll. Das gilt auch, und hier befindet er sich im Widerspruch zum Papst, für seine derzeitige Flüchtlingspolitik. Chefredakteur Zbigniew Nosowski sieht, dass sich die Erfordernisse der Evangelien radikal von der Regierungspolitik unterscheiden.

Die frühere polnische Botschafterin in Wien, Irena Lipowicz, sieht ihre Landsleute als „entkräftete Bergsteiger“, die dennoch zusammen mit der Kirche die deutsch-polnische Versöhnung vorantreiben müssen.

Das Heft schließt mit einem Bericht über die Caritas in Litauen und einem kurzen Auszug aus der Rede des Papstes vor Vertretern der Regierung, des öffentlichen Lebens und Diplomaten am 27. Juli 2016 in Krakau.

Norbert Matern (KK)

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