Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1396.

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Von Freudenreich bis Elbrewery

500 Jahre Reinheitsgebot – Bier und Brauereien an der unteren Weichsel damals und heute. Deutsch und polnisch. Kulturzentrum Ostpreußen, Ellingen 2018.
Bestellungen unter Telefon 09141-86440 oder info@kulturzentrum-ostpreussen.de, 5 Euro zuzüglich Porto/Verpackung

Bereits in der Zeit des Deutschen Ordens wurde in Pomerellen in Klöstern und in jeder Stadt Bier gebraut. Allerdings berichtet Kaspar Henneberger in seiner Chronik von 1595, dass die Biersorten nicht immer gut waren. In der Zeit des Hochmeisters Konrad von Erlichshausen (1441–1457) hatten einige davon originelle bis sonderbare Namen wie das Danziger Bier „Wehr dich“, das Elbinger „Schlichting“, das Stargarder „Spülkanne“ oder das Marienwerder „Blerrkatze“. Nur das Getränk aus Dirschau rühmte sich „Freudenreich“.

Die besten Zeiten für das Brauwesen im Königlichen Preußen waren im 16. und 17. Jahrhundert. Danach ging die Zahl der Brauhäuser an der unteren Weichsel bis 1815 zurück, und erst in der Ära der Industrialisierung entstanden neue und moderne Brauereien, vor allem in großen Städten wie Danzig und Elbing, aber auch in kleineren Orten wie Dirschau, Pr. Stargard, Marienburg, Marienwerder und Mewe.

Ein großes Kapitel befasst sich mit der „Bierstadt“ Danzig, in der es zeitweise Hunderte von Brauereien gab, so dass die Stadt zum Zentrum des Brauwesens im Osten wurde. 1416 gab es 378 Namen, die Produktion wurde auf 250 000 Fässer mit je 126 Litern geschätzt. Die Familie Hevelke, aus der der Astronom Johannes Hevelius (1611–1687) stammt, besaß bereits 1580 zwölf Brauhäuser in der Altstadt Danzigs.

Das Heft beleuchtet die Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert, als viele Braustätten geschlossen wurden. 1820 gab es 30 und 1861 nur noch 17 Betriebe. Durch die Industrialisierung um 1860 entstanden die ersten Großbrauereien wie die Danziger Aktien-Bierbrauerei und die Brauerei Richard Fischer in Neufahrwasser, die einige Jahre später zu den größten Betrieben der Stadt zählten. Die Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg führte zu zahlreichen Schließungen oder zu Übernahmen von kleineren Brauhäusern wie Gebr. Stobbe, Schloßgrund oder Gebr. Hamm, so dass 1935 nur die beiden erstgenannten Produktionsstätten übrigblieben.

Eigene Kapitel schildern die Geschichte der Hohenzollernbrauerei Dirschau, des Bürgerlichen Brauhauses Pr. Stargard sowie der Braustätten in Marienburg und Marienwerder. Erwähnung finden zudem große Bierherstellungsbetriebe an der unteren Weichsel in Bromberg, Thorn, Kulm und Graudenz sowie kleinere regionale Betriebe in Schlochau, Konitz, Mewe, Rosenberg und Bischofswerder und letztendlich die Schloßbrauerei in Finckenstein.

Ein Teil der neuen Publikation ist der Geschichte der Brauereien an der Weichsel nach 1945 gewidmet. So konnte die Danziger Aktien-Brauerei bereits am 14. Mai 1945 wieder die erste Flasche Bier ausliefern. Die Modernisierung der Einrichtungen sowie die 1962 erfolgte Verleihung des Titels „Bester Brauereibetrieb in Polen“ verhinderten nicht, dass sie 1997 von der Elbrewery Co Ltd. in Elbing übernommen und 2001 geschlossen wurde. So ging es auch vielen anderen kleinen Firmen, die 1945 die Produktion nicht mehr aufnahmen oder einige Jahre später „zugesperrt“ wurden. In Bromberg, Kulm und Graudenz bestehen heute wieder große Herstellungswerke.

Aber auch die neuen Brauereien an der Weichsel finden Erwähnung: die 2008 eröffnete Mikrobrowary in Danzig, die Browar Kociewski in Pr. Stargard, die 2016 ihren Betrieb aufnahm, oder die Brauerei Gosciszewo im ehemaligen Braunswalde zwischen Marienburg und Stuhm, die 1991 die erste Minibrauerei Polens war. 200 000 Hektoliter jährlich stellt die seit 1994 bestehende Brauerei Amber in Bielkówo in der Gemeinde Kolbudy (Kahlbude) bei Danzig her. Von ihr kommt das Lagerbier „Johannes“, zu dem das Historische Museum der Stadt Danzig die Idee beitrug.

Die im Eigenverlag des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen zweisprachig (deutsch/polnisch) erschienene Publikation wurde unter der Redaktion des Direktors der Kultureinrichtung, Wolfgang Freyberg, erstellt und bildet eine Ergänzung zum ersten, ebenfalls noch lieferbaren Heft „500 Jahre Reinheitsgebot – Bier und Brauereien in Ostpreußen damals und heute“.

M. Fritsche (KK)

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