Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1396.

Dasein und da sein

Die „Kulturpolitische Korrespondenz“ ist da und feiert 50 Jahre ihres Erscheinens, gemessen eher denn angemessen

Der schwarze Rahmen ist Umschlagdesign der achtziger Jahre und sollte nicht fatalistisch gedeutet werden. Noch in den Neunzigern schwang sich der OKR zur Übersetzung des
Königsberg-Bandes seiner Städtebuch-
reihe auf, den KK-Chefredakteur Gerhard von Glinski mitgestaltet hatte. Man meinte nach dem Gebot der Stunde zu handeln, jedoch ward
„umgeboten“
Bilder: Stiftung Deutsche Kultur im östlichen
Europa – OKR

Am 1. Oktober 1968, vor 50 Jahren also, erschien mit der ersten Ausgabe der Zeitschrift „Kulturpolitische Korrespondenz“ (KK) das einzige Periodikum in Deutschland, das seitdem in steter Folge seine Leser über Geschichte und Kultur Ostdeutschlands und die deutsche Kultur im und aus dem östlichen Europa unterrichtet. Der überregionale, europäische Ansatz zeichnet die KK von Anbeginn aus und ist bis heute ihr Alleinstellungsmerkmal in der kulturpolitischen Berichterstattung aus deutscher Perspektive mit Blick in das östliche Europa.

Zu den Aufgaben des OKR gehörte es immer, den vielen Persönlichkeiten ein dankbares und ehrendes Andenken zu bewahren und ihr Wirken für die ostdeutsche Kultur und Geschichte in der Erinnerung zu halten, die in jahre-, teilweise jahrzehntelangem Einsatz ihre Lebenszeit im Rahmen des OKR dem gemeinsamen Anliegen der ostdeutschen Kultur, des Friedens und der Völkerverständigung gewidmet haben.

Der erste Chefredakteur Peter Nasarski (1914–2001) betreute die KK von 1968 bis zur Ausgabe 399 vom 25. Februar 1980. Die von ihm gelegten Grundlagen und Maßstäbe wirken in Vielem noch bis heute. Es folgte Gerhard von Glinski, geboren 1936 in Königsberg, der die Ausgaben 400 bis 500, vom 10. März 1980 bis zum 25. Januar 1983, verantwortete, worauf er zuerst zur „Welt“ und dann als stellvertretender Chefredakteur zum „Rheinischen Merkur“ ging. Ihm verdanken wir ein schönes Buch über Königsberg, das er 1990 gemeinsam mit Peter Wörster in der Städtebuchreihe des OKR herausgab.

Über anderthalb Jahrzehnte, vom 5. Februar 1983 bis zum 26. Juni 2000, war Jörg Bernhard Bilke für die Ausgaben 501 bis 1115 zuständig. Als Opfer des Stasi-Systems der DDR (Gefängnishaft 1961 bis 1964) und Spezialist für DDR-Literatur wurde Bilke zum viel gefragten Experten in allen Fragen der ostdeutschen Kultur und Geschichte und dokumentierte seine spezielle Kompetenz unter anderem in einem KK-Sonderdienst zur Literatur der DDR. In seiner Zeit kümmerten sich Franz Heinz (bis zur Ausgabe 757), Axel Dornemann (bis zur Nummer 783) und Georg Aescht (ab Nummer 801) um den Redaktionsteil „Literatur und Kunst“.

Tausenfältige ostdeutsche Kultur auf die tausendste Nummer gebracht in der Hoffnung auf die zweitausendste

1984 wurde der „Kommentar zu Zeitgeschehen“ eingeführt, die Rubrik „Buchbesprechungen“ und Kritiken von Rundfunk- und Fernsehsendungen. Es gab laufende Reihen wie „Ostdeutsche Oberbürgermeister“ und „Häuser des Deutschen Ostens“. Zuvor hatte es die Serie über Vertriebenensiedlungen gegeben. Seit 1984 erschienen die Sonderdienste: „Widerstand in Ostdeutschland (1933–1945)“, „Flucht und Vertreibung als literarisches Thema“ (1985), „Gerhart Hauptmann 1862–1946“ (1986), „Berlin und Ostdeutschland. Historische und kulturelle Beziehungen“ (1987), „Geschichte im Widerstreit. Die beiden historischen Museen in Bonn und Berlin“ (1988), „Ostdeutsche Kultur. Vierzig Jahre Bewahrung und Behauptung“ (1990) und „Zur Geschichte der deutschen Juden. Ostdeutschland – Böhmen – Bukowina“ (1993).

