Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1356.

Das Dröhnen der Stunde Null hallt nach

Vielfältige Veranstaltungen des Deutschen Kulturforums östliches Europa in ebenso vielfältigen Kooperationen

Das-Droehnen-der-StundeDas Deutsche Kulturforum östliches Europa e. V. mit Sitz in Potsdam bietet einen Rahmen, in dem das Spektrum der deutschsprachigen Kultur und Geschichte im östlichen Europa präsentiert wird. Die Auseinandersetzung mit den Kulturtraditionen im östlichen Europa, mit der Geschichte von Städten und Landschaften, die im Verlauf von rund sieben Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg oftmals vergessen, verdrängt oder auch verfälscht wurde, sind Aufgabe und Gegenstand der Tätigkeiten des Deutschen Kulturforums östliches Europa.

Das Forum beschäftigt sich mit der Geschichte dieser Regionen und mit vielfältigen Aspekten der Kulturgeschichte, der Literatur, Kunst und Musik sowie mit den immateriellen Kulturgütern. Kulturgeschichte beinhaltet dabei nicht nur die Lebenswelt der Eliten und Werke der Hochkultur, sondern ebenso die Alltags-, Bauern- oder Industriekultur.

Viele Veranstaltungen des Deutschen Kulturforums östliches Europa stehen unter dem Zeichen des Jahresthemas: „1945 – Das östliche Europa nach der ‚Stunde Null‘“. So fanden zwischen dem 3. und 24. Mai geführte Stadttouren mit dem Titel „Frühling in Berlin 1945“ statt. Historischer Hintergrund: Am 16. April 1945 begann – mit enormem Aufwand und unter großen Verlusten – die letzte Offensive der Roten Armee gegen die Reichshauptstadt. Die sowjetischen Angriffsspitzen erreichten den Stadtrand am 21. April, vier Tage später war Berlin völlig eingeschlossen. Im Rahmen des Themenjahres, bei dem zahlreiche Kooperationspartner wie die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas oder der Verein Berliner Unterwelten mitwirken, werden an prägnanten Stellen Themenboxen aufgestellt, die Berlinern und Berlin-Besuchern einen Eindruck vom Stadtbild bei Kriegsende geben. Eine vom Deutschen Kulturforum östliches Europa initiierte Themenbox zeigt die Ankunft von Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemals zu Deutschland gehörenden bzw. von Deutschen besiedelten Gebieten in Mittel- und Osteuropa.

Die Veranstaltungsreihe anlässlich des Jahresthemas umfasst auch Ringvorlesungen in der Wissenschaftsetage des Bildungsforums Potsdam vom 5. Mai bis zum 30. Juni. Das umfangreiche Programm wurde in Kooperation mit dem Institut für Slawistik sowie dem Historischen Institut der Universität Potsdam, proWissen Potsdam e. V. und mit Unterstützung des Ernst von Bergmann-Klinikums Potsdam zusammengestellt. Zu den Höhepunkten gehören eine Vorlesung von Dr. Wolfgang Schwarz, München, und das Podiumsgespräch mit Lukáš Houdek, Prag.

Weitere Programmpunkte sind der Vortrag „Wir bauen das tschechische Grenzgebiet auf. Die Wiederbesiedlung der Sudetengebiete“ von Andreas Wiedemann sowie die Lesung der finnlandschwedischen Journalistin, Fotografin und Autorin Sonya Winterberg, Dresden, „Die Wolfskinder – Verlassen in Ostpreußen“. Ebenfalls im Mai bot Dr. Marcin Miodek aus Breslau den Vortrag „Deutschland und die Deutschen als Propagandasubjekt und -objekt in der polnischen Nachkriegspresse“.

Im Juni stehen die Vorlesungen von Dr. Jan Musekamp, Frankfurt/Oder, „Metamorphosen Stettins. Die Stadt und ihre Einwohner nach 1945“, sowie von Andrzej Klamt und Ronald Urbanczyk, „Gloria und Exodus. Geschichte des schlesischen Adels“, auf dem Programm. Helga Hirsch berichtet zum Thema „Gehen oder bleiben – Deutsche und polnische Juden in Schlesien und Pommern nach 1945“. Prof. Dr. Manfred Görtemaker bietet Einblicke unter dem Titel „Die Potsdamer Konferenz 1945: Die Alliierten und die Behandlung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg“, Ralf Pasch spricht über „Die Erben der Vertreibung – Perspektiven der dritten Generation“.

Bis zum 2. August 2015 beherbergt Urania Potsdam die Fotoausstellung „Struktur und Architektur. Das postindustrielle Kulturerbe Oberschlesiens“. Die Schau wird vom Deutschen Kulturforum östliches Europa in Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im Schloss Caputh gezeigt. Auf 46 großformatigen Farbfotografien sind Industrieanlagen zu sehen, die seit fast 100 Jahren in Betrieb sind. Viele Objekte sind bereits verschwunden oder stehen kurz vor der Abwicklung. Die Ausstellung zeigt auf eindrucksvolle Weise die Momentaufnahme einer untergehenden Industrielandschaft.

Ein weiterer Schwerpunkt, dem sich das Deutsche Kulturforum östliches Europa widmet, ist „Pilsen/Plzen. Europas Kulturhauptstadt 2015“. In Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Nürnberg, dem Kulturreferenten für die böhmischen Länder am Adalbert Stifter Verein und dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) fanden Anfang Mai im Literaturhaus Nürnberg eine Bücherpräsentation und Bildvorträge mit Dr. Jan Mergl und Dr. Tobias Weger statt.
Im Kulturrathaus von Dresden ist für den 16. Juni 2015 ein Themenabend mit Buchvorstellungen, Bildpräsentationen und Konzert anberaumt. Die westböhmische Kulturhauptstadt Europas 2015 bietet weit mehr als das international bekannte Bier und die Škoda-Werke. Pilsen wird im Rahmen dieser Veranstaltung nicht nur als Ort des ersten tschechischen Buchdrucks, sondern auch des größten Marktplatzes und der ersten Jugendstilgebäude in Böhmen sowie des höchsten Kirchturms in Tschechien vorgestellt.

(KK)

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