Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1291.

Der Deutsche Orden und die polnische Erinnerung

Gleich zweimal reist der Hochmeister Bruno Platter im Sommer ins ehemalige Ordensland

Der Hochmeister des Deutschen Ordens, Generalabt Dr. Bruno Platter (Wien), fliegt im Juli zweimal nach Ostpreußen. Am 3. Juli wird bei Allenstein ein Gedenkstein für den ersten ermländischen Bischof, den Bruder des Deutschen Ordens Anselm (1250–1278), errichtet und feierlich geweiht. 500 Jahre waren er und seine Nachfolger geistliche und weltliche Landesherrn des Hochstiftes Ermland, bis es 1772 an Preußen fiel. Das Ermland – heute Warmia – war bis 1945 die östlichste Diözese Deutschlands.

Eingeladen wurde der Hochmeister mit einem deutsch-polnischen Schreiben vom deutschen Kreisvertreter Allensteins in der Bundesrepublik Deutschland, Herbert Monkowski, zusammen mit dem polnischen Erzbischof, dem polnischen Landrat und Stadtpräsidenten von Allenstein/Olsztyn. Aufgestellt wird der tonnenschwere Stein bei Balden, wo traditionsgemäß die neugewählten ermländischen Bischöfe feierlich eingeholt wurden, um ihr Bistum zu betreten. Im Juli 2009 wurde dort ein Stein für den letzten deutschen Bischof Maximilian Kaller gesetzt, der 1945 sein Bistum verlassen mußte und 1947 – von Pius XII. zum Vertriebenenbischof bestellt – unerwartet starb. Auf polnische-deutsche Initiative ist der Seligsprechungsprozeß für ihn eröffnet worden. Anselm blieb der einzige Deutschordensangehörige. Das Domkapitel hat nie einen Angehörigen des Deutschen Ordens gewählt. Die Folge: Das Ermland blieb unabhängig und 1525 katholisch, als der Hochmeister Albrecht von Brandenburg und mit ihm das übrige Ostpreußen unter Luthers Einfluß evangelisch wurde.

Den zweiten Anlaß für eine Reise des Hochmeisters bietet der 31. Juli. Im wiederhergestellten Dom von Marienwerder werden die Gebeine von drei Hochmeistern in drei neuen Grablegen bestattet. Es handelt sich um Werner von Orseln, der 1330 ermordet wurde, Ludolf König, der 1348 in Marienwerder starb, und Heinrich von Plauen, der 1429 in Lochstedt gestorben ist. Von Plauen hatte nach der Niederlage von Tannenberg erfolgreich den Hauptsitz des Ordens, die Marienburg, gegen eine polnische Belagerung verteidigt, wurde aber später als Hochmeister abgesetzt und starb als Komtur. Marienwerder war die einzige Stadt an der Weichsel, die dem Orden bei der Teilung des Deutschordensstaates im Jahre 1466 verblieben war.

Die polnischen Feiern zur Erinnerung an den polnisch-litauischen Sieg am 15. Juli 1410 bei Tannenberg – polnisch Grunwald – werden der dritte Anlaß sein, den Deutschen Orden in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Schon nach der Errichtung der großen Denkmalanlage mit Museum durch die Polen nach 1945 hielt dort der polnische Bischof von Ermland jährlich eine Gedenkmesse, eine Tradition, die auch der heutige Erzbischof von Allenstein/Olsztyn weiterführt, wohl wissend, daß es sich um Söldnerheere handelte, bei denen auf beiden Seiten Deutsche, Polen und Litauer kämpften. Gebetet wird für alle Toten. Von der Schlacht bei Grunwald hört jedes polnische Kind in der Schule. Die Zahl 1410 ist sogar in das Altargitter der Brigittenkirche in Danzig eingelassen. Und eine polnische Biersorte heißt „Grunwald“.

Die Kontakte zwischen dem Deutschen Orden und Polen bestehen schon seit Jahrzehnten. Platters Vorgänger Hochmeister Arnold Wieland feierte mit dem polnischen Bischof Sliwinski von Elbing auf der Marienburg eine heilige Messe. Im benachbarten Hotel gibt es seither ein Hochmeister-Wieland-Zimmer. Hochmeister Platter war ebenfalls schon auf der Marienburg. Dort tagte auch die Historische Kommission zur Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens in deutsch-polnischer Besetzung. Der Schwerpunkt der polnischen Deutschordensforschung befindet sich an der Universität Thorn.

Norbert Matern (KK)

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