Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1376.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Aus dem Osten der Christenheit

Thomas Bremer/Asaad Elias Kattan/Reinhard Thöle (Hrsg.): Orthodoxie in Deutschland. Aschendorff Verlag, Münster 2016, 275 S., geb. 22,80 Euro

Dies von drei Theologieprofessoren betreute Buch erfreut zunächst dadurch, dass alle in den zwanzig Einzelbeiträgen mit kritischem Apparat genannten ostdeutschen und südosteuropäischen Orte mit ihrem deutschen Namen genannt werden und auch Deutschland vor 1945 behandelt wird. Der Zar wird übrigens durchgehend Kaiser genannt.

Georgios Basioudis, Erzpriester in Mannheim, zitiert aus dem „Wort der orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland zur Ankunft der Flüchtlinge in unserem Land, dass aus der Willkommenskultur eine Integrationskultur“ werden muss. Durch die Vertreibung und Verdrängung der Christen aus den arabischen Ländern rechnet die Orthodoxie in Deutschland künftig mit weiteren 500 000 Gemeindemitgliedern.

Die Orthodoxie ist bei uns derzeit die drittgrößte Konfession mit rund 1,5 Millionen Gläubigen in zwanzig verschiedenen Kirchen. Die ersten russisch-orthodoxen Gemeinden in Deutschland entstanden im neunzehnten Jahrhundert. Dazu gehörten die nach einer verweigerten Kirchenreform in Russland verfolgten „Altgläubigen“ (Philipponen), die von dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. in Ostpreußen, und zwar im Gebiet der masurischen Seen, angesiedelt wurden. Elf Dörfer mit dem Hauptort Eckertsdorf (heute polnisch Wojnowo) wurden gegründet, 1847 wurde auch ein Kloster eingeweiht. Selbst in Hamburg entstand eine Philipponen-Gemeinde.

1913 wurde in Danzig eine russisch orthodoxe Gemeinde ins Leben gerufen. Trotz wachsender Spannungen mit Moskau stellte die preußische Regierung für russisch-orthodoxe Kirchen kostenlos den Baugrund zur Verfügung.
Mehr über serbische und nun syrische Christen auf der Flucht sowie den Freundeskreis Philoxenia als Vorreiter ökumenischer Zusammenarbeit von Orthodoxen, Katholiken und Protestanten erfährt der Leser im ersten geschichtlichen Teil des Buches. Im zweiten geht es um Sachthemen wie den orthodoxen Religionsunterricht in Deutschland, orthodoxe Theologie an der Universität – die Hochschule Königstein, wo anfangs auch Orthodoxie gelehrt wurde, kommt nicht vor – oder das Stipendienprogramm der Deutschen Bischofskonferenz mit Vorarbeiten des Hildesheimer Prälaten Nikolaus Wyrwoll. Der dritte Teil des wichtigen Buches beschäftigt sich mit den altorientalischen Kirchen.

Norbert Matern (KK)

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