Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1252.

Der Natur treu und sich selbst

Der vor hundert Jahren in Oberschlesien geborene Maler Albert Ferenz hat seine Zeitzeugenschaft künstlerisch und organisatorisch umgesetzt

Der Oberschlesier Albert Ferenz, geboren vor hundert Jahren in Groß Hoschütz, der mit 47 Jahren in München seßhaft wurde und hier als freier Maler und Restaurator bis zu seinem Tod 1994 tätig war, gehört zu den Persönlichkeiten, die an einer Kulturbrücke West–Ost mitgebaut haben.

In seinem Geburtsort ging der Sohn eines Dachdeckermeisters zur Volksschule, absolvierte im nahegelegenen Troppau die Deutsche Bürgerschule und besuchte danach die Kunstgewerbeschule in Breslau. Bis zur Einberufung zum Kriegsdienst 1942 war er daheim als Restaurator tätig und widmete sich der freien und angewandten Kunst (Ölgemälde, Aquarell, Zeichnung, Grafik, Glasmalerei, Fresko, Sgraffito u. a.). Ebenso vielfältig war auch seine Thematik vom Porträt über die Landschaft bis zu figuralen Kompositionen.

Albert Ferenz restaurierte die Fresken in seiner Heimatkirche zu Groß Hoschütz, die Fresken der Jesuitenkirche sowie die profanen Fresken in der Bibliothek des Minoritenklosters in Troppau, ferner jene im Palais Waldstein im nordböhmischen Dux. Auch legte er die Sgraffiti im Fürst Lichtensteinischen Schloß Ullersdorf frei. Seine eigenen Fresken entstanden in den Kirchen zu Schillersdorf/Hultschin und zu Füllstein bei Jägersdorf sowie für zwei Kirchen in der Slowakei. 1945 wurde er aus der russischen Kriegsgefangenschaft nach Österreich entlassen, verdiente seinen Lebensunterhalt als Assistent an der Landesrestaurationsanstalt zu Graz, bis er sich als freischaffender Maler in Wien niederließ.

Seine Karriere in Westdeutschland begann in München. Hier erhielt er Porträtaufträge von Persönlichkeiten aus Politik und Kultur und war in der „Großen Kunstausstellung“ im Haus der Kunst präsent, wo er sich auch in der Jury beteiligte, ferner in den Ausstellungen des Kunstvereins, der Künstlergilde, des Berufsverbandes bildender Künstler und andere mehr.

Auch Ausstellungen in ganz Deutschland ließen nicht lange auf sich warten: Dresden und Berlin, Leverkusen, Esslingen, Regensburg, Augsburg, Essen, Bamberg. Hervorzuheben sind die Präsentationen „Kunst in Schlesien – Künstler aus Schlesien“ im Oberschlesischen Landesmuseum zu Ratingen-Hösel, „Künstler aus Oberschlesien“ im Gürzenich zu Köln, im Museum Ostdeutsche Galerie in Regensburg sowie in Düsseldorf, wo ihm der Oberschlesische Kunstpreis des Hauses des Deutschen Ostens, heute Gerhart-Hauptmann-Haus, verliehen wurde. Ausgezeichnet wurde er ferner mit dem Sudetendeutschen Kulturpreis für bildende Kunst, dem Schwäbischen Kunstpreis für Malerei und Grafik, dem Seerosenpreis der Stadt München, dem Preis für die Förderung der Porträtkunst der Bayerischen Akademie der Künste sowie der Goldmedaille Italia 2000 beim Wettbewerb in Neapel.

Aus dem Frühwerk des Künstlers ist nur ein Gemälde von 1940 übriggeblieben, es stellt seine Mutter dar und wurde von einem ortsansässigen Baumeister in den Trümmern des ehemaligen Hauses der Familie Ferenz entdeckt und gerettet. Dieses Bild zeugt in toniger Palette von solidem Realismus. In den folgenden Jahren wird der Farbauftrag immer freier, die Farbskala heller, als hätte der Impressionismus Pate gestanden. Gleichsam transparent erscheinen die Aquarelle.

Bei den Ölbildern macht sich ab und zu der Einfluß des Konstruktivismus bemerkbar. Albert Ferenz, Zeitgenosse der abstrakten Kunst, ist nie ein Vertreter dieser gegenstandsfreien Richtung gewesen. Ebenso hat er von platt realistischer Nachahmung der Wirklichkeit in der naiven Ausformung beispielsweise des sogenannten Sozialistischen Realismus Abstand gehalten. Er ist immer der Natur treu geblieben, hat sich von ihr inspirieren lassen, hat sie aber, statt sie zu reproduzieren, eher leicht abstrahiert.

Albert Ferenz war nicht nur bildender Künstler und Restaurator, er zeichnete sich auch als Organisator von Gruppenausstellungen aus. Dabei vergaß er nie seine ostdeutsche Herkunft und die ihr verbundene Solidargemeinschaft auch in der Kunst.

Günther Ott (KK)

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