Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1362.

Das alte Glogau ersteht im neuen

Zusammenarbeit des dortigen Museums mit dem Schlesischen Museum zu Görlitz und dem Glogauer Heimatbund

Bereits vor zwanzig Jahren hatte Leszek Lenarczyk, der Direktor des Muzeum Archeologiczno-Historyczne w Głogowie, die Idee zu dieser Ausstellung, doch damals war die Zeit dafür noch nicht reif. Umso mehr freute es ihn, dass er diesen Plan noch vor seiner Pensionierung realisieren konnte. Die Idee dazu reifte über Jahre, auch durch die enge Zusammenarbeit mit dem Glogauer Heimatbund (GHB), dem Beiratsmitglied Dr. Klaus Schneider, Leipzig, der seit 1986 einen intensiven Meinungsaustausch mit seinem Freund führt.

Viele gute gemeinsame Projekte hat der Heimatbund im vergangenen Vierteljahrhundert zusammen mit seinen Glogauer Partnern realisiert, das aktuelle stellt jedoch einen besonderen Höhepunkt dar. Bereits vor zwei Jahren wandte sich das Glogauer Museum zusammen mit seinem Kooperationspartner, dem Schlesischen Museum zu Görlitz unter der Leitung von Dr. Markus Bauer und seiner Mitarbeiterin Dr. Martina Pietsch, an den Heimatbund mit der Bitte um Hilfe bei einer Ausstellung zum Thema „Glogau 1945“. Nach mehreren Vorgesprächen und mit der finanziellen Unterstützung durch das polnische Ministerium für Kultur und nationales Erbe wurde das Projekt zum Jahresbeginn 2015 – 70 Jahre nach Flucht und Vertreibung, 70 Jahre nach dem Ende des alten Glogau, das zur Festung erklärt worden war und infolge der Belagerung in Trümmern lag – in Angriff genommen. Eine Delegation des Bundesvorstands des Glogauer Heimatbundes traf sich 2015 in Glogau zu einem Antrittsbesuch bei dem neu gewählten Stadtpräsidenten Rafael Rokaszewicz und anschließend zu einem Arbeitsgespräch mit den Partnern der Museen in Glogau und Görlitz. S13-Glogau

Bei dieser Gelegenheit stellte der Direktor Lenarczyk seine Grundidee vor: Glogau vor 1945 sollte dargestellt werden, dann ging es über einen schmalen Gang, der Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung zeigen sollte, in den zweiten Raum, der die Ankunft der polnischen Bevölkerung und die Folgen der Belagerung zeigt. Leszek Lenarczyk erklärte, dass seine Familie, wie die der meisten heutigen Glogauer, selbst Vertriebene gewesen seien, aus der Ukraine und Weißrussland. Wir sind wie ihr Opfer der Politik der Nationalsozialisten sowie der Kommunisten gewesen, erläuterte der Direktor. Seine Idee war es, die Geschehnisse aus der Sicht der einfachen Menschen darzustellen, wozu auch Zeitzeugenberichte und Familiendokumente gehören, die u. a. der Heimatbund samt anderer Unterlagen aus seinem Archiv beigetragen hat.

Bis Mitte Oktober 2015 wurde die Ausstellung unter Hochdruck fertiggestellt, sodass sie der breiten Öffentlichkeit präsentiert werden konnte. Die Veranstaltung, an der auch der Bundesvorstand des Glogauer Heimatbundes teilnahm, begann mit einer wissenschaftlichen Konferenz, bei der Historiker aus Schlesien, speziell aus Glogau, die allgemeine Geschichte der Stadt präsentierten; die verschiedenen Phasen der Belagerung wurden von Militärhistorikern auch anhand von Archivfunden aus Warschau und Russland präsentiert. Besondere Aufmerksamkeit erregte dabei ein neunminütiger sowjetischer Propagandafilm über das eroberte Glogau, der die Stadt in Trümmern zeigt.

Auch Zeitzeugen kamen indirekt zu Wort. Silke Findeisen vom Haus Schlesien in Königswinter verlas in ihrem Vortrag eine Reihe von Berichten von Zeitzeugen.
Anschließend folgte die Eröffnung der Ausstellung mit Ansprachen des Stadtpräsidenten, des Museumsdirektors, der ausführenden Mitarbeiter Jerzy Dymytryszyn und Renata Matysiak sowie Dr. Klaus Schneiders, der seine Ansprache selbst auf Deutsch und Polnisch hielt.

Die Ausstellung war gut besucht und fand überall Anklang. Sie soll als Dauerausstellung Teil des Museums, aber auch verliehen werden, so an das Schlesische Museum zu Görlitz. Die Beteiligten konnten auf eine gelungene Zusammenarbeit zurückblicken.

Martin Sprungala (KK)

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