Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1217.

Das Kaninchenloch und die tieferen Einsichten

Themenausstellung „Das kann doch kein Motiv sein“ mit Sigmar Polkes Editionen 1963–2005 im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Nach Otto Dix rückt das Kunstforum Ostdeutsche Galerie bis zum 14. Mai eine zweite Galionsfigur seiner Sammlung in den Blickpunkt einer Sonderausstellung: Sigmar Polke. 1941 in Oels, Niederschlesien, geboren, gehört er zu den herausragenden deutschen Künstlern der aktuellen internationalen Kunstszene.

Experimentierfreudig und technisch versiert, greift er mit seinem komplexen Werk seit Jahrzehnten mitten hinein in die vorherrschenden Kommunikationsformen und -verwicklungen von Hoch- und Massenkultur. Die Themenausstellung „Das kann doch kein Motiv sein“ zeigt eine spezifische Facette Polkes, die allzu oft hinter dem weltberühmten malerischen Werk zurücktritt. Präsentiert wird mit der Privatsammlung Dr. Axel Ciesielski der einzige komplett vorliegende Werkkomplex der Editionen von 1963 bis heute. Die Ausstellung umfaßt neben dem umfangreichen Konvolut von Druckgrafiken auch Plakate, Multiples, Katalogbeiträge und Künstlerbücher. Hier überrascht Polke mit Bild- und Sprachwitz und seiner seismographischen Wachsamkeit gegenüber den wechselvollen Szenarien des öffentlichen Lebens. Polkes Editionen werden erst seit wenigen Jahren als eigenständige Werkgruppe von der Öffentlichkeit entdeckt. Mit ihnen lassen sich die Hinter- und Abgründe des weltberühmten malerischen Werks ausleuchten und auffächern. Die Regensburger Ausstellung präsentiert Polkes Editionen in Konstellationen, die sowohl seine Entwicklung vom engagierten Mitbegründer des „Kapitalistischen Realismus“ zum materialbesessenen Pop-Künstler als auch die gesamte thematische und technische Bandbreite seines vielschichtigen künstlerischen Schaffens herausarbeiten. Ikonographien des Alltags zwischen Kitsch und Klischee treffen auf Rasterbilder als kultur- und medienkritische Metaphern; die Hochkultur von Wissenschaft, Kunst und Malerei vermischt sich reizvoll und verwirrend mit massenkulturellen Phänomenen. Stets dabei im Blick: Polkes ironisch-ernster Zugriff auf Welt und Wirklichkeit, die sein tiefes Bewußtsein für die eigene Geschichtlichkeit als Mensch und Künstler spiegeln. Kunstforumsdirektorin Dr. Ulrike Lorenz bringt es auf den Punkt: „Sigmar Polke ist der große abgründige Ironiker der deutschen Kunst der Gegenwart, bei dem man sich wunderbarerweise nie sicher sein kann, ob der ,Fall ins Kaninchenloch‘ zu tieferen Einsichten oder doch nur zur Beule am Hinterkopf führt. Nach Otto Dix setzen wir in dieser Sonderausstellung unsere Auseinandersetzung mit wesentlichen Künstlern in unserer Sammlung fort.“Die letzte Ausstellung des Kunstforums mit Gemälden von Sigmar Polke liegt 13 Jahre zurück und fand anläßlich der Verleihung des Lovis-Corinth-Preises 1993 statt.

(KK)

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