Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1217.

Der Böhme der Neuen Frankfurter Schule

Hans Traxler wurde mit dem Göttinger Elch ausgezeichnet

In Göttingen hat ein sudetendeutscher Karikaturist den einzigen Satirepreis Deutschlands erhalten. Der in Frankfurt lebende Künstler Hans Traxler wurde mit dem diesjährigen „Göttinger Elch“ ausgezeichnet.

Hans Traxler wurde am 21. Mai 1929 in Herrlich, Nordböhmen, geboren und kam 1945 nach Regensburg. Mit 17 Jahren verkaufte er seine erste Karikatur an eine Münchner Illustrierte. 1951 ging er nach Frankfurt am Main und studierte dort von 1955 bis 1959 am Städel Malerei. Traxler gründete in den 60er und 70er Jahren gemeinsam mit Freunden der sogenannten Neuen Frankfurter Schule wie Robert Gernhardt und Friedrich K. Waechter die Zeitschriften „Pardon“ und „Titanic“ und zeichnete Cartoons und Bildergedichte für alle größeren bundesdeutschen Zeitungen. Bekannt wurde er auch mit seiner Entdeckung, daß der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl sich gut als „Birne“ portraitieren ließ.

In den letzten Jahren profilierte er sich auch als Illustrator „klassischer“ Texte von Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller, Mark Twain, Heinrich Heine, Eugen Roth, Roda Roda und Christian Morgenstern. Seine Kinderbücher wurden in viele Sprachen übersetzt und seine Zeichnungen in mehreren Werkschauen ausgestellt. Traxler, so die „Elch“-Jury in ihrer Begründung, habe „über Jahrzehnte die Vereinbarkeit von Satire, vollendetem Stil und höchster Bildung bewiesen. Wie nur sehr wenigen Autoren vor ihm gelingt dem Multitalent der Spagat zwischen federleichter, köstlicher Komik und hintergründigem, oft philosophischen Anspruch: Ein Großmeister seines Fachs!“ Preisträger der Vorjahre waren unter anderen Chlodwig Poth, Emil Steinberger, Robert Gernhardt, Gerhard Polt, Harry Rowohlt und Otto Waalkes.

Göttingen hat diese Auszeichnung in Erinnerung an den Übervater und Oheim aller deutschsprachigen Satiriker, den Physiker, Philosophen und Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg, gestiftet. In der „heimlichen Satirehauptstadt“ Deutschlands wollte man einen Preis für ein satirisches Gesamtwerk schaffen. Der Name des Preises ist einem Spruch des Wahl-Göttingers F. W. Bernstein (eigentlich Fritz Weigle) entlehnt, der bei einer nächtlichen Fahrt gereimt hatte: „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.“

Dem satirischen Thema entsprechend, ist der Preis mit 3333,33 Euro, einer silbernen Elchbrosche und 99 Dosen Elchsuppe dotiert – eine angemessene Gabe für Nonsens-Künstler. Bei der Preisverleihung am 21. Januar im Alten Rathaus in Göttingen sandte Vorjahrespreisträger Otto Waalkes als anerkennendes Grußwort eine Videobotschaft aus Florida. Die Laudatio hielt der äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate, der 2003 mit der Veröffentlichung des Benimm-Buchs „Manieren“ Furore gemacht hatte. Nach der Feierstunde wurde eine Ausstellung mit Werken des Preisträgers eröffnet.

Susanne Habel (KK)

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