Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1247.

Der Sämann

Seit 30 Jahren läßt Weihbischof Pieschl das Gleichnis Ereignis werden

Die im Frankfurter Kaiserdom ausliegenden Gebetszettel zeigten, wie sich Weihbischof Gerhard Pieschl als Priester und Bischof sieht: als Sämann, wie ihn Vincent van Gogh gemalt hat. So interpretierte auch sein langjähriger Ordinarius Bischof Franz Kamphaus em. in seiner Festpredigt zur 30. Wiederkehr der Bischofsweihe von Gerhard Pieschl das biblische Gleichnis: „Für einen kurzen Moment haben wir das Samenkorn in der Hand. Es wird auf den Acker geworfen, verdorrt oder bringt vielfältige Frucht.“ Selbstkritisch fügte Kamphaus hinzu, die deutsche Kirche beschäftige sich zu sehr mit sich selbst, dabei sei sie für die Menschen da. Wer sich nur nach dem Wind drehe, könne nicht erfolgreich sein. „Es ist Zeit zur Aussaat.“

Schon in seiner Begrüßungsansprache hatte der Frankfurter Stadtdekan angedeutet, wie nachdrücklich Pieschl, seit 1983 Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die katholische Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge, für die Anliegen der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler eintritt. Er hat sich damit nicht nur Freunde gemacht. Mitarbeiter und Begleiter Pieschls hatten in den vergangenen Jahren manchmal den Eindruck, als verständen ihn die Bischöfe seiner böhmischen Heimat besser als die deutschen Mitbrüder. Vor sieben Jahren jedenfalls wurde der „Vertriebenenbischof“ Domkapitular ehrenhalber des Metropolitankapitels von Olmütz/Olomouc. Bei seinen vielen Reisen in die Vertreibungsgebiete wurde er von den dortigen Bischöfen herzlich und brüderlich empfangen.

Zum festlichen Jubiläum im Kaiserdom aber waren neben den Weihbischöfen der Nachbardiözesen auch Bischöfe von Sambia und den Philippinen angereist. Beim Einzug in den vollbesetzten Dom begleiteten den Jubilar Patres und Familiaren des Deutschen Ordens, deren Geistlicher Beirat er in Hessen ist. Mitfeiernde waren die Visitatoren der katholischen Vertriebenenseelsorge mit ihrem Sprecher Prälat Dr. Lothar Schlegel, Ermland.

„Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten“, zitierte Pieschl in seiner launigen Dankesrede beim Empfang im Frankfurter „Haus am Dom“. „War alles vergebens? Nein, es war alles gut“, sagte er in Anspielung auf ein Buch des gerade verstorbenen Schriftstellers Walter Kempowski.

Neben seinen Aufgaben in der Diözese Limburg war Pieschl in seinem erfolgreichen Priesterleben Divisionspfarrer, Militärdekan und Beauftragter für die katholische Polizeiseelsorge. Die längste Zeit jedoch widmete er sich den Heimatvertriebenen. Als Schüler und Seminarist war er im „Vaterhaus der Vertriebenen“ in Königstein, Taunus. Daß es ausgerechnet ihm zufallen mußte, als Weihbischof von Limburg an der Schließung der Königsteiner Anstalten mitzuwirken, da sie finanziell nicht zu halten waren, hat ihn schwer mitgenommen.

Als Mitglied der Kommission für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz und Mitglied der Unterkommission für Mittel- und Osteuropa (insbesondere Renovabis) wird er weiter ein aufmerksames Auge auf die Geschicke der einst vom kommunistischen Kirchenkampf bedrängten Völker haben.

Norbert Matern (KK)

«

»