Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1248.

Der Abglanz der Kurischen Nehrung in Köln

Werke des Expressionisten Ernst Mollenhauer aus Ostpreußen in der Galerie Boisserée

Rheinländer blicken bekanntlich lieber nach dem Westen als nach Ostdeutschland, und das auch schon vor dem Verlust Ostpreußens und Schlesiens und dem Bau der Mauer. Im westlichen Teil der Bundesrepublik Deutschland scheint man auch vergessen zu haben, daß die Reichshauptstadt Berlin einst Metropole auf dem Gebiet der Kunst und Kultur war und Künstler aus ganz Deutschland anlockte. Kein Wunder, daß nach dem Krieg, als in Köln das Käthe-Kollwitz-Museum gegründet wurde, Stimmen laut wurden: Warum gerade hier eine Gedenkstätte einer Ostpreußin, ein Museum mit ernsten, tiefgründigen Werken in der Hochburg des Karnevals? Doch es gab auch Bürger, die meinten, gerade jetzt, da Deutschland kleiner geworden sei, müsse man auch auf dem Gebiet der Kunst enger zusammenrücken.

Und nun gibt es in Köln gleich zwei private Galerien, die ihre Tore für Einzelausstellungen ostdeutscher Künstler öffnen. Es sind die Ostpreußen Fred Thieler in der Galerie Orangerie-Reinz (berichtet wurde im vorigen Heft der KK) und Ernst Mollenhauer in der Galerie Boisserée.

Geboren 1892 in Tapiau, wuchs Ernst Mollenhauer in Königsberg auf. An der dortigen Kunstakademie begann er als 21jähriger sein Studium, begleitet von der Fürsprache seines Landsmannes, des berühmten Impressionisten Lovis Corinth. Einberufen zum Kriegsdienst, mußte er sein Studium unterbrechen und setzte es 1918–1922 als Meisterschüler von Professor Degner fort.

Wiederholt wurde sein Leben von Politik und Schicksal heimgesucht. In der Nazizeit wurde er als bedeutender Vertreter des Expressionismus mit Ausstellungsverbot belegt und seine Kunst wurde als „entartet“ diffamiert. Auf der Kurischen Nehrung einmarschierende sowjetrussische Truppen verschleppten und zerstörten seine Arbeiten. Zweimal wurde sein Atelier in Nidden mitsamt dem künstlerischen Inventar von Bränden vernichtet. Vom seinem Frühwerk ist kaum etwas übriggeblieben. In der Kölner Ausstellung mit „Arbeiten auf Leinwand und Papier“ befindet sich nur ein Gemälde aus dem Jahr 1946, alle andern Exponate wurden in den Jahren 1948 bis 1962, ein Jahr vor dem Tod des Künstlers, geschaffen.

Wesentliche Anregungen für sein künstlerisches Schaffen verdankt Mollenhauer seinen Studienaufenthalten an der Ost- und Nordsee, in der Lüneburger Heide und in der Eifel, vor allem jedoch in Nidden, der berühmten Künstlerkolonie, und auf Sylt. Natürlich blieben auch Reisen ins Ausland nicht aus, so z.B. nach Frankeich, den Niederlanden, Österreich, in die Schweiz. Nach dem Krieg wurde er in Kaarst bei Neuss und danach in Düsseldorf seßhaft, wo er bis zu seinem Tode lebte.

Sein Atelier in Keitum auf Sylt war jedoch so etwas wie der Mittelpunkt seines Künstlerlebens. Hier ließ er sich von der Natur inspirieren und die unauslöschlichen Eindrücke von der Kurischen Nehrung wiederaufleben. Von diesen Landschaftsbildern gibt es mehrere in der gegenwärtigen Ausstellung. Seine Gemälde sind weder naturalistische Wiedergaben der Wirklichkeit, noch begab er sich bis in gegenstandsfreie Gefilde. Optische Wahrnehmungen wurden freilich vereinfacht, abstrahiert. Seine Farben erhalten eine bezaubernde Leuchtkraft. Die Dynamik der Formen in oft pastös aufgetragenem Öl zeugt von einer eigenwilligen, doch stilsicheren Handschrift.

Die Kölner Ausstellung wird von einem Katalog mit 72 Seiten begleitet mit einem Vorwort von Walter Vitt und 36 ganzseitigen Farbabbildungen. Mollenhauers erste Ausstellung in der Galerie Boisserée fand 1958 in Anwesenheit des Künstlers statt. Dank der sensiblen künstlerischen Gestaltung und der handwerklichen Perfektion hat sein Œuvre in fast einem halben Jahrhundert nichts an Attraktivität verloren.

Günther Ott (KK)

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