Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1293.

Das Kloster, als offene Anstalt betrachtet

Oberschlesisches Landesmuseum schafft Einblicke hüben und drüben

Grenzüberschreitende Aktivitäten mit Kooperationspartnern in Polen und Tschechien sind ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des Oberschlesischen Landesmuseums von Ratingen-Hösel. Dank internationalem Profil bietet das Haus im In- und Ausland jährlich mehrere Höhepunkte. Seit 2009 wird schlesischen Institutionen die Gelegenheit gegeben, sich in Nordrhein-Westfalen zu präsentieren. 2010 steht Troppau/Opava, die „kulturelle Hauptstadt“ der mährisch-schlesischen Region, im Mittelpunkt. Eine Ausstellung wird im Herbst diese für Oberschlesien bedeutende Stadt mit ihren wichtigsten wissenschaftlich-kulturellen Einrichtungen – darunter das Schlesische Landesmuseum, die Schlesische Universität und die Diözese Ostrau–Troppau – vorstellen. Zudem wird erstmals im deutschsprachigen Raum eine Gesamtsicht der Proskauer Fayence präsentiert werden.

Im letzten Vierteljahr wird die Präsentation „Scherenschnitte und Druckgraphik“ von Melchior Grossek eine Auswahl von Arbeiten zeigen, die den progressiven Tendenzen der Kunst des 20. Jahrhunderts verpflichtet sind. Melchior Grossek verstand sich in erster Linie als Priester, für den die Seelsorge im Vordergrund stand. „Die Scherenschnitte von Melchior Grossek sind noch weitgehend unbekannt, doch das zu ändern gehört mit zur Aufgabe unseres Museums“, betont Dr. Stephan Kaiser, Direktor des Oberschlesischen Landesmuseums.

Eine große Sonderausstellung über die schlesischen Klöster erinnert an den 200. Jahrestag der Klosteraufhebung in Preußisch Schlesien, die mit dem Säkularisationsedikt vom 30. Oktober 1810 angeordnet wurde. Dr. Kaiser: „Wir nehmen dieses Geschehen zum Anlaß einer generellen und umfassenden Betrachtung. Somit zeigen wir, wie Klöster in Schlesien entstanden, was sie auszeichnete und was davon geblieben ist. Wir belassen es aber nicht beim Ende der Klosterwelt 1810, sondern schauen auch auf die nachfolgende neue Belebung durch viele Gemeinschaften in einer gewandelten Ge-
sellschaft. “

Wie geschaffen für den Blick von oben: Kloster Grüssau

Die Bedeutung der Ausstellung „Herrenlos! Schlesische Klöster zwischen Aufhebung und neuer Berufung“ zeigt sich nicht zuletzt in der Einbindung kirchlicher Einrichtungen. Ausdruck dafür ist das Ehrenpatronat über die Ausstellung, das die Erzbischöfe der Schlesien umfassenden Metropolitanbistümer Breslau (Marian Golebiewski), Kattowitz (Damian Zimon) und Olmütz (Jan Graubner) sowie der heimischen rheinischen Kirchenprovinz Köln (Joachim Kardinal Meisner) übernommen haben. Kardinal Meisner und Erzbischof Graubner nahmen an der Eröffnungsveranstaltung am 16. Mai teil. Die Ausstellung zur Klosterlandschaft ist im Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen-Hösel bis zum 5. September 2010 geöffnet.

Neben vielen inländischen Kontakten pflegt das OSLM gute Beziehungen nach Polen und Tschechien. Diese Basis wird stetig weiterentwickelt und  genutzt. Dr. Kaiser erläutert das Konzept der Zusammenarbeit: „Unser Motto lautet: ‚Wir beleben Zusammenarbeit.‘ Es ist gut, daß dies so wahrgenommen und positiv angenommen wird.“

Was die Aktionen jenseits der bundesdeutschen Grenzen betrifft, stehen für dieses Jahr noch einige Projekte an. Gegenwärtig wird Bernhard Grzimek in Beuthen (Bytom) als Anfangsveranstaltung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des dortigen Oberschlesischen Museums gezeigt. Im Herbst beteiligt sich das Ratinger Expertenteam am Gedenken an die Klosteraufhebung in Schlesien mit einer Präsentation an historischem Ort. Außerdem wird die neue Diözesanbildungsstätte des Bistums Gleiwitz im ehemaligen Zisterzienserkloster Rauden (heute Rudy) mit Unterstützung des OSLM an die Öffentlichkeit treten.

Dieter Göllner (KK) 

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