Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1267.

Dankbarkeit und Hoffnung

Gedanken zum Jahreswechsel

Es müssen ja nicht gleich sieben magere Jahre sein, die uns bevorstehen. Aber immerhin gibt es Fachleute, die für das neue Jahr eine Minderung des Bruttosozialproduktes von bis zu vier Prozent erwarten. Das wäre natürlich nicht wenig und würde sich negativ auf die Beschäftigtenzahl und vor allem auch auf die Einkommensverhältnisse auswirken. Wir sollten jedoch erst einmal in Ruhe nachdenken. Wie unser Leben nur durch Ein- und Ausatmen erhalten werden kann, so ist es ganz natürlich, daß im Wirtschaftsleben auf Phasen der Hochkonjunktur auch Phasen der Stagnation und der Rezession folgen.

Es wäre ungesund, immer nur in gleichem Tempo zu jagen, ohne sich Zeit zu nehmen, die Früchte seiner Anstrengungen zu genießen, statt die Ziele immer höher zu schrauben. Wer sich erholt hat, kann auch wieder mehr leisten, und wo der Absatz einmal gestockt hat, wird er durch Anstrengungen auf beiden Seiten auch wieder zunehmen. Dafür sind Einfallsreichtum und Fleiß, woran es dem deutschen Volk ja nicht mangelt, gute Garanten.

Freilich wird das Gefühl der Unsicherheit bei den über 70jährigen Deutschen die Erinnerung an die letzte Kriegsweihnacht wachrufen. Allen Menschen, die damals nicht von der Wahnvorstellung des Endsieges ergriffen waren, stand die Sorge um die Zukunft ins Gesicht geschrieben. Hinzu kam die tiefe Trauer um die Gefallenen. Die Zeitungen waren seit Jahren voll von Traueranzeigen, in denen man die 150prozentigen Parteigenossen durch den Ausdruck „In stolzer Trauer“ erkennen konnte. Wer beim Anstimmen der Weihnachtslieder auf „O, du fröhliche …“ stieß, zuckte zusammen und verstummte. Die Tradition des geschmückten Weihnachtsbaumes wurde natürlich aufrechterhalten. Es galt ja die Geburt des Heilands der Welt in ernster Frömmigkeit zu begehen. Man ahnte besonders im Osten Deutschlands, daß großes Unheil bevorstand.

Wer sich daran erinnert und an die folgenden Monate mit dem Vormarsch der Roten Armee und schließlich der Vertreibung von ca. 15 Millionen Deutschen, der wird zugeben, daß wir heute in herrlichen Zeiten leben. Was uns jetzt bedrückt, sind normale Vorgänge. Da haben wir bei aller Sorge reichlich Grund zur Dankbarkeit dafür, daß unser wirtschaftliches und politisches Leben in den geordneten Bahnen eines freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates verläuft.

Auf diese Dankbarkeit können wir auch die Hoffnung für das kommende Jahr gründen. Unser Wohlstand wird ein wenig geschmälert sein, aber das ist nicht nur ein Nachteil. Es ist hilfreich, sich klarzumachen, daß nach ungewöhnlichen Erfolgen eine Pause der Besinnung ernüchternd und anregend wirken kann. Die Hektik unseres Alltagslebens läßt zuwenig Raum für Besinnung, und aus der Lebendigkeit des Geistes entstehen Ideen, die zur Quelle neuer Erfolge werden können. Wer einen starken Willen zur Gestaltung der Zukunft hat, wird nicht vergebens hoffen.

Auch die Stiftung Ostdeutscher Kulturrat hat Grund zur Dankbarkeit für manche vermehrte Projektförderung in den letzten Jahren, und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft war auf unserer letzten Jahrestagung die gemeinsame Auffassung. Es ist sicher nicht bekannt genug, daß in unseren Stiftungsorganen mehr als 80 meist durch jahrzehntelange Arbeit erfahrene Sachkenner des deutschen Kulturerbes im östlichen Europa vereint sind. Seit der Einstellung der institutionellen Förderung im Jahre 2000 liegt dieses Potential, das gerade für die Verständigung mit den östlichen Nachbarn von entscheidender Bedeutung ist, weitgehend brach. Das darf nicht so bleiben, wenn uns an einer wohlfundierten Verständigung und einem entsprechenden Kulturaustausch mit unseren Nachbarn im Osten ernsthaft gelegen ist.

Um Schwierigkeiten im Verständnis der uns gestellten Aufgaben zu vermeiden, hat der Stiftungsrat am 16. November 2008 einstimmig beschlossen, als neuen Namen Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR in unsere Satzung aufzunehmen. Nach der Genehmigung durch die Stiftungsaufsicht bei der Bezirksregierung in Köln werden wir entsprechend firmieren. Es hat keinen Sinn mehr, bei der Bezeichnung Ostdeutschland zu bleiben, die durchweg für die neuen Bundesländer angewandt wird. Auch dies ist keine angemessen Bezeichnung, denn weder liegen Mecklenburg und Thüringen im Osten, noch liegt Bayern im Westen Deutschlands. Aber diese Verbiegungen, die auf den alten Begriff „Ostzone“ zurückgehen, haben keine Tradition. Vielmehr ist die traditionelle Einteilung Deutschlands die in Nord-, Mittel- und Süddeutschland, wobei der mitteldeutsche Bereich auch sprachlich von Luxemburg bis ins südliche Oberschlesien reichte.

So gehen wir, was die Zukunft unserer Arbeit anbetrifft, mit Hoffnung in die nächsten Jahre. Daß diese Hoffnung nicht trügt, hängt davon ab, ob das deutsche Volk sich an seine ganze Vergangenheit erinnert.

Eberhard G. Schulz (KK)

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