Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1378.

„Das Wort sie sollen lassen stahn“

Diesem Lutherwort werden in Gundelsheim und Lüneburg ausnehmend beredte Veranstaltungen gewidmet

Die Zeichnung ist ähnlich dürftig wie die Tracht, gerade darum stimmt alles in dieser Darstellung mit dem Titel „Ein alter Transmigrant und eine jüngere Transmigrantin“ im Siebenbürgischen Museum Bild: Museum

Die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther der Überlieferung nach am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug, bezeichnet bekanntlich den Beginn der Reformation. Die religiösen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Auswirkungen dieses zentralen Ereignisses der deutschen Geschichte haben weltgeschichtliche Bedeutung erlangt. Das 500. Jubiläum soll auch zeigen, welche Rolle die Reformation bei der Entstehung der Moderne gespielt hat. Impulse der Reformation werden in den Fokus gerückt, deren Auswirkungen bis in unsere heutige Zeit reichen.

Die Staatliche Geschäftsstelle „Luther 2017” und die Geschäftsstelle der EKD „Luther 2017 – 500 Jahre Reformation” haben ein 27 Seiten starkes Programmheft herausgebracht, das die Veranstaltungs-Höhepunkte in den Rubriken „Staunen, Entdecken, Jubeln“ zusammenfasst.

Das Siebenbürgische Museum in Gundelsheim trägt mit einer Sonderausstellung unter dem Motto „Das Wort sie sollen lassen stahn … Landlerdeportation im Zeichen des Evangeliums“ zum Reformationsjubiläum 2017 bei. Die Dokumentarschau zur evangelischen Religionsgeschichte wird am 22. April eröffnet und ist bis zum 24. September zu besichtigen.

Hintergrund ist, dass im Jahr 1734 die Habsburger im Zuge der Rekatholisierung begannen, ihre evangelischen Untertanen aus dem sogenannten Landl und später, bis 1776, aus anderen Teilen Österreichs in ihr Fürstentum Siebenbürgen zwangsweise zu „transmigrieren“. Viele der ihres Glaubens wegen Deportierten starben bereits an den Reisestrapazen. In Siebenbürgen herrschte seit Mitte des 16. Jahrhunderts religiöse Toleranz, die 1691 durch das „Diploma Leopoldinum“ von Kaiser Leopold I. bestätigt worden war. Die Zwangsumgesiedelten fanden vor allem in den „Landlergemeinden“ Neppendorf, Großau und Großpold ein neues Zuhause, wo sie mit den sächsischen Altsiedlern ihr Auskommen suchen mussten.

Die vermeintlichen „Rechtsbrecher“ wurden von ihren siebenbürgischen Glaubensbrüdern allerdings argwöhnisch empfangen und nie vollständig integriert. So kam es, dass diese evangelische Minderheit ein eigenes Gruppenbewusstsein entwickelte, das sich in Dialekt und Tracht erhalten hat. Sowohl die wenigen in Siebenbürgen verbliebenen als auch die nach Deutschland ausgewanderten Familien pflegen das „Landlerische“ heute noch.

In der Ausstellung auf Schloss Horneck werden die Landler sowie Aspekte ihrer Kultur und Geschichte als Folge der Reformation in den Mittelpunkt gestellt.

Das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg veranstaltet vom 4. bis zum 7. April 2017, jeweils um 18.30 Uhr, mehrere Programme im Rahmen der Martin-Luther-Woche.

Auch in Ostpreußen spielte Martin Luthers neue Lehre eine große Rolle. Markgraf Albrecht von Brandenburg, letzter Hochmeister des Deutschen Ordens, löste unter dem Einfluss von Luther den alten Deutschordensstaat auf, führte die Reformation ein und gründete das Herzogtum Preußen, das erste protestantische Land der Welt.

Die Veranstaltungsreihe im Ostpreußischen Landesmuseum beleuchtet verschiedene Aspekte von Luthers Leben, Wirken und Nachwirken. Die Bezüge zur Geschichte Ostpreußens stehen dabei im Mittelpunkt. Am 4. April hält Dr. Martin Treu, Wittenberg, den Vortrag „Martin Luther und die Reformation in Europa“. Am 5. April ist die Vorführung des Filmes „Katharina von Bora. Nonne, Geschäftsfrau, Luthers Weib“ geplant, in den Dr. Martin Treu einführt. Am 6. April steht der Vortrag von Professor Dr. Andreas Lindner, Martin-Luther-Institut der Universität Erfurt, mit dem Titel „Markgraf Albrecht von Brandenburg und die Einführung der Reformation in Preußen“ auf dem Programm.

Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bilden die Vorträge am 7. April von Propst i. R. Erhard Wolfram, Hannover, und Pastor Fryderik Tegler, Scharnebeck. Sie referieren über das „Evangelisch-Lutherische Gemeindeleben nach dem Zweiten Weltkrieg im nördlichen Ostpreußen/Oblast Kaliningrad“ beziehungsweise über das „Evangelisch-Lutherische Gemeindeleben im südlichen Ostpreußen/Warmia i Mazury“.

Dieter Göllner (KK)

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