Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1348.

Das Gestern verdient heutigste Aufmerksamkeit

Ein Bonner Schüler schärft sie auch bei seinen Mitschülern

Die Ausstellung über das Wirken des Kreisauer Kreises, die vom Dokumentations- und Informationszentrum von Haus Schlesien vorbereitet wurde, wird ergänzt durch ein Schülerprojekt mit einem Abiturienten des Amos-Comenius-Gymnasiums in Bonn–Bad Godesberg. Jannick Tapken berichtet über den Ausgangspunkt und die Ergebnisse seiner intensiven Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus, die im Februar 2014 mit einer Fülle an Originalexponaten und breitem Medieninteresse am Amos-Comenius-Gymnasium in einer Ausstellung präsentiert wurden. Diese Ausstellung war der Ausgangspunkt, sein Projekt im Rahmen der Sonderausstellung über den Kreisauer Kreis, eingeordnet in diesen Themenzusammenhang, ebenfalls bis März 2015 zu zeigen. Hier spricht der junge Mann selbst über sein Projekt:

Ausgelöst wurde mein Interesse an der Thematik durch das Theaterstück „Stern ohne Himmel“ von Leonie Ossowski, welches 2009 mit einer Theatergruppe unter der Leitung von Frau Niefindt-Umlauff am Amos-Comenius-Gymnasium aufgeführt worden ist. In dem Stück habe ich einen fanatisierten Hitlerjungen gespielt. Ich war, als die Proben anfingen, zehn Jahre alt und habe mich das erste Mal mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Mein Interesse war geweckt, und ich begann mich immer weiter in die Thematik einzuarbeiten.

Dazu habe ich erst speziell in meiner Familie nachgeforscht, später bei noch lebenden Zeitzeugen. Durch Gespräche mit den Zeitzeugen habe ich viele Informationen über die Zeit, in der die Nationalsozialisten in Deutschland an der Macht waren, bekommen. Mein Schwerpunkt lag dabei auf den einzelnen Biographien und den Orten, wo sich das mir Berichtete abgespielt hat.

Inzwischen habe ich mit weit über zweihundert Zeitzeugen (deutschen, amerikanischen, englischen, russischen Kriegsveteranen, Zivilisten, Jugendlichen zu der Zeit, Verfolgten des NS-Regimes) gesprochen und versucht, sowohl ihre Biographie als auch ihre Lebensstationen zu verstehen und aufzuarbeiten. Durch Gespräche, die Suche in den Archiven und anhand des mir zur Verfügung gestellten Materials habe ich den Krieg für mich besser „veranschaulichen“ und verstehen sowie die einzelnen Stationen klarer nachvollziehen können.

Zwischenzeitlich gab es in ZDFinfo eine Dokumentation über meine Arbeit, und Schulen haben mich eingeladen, über meine Recherche und Erfahrungen zu referieren. Die Ergebnisse und Materialien präsentierte ich in meiner Schule im Rahmen einer Themenwoche mit Ausstellung und Vortragsreihe. Mir war es dabei wichtig, dass Gleichaltrige mehr über das Thema erfahren. Dadurch, dass ich selber noch Schüler und „einer von ihnen“ war, konnte ich das Interesse meiner Mitschüler wecken und eine Auseinandersetzung mit dieser Zeit anstoßen. Die Ausstellung ist inzwischen als Wanderausstellung von verschiedenen Institutionen vorausbestellt worden.

Im März 2014 begannen die ersten Planungen mit dem Dokumentations- und Informationszentrum Haus Schlesien für die Ausstellung über den Kreisauer Kreis. Innerhalb von knapp fünf Monaten wurde eine abgeänderte Form der vorherigen Ausstellung für die Sonderausstellung zum Kreisauer Kreis konzipiert.

Jannick Tapken (KK)

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