Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1292.

Dehio für Europa-Erzähler

Das Deutsche Kulturforum östliches Europa in Potsdam vergibt im Herbst 2010 den Georg Dehio-Buchpreis. Mit dieser vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bernd Neumann, dotierten Auszeichnung werden Autorinnen und Autoren geehrt, die sich in ihren Werken fundiert und differenziert mit den Traditionen und Wechselbeziehungen deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa auseinandersetzen.

Der Georg Dehio-Buchpreis ist aufgeteilt in einen mit 12 000 Euro dotierten Hauptpreis und einen mit 8000 Euro dotierten Ehrenpreis. Der Hauptpreis würdigt ein publizistisches bzw. literarisches Gesamt- und Lebenswerk. Mit dem Ehrenpreis werden Verfasser einer herausragenden Publikation sowie Übersetzer ausgezeichnet.

Die siebenköpfige Jury unter dem Vorsitz von Nina Ruth Sottrell sprach den Hauptpreis dem Publizisten, Schriftsteller und Übersetzer Martin Pollack zu. Aus der Begründung der Jury: „Martin Pollack hat mit seinem vielfältigen literarischen und journalistischen Schaffen die Erinnerungsorte im Osten Europas wieder zugänglich gemacht, die jahrzehntelang verdrängt und vom Eisernen Vorhang versperrt waren.

Seit seiner ‚imaginären Reise durch die verschwundene Welt‘ Galiziens und der Bukowina berichtet er von Chassiden und Huzulen, von Polen und Ruthenen. Nie hat er sich von der Parzellierung des Raumes durch Sprachgrenzen oder nationale Grenzen einschränken lassen, sondern er führt uns in die historische Landschaft zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, zwischen Weichsel und Don, in jene sarmatischen Landschaften, in denen, so Martin Pollack, ‚die slawische und die deutsche Kultur aufeinander trafen, ja mehr als einmal unheilvoll und zerstörerisch aufeinander prallten – die Juden nur zu oft dazwischen, wie zwischen Mühlsteinen‘. Doch Pollack bleibt nicht bei der Rekonstruktion und Wiederaneignung des Vergangenen. Als Herausgeber, Übersetzer und Vermittler hat er uns mit den Werken mehrerer Generationen von Autoren aus Polen und der Ukraine, aber auch aus Litauen und Belarus bekannt gemacht. Die jüngeren gehören heute zu den wichtigsten Stimmen ihrer Länder. Martin Pollacks Wirken verdanken wir eine Erweiterung unseres kulturellen Horizonts. Sein Werk ist ein bedeutender Beitrag zur Osterweiterung des europäischen Denkens.“

Der Ehrenpreis geht an Wlodzimierz Nowak und die Übersetzerin Joanna Manc für das Buch „Die Nacht von Wildenhagen. Zwölf deutsch-polnische Schicksale“. Aus der Begründung der Jury: „In der großen Tradition der polnischen Reportage stehend, sammelt Wlodzimierz Nowak Geschichten im Grenzland: deutsch-polnische Schicksale kleiner Leute, die unter das Rad der großen Geschichte geraten sind. Den Bogen über die letzten 60 Jahre spannend, verfolgt Wlodzimierz Nowak die Lebenswege seiner Protagonisten: Partisanenkämpfer, zwangsadoptierte Kriegskinder, mittellos Gestrandete, Glückssucher und andere Schengengrenzgänger, Studenten an der Viadrina und Opelmitarbeiter in Bochum und Gleiwitz/Gliwice. Minutiös recherchiert und im Ton sachlich-lakonisch und wertungsfrei, bringt er den Lesern mit großem erzählerischem Talent die Geschichten nahe, ohne dabei den Menschen zu nahe zu treten. Nicht nur in seiner Auseinandersetzung mit der Geschichte der Vertreibung überschreitet er die gängigen Wahrnehmungsmuster und verschiebt die Grenzen der üblichen polnisch-deutschen Perspektiven – ganz im Sinne eines unausgesprochen bleibenden Plädoyers für ein europäisches Miteinander. Gewürdigt wird mit dem Ehrenpreis zugleich die übersetzerische Leistung von Joanna Manc, die die Reportagen glänzend und kongenial ins Deutsche gebracht hat, um sie so auch dem deutschsprachigen Publikum zu erschließen.“

Die feierliche Preisverleihung wird am 23. September 2010 in Berlin stattfinden.

(KK)

»