Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1351.

Den Blick weiten fürs weite Land

Die neue Stiftung „Pomeranus“ will Pommern mit gleich dreierlei Kulturprojekten erschließen

Den-Blick-weitenUnter dem vielversprechenden Namen „Pomeranus“ ist in Stettin eine Stiftung gegründet worden, die sich zur Aufgabe gestellt hat, zur Förderung des Kulturerbes und der Identität Pommerns beizutragen. Die Träger dieser Stiftung sind der Auffassung: Pommern ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit einer turbulenten Geschichte, die sich im Lauf von mehreren Jahrhunderten entwickelt hat. Infolge des letzten Weltkriegs und der Teilung durch die deutsch-polnische Grenze brach dieses Land entzwei.

Die Stiftungsmitglieder begründen ihre Arbeit folgendermaßen: Heute, nachdem seit der Teilung Pommerns mehrere Jahrzehnte vergangen sind, ist die frühere Grenze nur eine symbolische Linie auf der Landkarte, und bei den auf beiden Seiten der Grenze lebenden Pommern wächst das Interesse an ihren jeweiligen Nachbarn. Wie leben sie? Welche Traditionen pflegen sie? Welche Geschichten erzählen sie ihren Kindern? Was sind ihre alltäglichen Freuden und Sorgen? Was denken sie über ihre Nachbarn in der Grenzregion?

Durch die Pflege der Kultur und die Bewahrung der Traditionen möchte die Stiftung Brücken der Freundschaft und Verständigung zwischen den deutschen und den polnischen Pommern bauen.

Ziele der Stiftung „Pomeranus“ sind Förderung und Verbreitung des Wissens über die pommersche Geschichte bis in die Gegenwart. Durch die Pflege der Kultur und die Bewahrung alter und neuer Traditionen möchte diese Stiftung Brücken der Freundschaft und Verständigung zwischen den deutschen und den polnischen Pommern in dem Land beiderseits der Oder bauen. Das soll nach den Plänen der Stiftung in drei Bereichen realisiert werden.

Zum ersten Teil gehört die Organisation von deutsch-polnischen Treffen und Veranstaltungen, in deren Rahmen alte pommersche Sitten und Bräuche aufleben sollen. Vorgesehen ist zum Beispiel die Veranstaltung einer Regatta von traditionellen pommerschen Fischerbooten (Zeesbooten), die auf dem Stettiner Haff zwischen Neuwarp und Stepenitz stattfinden soll.

Zum zweiten Teil der Vorhaben gehören Publikationen, herausgegeben von der Stiftung, wie zum Beispiel das Buch „Pommern – praktischer Reiseführer auf dem Gebiet des Herzogtums Pommern“ auf Deutsch. Vorbereitet wird auch die Ausgabe von pommerschen Sagen, eine Sammlung von Texten aus dem alten Herzogtum Pommern, wodurch die Leser mit dem Reichtum der pommerschen Kultur mit ihren Sitten, Bräuchen und märchenhaften Überlieferungen vertraut gemacht werden sollen. Diese Sammlung besteht sowohl aus den im 19. und 20. Jahrhundert von den deutschen Chronisten zusammengetragenen Sagen als auch aus Geschichten und Berichten, geschrieben von polnischen Pommern, die nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges im Land an der Ostsee ihre neue Heimat gefunden haben. Es soll auch eine zweisprachige Vierteljahresschrift herausgegeben werden, die auf Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten in Landschaft, Geschichte und Kultur des Pommernlandes hinweisen wird.

Der dritte Teil der Vorhaben von „Pomeranus“ umfasst elektronische Publikationen für mobile Geräte wie Apps für Smartphones und Tablets. Auch mit Hilfe der globalen Vernetzungsmöglichkeiten dieser mobilen Geräte wird dem breiten Publikum das Wissen über Pommern in der immer beliebter werdenden digitalen Form zur Verfügung stehen.

Die Stiftung „Pomeranus“ in Stettin möchte alle Organisationen und lokalen Behörden Deutschlands zur Zusammenarbeit einladen, für die – wie es in der Einladung heißt – „genauso wie für uns, Aktivitäten sowohl zur Vertiefung ‚pommersch-pommerscher‘ Integration als auch zur Förderung des pommerschen Kulturerbes und der Identität wichtig sind. Wir sind davon fest überzeugt, dass unser Pommern dessen wert ist!“

Die Einladung zur Mitarbeit der Deutschen in dieser Stiftung „Pomeranus“ wird ausgesprochen und unterstützt von dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Szymon Jez, geboren 1974 in Stargard (Stargard Szczecinski), Multiplikator des Wissens über die Geschichte und Gegenwart Pommerns und seit dem Jahre 2000 Leiter des Stettiner Verlages Walkowska Wydawnictwo.

Ein weiterer Befürworter der Gewinnung deutscher Mitarbeiter in dieser jungen Stettiner Kulturstiftung ist der Stellvertretende Vorstandspräsident Jaroslaw Kociuba, 1981 in Stettin (Szczecin) geboren, Autor von Schriften mit pommerscher Thematik. Sein Buch „Pommern – praktischer Reiseführer auf dem Gebiet des Herzogtums Pommern“ war die erste polnische Publikation nach 1945, die die pommerschen Gebiete von dem Fluss Recknitz in Vorpommern bis zum Zarnewitzer See in Hinterpommern als Ganzheit beschrieben hat.

Hans-Gerd Warmann (KK)

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