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Ausgaben: Ausgabe 1352.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Historiker werden alt, sind’s aber nicht

Protokollbuch der Philosophischen Fakultät der Albertus-Universität zu Königsberg i. Pr. 1916–1944. Herausgegeben, eingeleitet, kommentiert und mit einem bio-bibliographischen Anhang versehen von Christian Tilitzki. Einzelschriften der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung, Band 30, herausgegeben von Udo Arnold. fibre Verlag, Osnabrück 2014. 702 Seiten, 58 Euro

Es bedurfte intensiver Arbeit in einer Zeitspanne von zehn Jahren, um dieses umfangreiche Quellenwerk fertigzustellen. Der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien bewilligte 2009 ein Stipendium, mehrere Vorsitzende der Historischen Kommission engagierten sich, und zur Finanzierung trugen schließlich die Stiftung „Zukunft für Ostpreußen“ und die Stiftung Königsberg im Stifterverband für die deutsche Wissenschaft bei.

Nicht nur die Geschichte liegt immer weiter zurück – für die Universität Königsberg waren es 2014 siebzig Jahre seit ihrer Zerstörung im Sommer 1944, kurz nach der 400-Jahr-Feier –, sondern auch Historiker müssen alt werden, wie der Herausgeber Christian Tilitzki, Leopold von Ranke zitierend, in seinem Vorwort schreibt, um ein solches Werk für die Nachwelt aufzubereiten. Der Historiker Christian Tilitzki forscht u. a. zur ostpreußischen Geschichte und zur Universitätsgeschichte; zuletzt erschien „Die Albertus-Universität Königsberg. Ihre Geschichte von der Reichsgründung bis zum Untergang der Provinz Ostpreußen“ (2 Bände, 2012 und 2014).

Das Protokollbuch ist ein einzigartiges Zeugnis für das wissenschaftliche und kulturelle Leben an der Königsberger Albertina in den letzten drei Jahrzehnten ihrer Existenz. Es umfasst nicht nur die Philosophische Fakultät im heutigen Fachverständnis, sondern auch die damals ihr noch zugehörenden nationalökonomischen (bis 1921) sowie die natur- und agrarwissenschaftlichen Fächer (bis 1936). Besonders wichtig für Ostpreußen waren etwa die Institute für Agrikulturchemie, Tierzucht, Milchwirtschaft und Fischerei, aber auch – neben den üblichen Seminaren und Instituten für Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte etc. – das Seminar für Vor- und Frühgeschichte, das Institut für Heimatforschung und das Musikwissenschaftliche Seminar.

Nach einer umfangreichen Einleitung des Herausgebers mit ausführlichem wissenschaftlichem Apparat folgen als Hauptteil auf über 500 Seiten die insgesamt 267 Protokolle von 1916 bis 1944, ebenfalls mit einem detaillierten wissenschaftlichen Apparat. Eine wahre Fundgrube ist der sich anschließende „Catalogus Professorum“, der Lebens- und Werkhinweise von 130 Professoren enthält, darunter so bedeutende Wissenschaftler wie Arnold Gehlen (Philosophie), Helmut von Glasenapp (Indologie), Alfred Heuß (Alte Geschichte), Konrad Lorenz (Vergleichende Psychologie), Josef Nadler (Neuere Literaturgeschichte), Hans Rothfels (Mittlere und Neuere Geschichte), Wolfgang Schadewaldt (Klassische Philologie) und Theodor Schieder (Neuere Geschichte). Dieser war auch von 1943 bis 1945 der letzte der zwanzig Dekane der Philosophischen Fakultät.

Eine Liste der Berufungen, Institute, Seminare und Quellen sowie ein Literatur- und ein über neunzig Spalten umfassendes Personenverzeichnis runden das Werk ab. – Der Historischen Kommission und dem Herausgeber des Werkes Christian Tilitzki ist hier ein Werk gelungen, das noch vielen Forschergenerationen gute Dienste leisten und die Königsberger Albertina im Gedächtnis halten wird.

(KK)

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