Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1307.

Das Land der Nehrung mit der Farbe suchend

Ernst Mollenhauer hat sein Nidden aus der Ferne erstehen lassen

Es spricht für die Bedeutung des Künstlers Ernst Mollenhauer, wenn das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg die Retrospektivausstellung „Fahrt in die Sonne“ ein halbes Jahr lang zeigt. Die Präsentation bietet einen umfangreichen Überblick über das Werk des bekannten ostpreußischen Expressionisten. Zu sehen sind sowohl einige der wenigen geretteten Frühwerke als auch Malereien aus der Zeit von 1945 bis 1962.

Bekanntlich ist ein Großteil von Mollenhauers Arbeiten vor 1945 vernichtet worden, doch er schuf aus der Erinnerung noch einmal das faszinierende Panorama der Natur rund um die Kurische Nehrung. Seine farbstarken Gemälde widerspiegeln die Wucht der Naturgewalten, die den Landstrich prägen. Ein wiederkehrendes Symbol ist eine große Sonne, die über dem „Wunderland Nidden“ immer wieder scheint.

Der 1892 in Tapiau/Ostpreußen geborene Ernst Mollenhauer studierte vor und nach dem Ersten Weltkrieg an der Königsberger Kunstakademie. Die Aufenthalte auf der Kurischen Nehrung und die Freundschaft mit Max Pechstein bewogen den jungen Künstler, nach Nidden (heute litauisch Nida) zu ziehen. Er heiratete Hedwig Blode, die Tochter des Eigentümers des Künstlergasthofs Blode, und lebte dort zwanzig Jahre. Nach 1920 war Mollenhauer die bestimmende Persönlichkeit in der Künstlerkolonie Nidden. Bedingt durch die Kriegswirren floh der Künstler ins Rheinland. Später fand Mollenhauer auf Sylt eine ähnlich unberührte Natur, die ihm als willkommene Inspirationsquelle für zahlreiche Malereien diente. Allerdings ließ ihn die Erinnerung an das Haff nicht los, so daß das „Wunderland Nidden“ auch in seinem Spätwerk eine Hauptrolle spielte. Die großformatigen Arbeiten zeichnen sich insbesondere durch die „Magie“ der Farben aus.

In Anlehnung an die Ausstellung bietet das Ostpreußische Landesmuseum Malworkshops für Erwachsene und Kinder an. Vorträge wie „Nidden heute – der litauische Teil der Kurischen Nehrung nach 1990“ von Manfred Schekahn und „Paradies der Maler – Die Künstlerkolonie Nidden“ von Dr. Jörn Barfod ergänzen die Mollenhauer-Schau. Dr. Barfod, seit 1985 Kustos am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg, hat über die Künstlerkolonie verschiedentlich veröffentlicht und Ausstellungen organisiert. Die Ausstellung „Fahrt in die Sonne“ ist in Lüneburg bis zum 15. Mai zu besichtigen.

(KK)

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