Im Jubiläumsheft zum 40jährigen Bestehen des Ostdeutschen Kulturrates 1990 unter dem Titel „Identität und Kontinuität“ gab Chefredakteur Bilke nach 750 Ausgaben der KK folgende Bewertung ab: „Die ostdeutsche Kulturarbeit und ihr wichtigstes Organ, die Kulturpolitische Korrespondenz, werden auch im letzten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts fortgeführt werden müssen, schon allein deshalb, weil das Bewusstsein von deutscher Kultur unvollständig wäre ohne die ostdeutsche Komponente. Geographisch und historisch ist dabei ein riesiges Areal abzudecken, das von den deutschen Sprachinseln in Jugoslawien und der Slowakei über das Banat und Siebenbürgen, die deutschen Ostprovinzen eingeschlossen, bis nach Estland reicht; heute gibt es deutsche Kultur sogar in den mittelasiatischen Sowjetrepubliken wie Kasachstan. Bei der Fülle des zu Bewältigenden könnte die Kulturpolitische Korrespondenz jede Woche erscheinen, was aus vielerlei Gründen nicht möglich ist. Aber wir können mit unseren schwachen Kräften dafür sorgen, dass die ‚Kultur Ostdeutschlands, die immer nur ein Teil der ganzen, reich gefächerten deutschen Kultur sein kann‘ (Herbert Hupka, 1983), im Bewusstsein der Nachkriegsdeutschen in einem wiedervereinigten Vaterland erhalten bleibt.“

Man gönnte sich auch die Allegorie, doch ging es stets um die Realität

Seitdem sind fast dreißig Jahre vergangen, aber das damals Gesagte hat seine bleibende Richtigkeit: Unsere schwachen Kräfte sind noch schwächer geworden, und wieder steht die KK in einer Situation, in der es um Sein oder Nichtsein geht, wie im Jahr 2000, um die Fortsetzung ihrer dringend notwendigen Existenz oder die Einstellung ihres Erscheinens aus finanziellen Gründen.

Seit dem 20. Juli 2000 (Ausgabe 1116) bis heute ist Georg Aescht, zunächst zuständig für „Literatur und Kunst“, dann als verantwortlicher Redakteur, später auf Betreiben des damaligen Präsidenten Herbert Hupka als Chefredakteur für die KK zuständig, inzwischen auch als Geschäftsführer des OKR. In den letzten Jahrzehnten ist, aufgrund der seit 2000 fehlenden institutionellen Förderung des OKR durch die öffentliche Hand, die „Kulturpolitische Korrespondenz“ zum einzigen und letzten Anker für die ostdeutsche Kultur geworden, die von der Stiftung deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR betreut wird. Die von Georg Aescht in diesen Jahrzehnten geleistete Arbeit ist nicht nur äußerst verdienstvoll, sondern in ihrer Langzeitwirkung unschätzbar. Das wurde auf der letzten Sitzung des OKR-Kuratoriums im April 2018 von allen Teilnehmern festgestellt und gewürdigt.

Die Leitung des OKR, in der Jörg Bernhard Bilke und Georg Aescht seit 2017 als Beiräte mitwirken, führt jetzt, gemeinsam mit der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa in Potsdam, Gespräche darüber, wie die Zukunft der KK ab 2019 neu gestaltet werden kann. Wir sind hoffnungsvoll und zuversichtlich, dass sich der in einem halben Jahrhundert begründeten historischen Tradition kultureller Berichterstattung ostdeutscher und osteuropäischer Observanz eine fruchtbare und dauerhafte neue Perspektive öffnet.

Klaus Weigelt (KK)

Zum Fortbestand der KK halten wir Sie auf dem Laufenden. Jetzt schon willkommen sind uns Zuschriften über Ihr Verhältnis zu unserer Publikation, die wir in einer Jubiläumsnummer 1400 bringen möchten.

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