Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1396.

Das Echo der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts

Tagungs-Trilogie der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Vor dem Fenster schimmert der Rhein, die Konferenzteilnehmer sind allerdings um andere Klarheit bemüht
Bild: Dieter Göllner

Als Abschluss der Tagungs-Trilogie, die der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Ersten Weltkrieges und seiner Folgen für die Völker in Mittel- und Ostmitteleuropa dienen soll, organisiert die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen am 4. und 5. Oktober im Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter die dritte staats- und völkerrechtliche Tagung zu diesem Themenspektrum.

Die Studiengruppe Politik und Völkerrecht und die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen haben es sich zum Ziel gesetzt, dieses Ereignis – das als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ betrachtet wird – einer umfangreichen Analyse zu unterziehen. In den Jahren 2016, 2017 und 2018 wurden bzw. werden drei internationale und interdisziplinäre Tagungen der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und der Studiengruppe für Politik und Völkerrecht allein diesem Thema gewidmet.

Von besonderem Interesse sind neben der Kriegsschuldfrage auch die Auswirkungen der zu würdigenden Friedensverträge auf die Staatenwelt. Ebenso ist der Übergang des Deutschen Reiches in die Weimarer Republik staatsrechtlich diskussionswürdig. Da Völker und Volksgruppen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs vertrieben, vor allem deren Siedlungsgebiete anderen, teilweise neuen Staaten zugewiesen wurden, soll auch das Schicksal der Menschen, die oftmals zu Minderheiten im neuen Heimatland wurden, in jedem Einzelfall besonders betrachtet werden.

Die zweite Veranstaltung, zu der die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen in diesem Herbst einlädt, findet am 15. und 16. Oktober im Kölner Maternushaus statt, ist dem Thema „Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Schlesien und im Sudetenland“ gewidmet und soll den Auftakt für eine den Widerstand in weiteren Regionen des Ostens beleuchtende Reihe bilden.

Die Geschichte des Widerstands gegen den Nationalsozialismus war zunächst vor allem eine Geschichte des Scheiterns. Auch die Überlebenden der Verschwörung des 20. Juli machten die Erfahrung, dass noch in den 1950er Jahren ein Drittel der Bevölkerung das Attentat missbilligte. Eine wesentliche Veränderung brachten erst die in den 1960er Jahren beginnenden Zeitzeugentagungen. Die Öffnung der Widerstandsbetrachtung in der wissenschaftlichen Zeitgeschichtsforschung hin zu einer Gesellschafts- und Alltagsgeschichte war verbunden mit einer vielfachen Erweiterung der Perspektiven und einer daraus abgeleiteten Differenzierung des Widerstandsbegriffs.

In der Debatte um den Widerstand spiegeln sich auch die verschiedenen Urteile über das mit ihm verbundene Zukunftspotential. An diesem Punkt beginnt die Fragestellung dieser Tagung. Sie will die Konzepte und Vorstellungen der Oppositionellen bzw. der Persönlichkeiten des Widerstands in Ober- und Niederschlesien und im Sudetenland für die „Zeit danach“ herausarbeiten und den Wegen und Umwegen im Umgang mit diesem Widerstand nachgehen.

(KK)

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