Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1240.

Der Markt macht’s – oder auch nicht

Auktion mit Kunst aus Siebenbürgen in Heilbronn

Auf der Frühjahrsauktion des Hauses Christie’s in New York erzielte ein Gemälde des französischen Pointillisten Paul Signac 11,6 Millionen Dollar, eine Bronzeskulptur des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti 18,5 Millionen Dollar und ebensoviel ein Gemälde Picassos, das sind je 13,6 Millionen Euro. Bei Sotheby’s stieg das Bild „Jesus III“ des Bauhausmeisters Lyonel Feininger auf 23,2 Millionen Dollar, Paul Cézannes Stilleben sogar auf 25,5 Dollar (18,8 Millionen Euro).

Von solchen Sensationen abgesehen: Auch in Heilbronn gab es im Mai eine Versteigerung, ausgerichtet vom dortigen Auktionshaus Dr. Jürgen Fischer unter dem Titel „Kunst & Keramik“. Hier konnten auch Leute mit kleinem Geldbeutel teilnehmen. 100 Euro war hier die unterstes Preisgrenze. Auf diesen Preis stieg eine auf 60 Euro angesetzte Vase (Berlin, 1870), fielen jedoch eine Brosche (Schätzpreis 200 Euro) und eine rumänische Hinterglasmalerei (Schätzpreis 150 Euro). Ein Konvolut von acht Aquarellen, Gouachen und Zeichnungen von siebenbürgischen Künstlern, die in ihrer Heimat hochgeschätzt waren, fand trotz des geringen Preises keine Abnehmer. Keine Interessenten gab es auch für die dreizehn Aquarelle, Holzschnitte, Radierungen und Zeichnungen der Siebenbürger Sachsen Harald Meschendörfer, Kaspar Teutsch, Hans Hermann, Anna Dörschlag u. a. Hingegen stieg ein einzelner Holzschnitt des Württembergers HAP Grieshaber aus dem Jahre 1965 von 800 auf 1000 Euro. Das Kölner Auktionshaus Lempertz zeigt für die Sommerauktion 2007 Holzschnitte dieses deutschen Künstlers sogar für 2500, 5000 und 15000 bis 18000 Euro an. Auch bei der Heilbronner Auktion dürfte bei der Festlegung der Preise der Bekanntheitsgrad der Künstler eine größere Rolle spielen als die künstlerische Qualität.

Daß die Preise eines großen Teiles der Heilbronner Exponate so gering angesetzt sind, läßt vermuten, daß man auf diese Weise die Regale des Auktionshauses rascher zu leeren hoffte. Doch die sechs Birnkrüge und die beiden Gruppen von vier Krügen, auf jeweils 220 Euro taxiert, wurden nicht verkauft. Auch die zahlreichen Hinterglasbilder rumänischer naiver Maler, alle zu moderaten Preisen taxiert, fanden so gut wie keine Bieter.

Natürlich gab es auch auf der Heilbronner Auktion positive Resultate. Eine große Prunk-Uhr mit allegorischen Figuren (Meißen, 19. Jahrhundert) stieg von 4800 auf 5500 Euro; von den 30 Porzellanobjekten aus Meißen wurden zehn verkauft. Meißen stand auch mit der Porzellanfigur nach dem Entwurf von Alfred König (1911) von 5500 auf 8500 Euro vorne sowie mit einer Deckelterrine für 9500 Euro. Ein Apostelkrug mit Zinndeckel aus dem Jahr 1681 stieg von 7500 auf 9000 Euro, eine Weinkanne aus Zinn eines Meisters aus Siebenbürgen (17. Jahrhundert) von 5600 auf 7500 Euro.

Natürlich hätte man sich ein besseres Ergebnis gewünscht, kam man doch nicht bis auf 10 000 Euro, außerdem wurden von den 530 Exponaten nur 40 Prozent verkauft. Doch für das deutsche Publikum bot sich ja auf der Auktion in Heilbronn meistens Neuland. In Siebenbürgen gehörten die Künstler, deren Werke auf der Auktion angeboten wurden, zu den bekannten Vertretern der modernen Kunst. Und im Westen? Außerdem war in der alten Heimat auch die Volkskunst selbst in den Städten beliebt, gehörten bemalte Krüge und Teller zum Sammelgut von Bürgern. Mit jenen Kunstwerken und der Volkskunst müssen sich Sammler im Westen erst vertraut machen.

Wenn der finanzielle Ertrag in Heilbronn zu wünschen übrig läßt, so gaben doch die Auktion und deren Vorschau den Kunstliebhabern die Möglichkeit, sich mit dieser Materie auseinanderzusetzen. Das braucht natürlich Zeit.Vielleicht sind auch Galeristen auf jene Kunst und Volkskunst aus dem Osten und Südosten Europas aufmerksam geworden und denken darüber nach, ob sie derlei nicht einmal in einer Verkaufsausstellung zeigen sollten. In den ersten Nachkriegsjahren kannte man in der Bundesrepublik Deutschland die Kunst von jenseits des Ozeans nicht. Engagierte Galeristen importierten Kunst und Pseudokunst aus den USA, stellten sie aus, von den Medien und Museen unterstützt, und bald gab es in Westdeutschland bis zur DDR-Mauer einen USA-Kunst-Trend, der eines Tages auch zu einem ungeahnten finanziellen Gewinn führte.

Ab und zu veranstalten auch offizielle Stellen siebenbürgische Kunstausstellungen. So das Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg, das Siebenbürgische Museum Gundelsheim, und nun werden im Gerhart-Hauptmann-Haus zu Düsseldorf 20 Gemälde von Künstlerinnen und Künstlern der Klassischen Moderne aus Siebenbürgen ausgestellt. Erfahrungsgemäß sind die kommerziellen Galeristen mehr daran interessiert, ihre Künstler in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Daß das Heilbronner Auktionshaus mit seiner Versteigerung und Vorschau auch einen kunstpädagogischen Beitrag geliefert hat, steht außer Frage.

Günther Ott (KK)

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