Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1273.

Deutsche im rumänischen „Martyrologium“

In Bukarest ist kürzlich der zehnte Band – Buchstabe S, 527 Seiten – der vierzehnbändigen Dokumentation von  Cicerone Ionitoiu (Paris) erschienen, eines „Lexikons“ der Opfer  des kommunistischen Terrors in Rumänien, nicht nur der Toten, sondern auch der Opfer von Folter, Kerkerstrafen, von Gewalt, Zwangsarbeit und Deportationen. Der erste Band war im Jahre 2000 im selben Verlag erschienen, den letzten Bänden ist ein Vorwort von Prof. Dr. Alex. Stefanescu vorangestellt, in dem auf die etwa zwei Millionen politischen Häftlinge im kommunistischen Rumänien verwiesen wird. Nachweislich kamen davon rund 200000 in Gefängnissen und Lagern um, eine beträchtliche Zahl aber auch in den benachbarten Ländern, der Sowjetunion und Jugoslawien.

Die Dokumentation will ein vorläufiges Verzeichnis sein und noch mehr eine Maßnahme gegen das kollektive Vergessen. Die herausragende Arbeit des Seniors Ionitoiu (geb. 1924 in Craiova) wird zu Recht mit der einer ganzen Institution verglichen, denn zum Schluß werden auf über 6000 Seiten die Leidenswege mit Kurzbiographien von über 70000 Opfern festgehalten sein, Menschen aller Altersgruppen und sozialen wie beruflichen Schichten, aller ethnischen, konfessionellen und politischen Gruppen des Landes, tatsächliche Gegner des Regimes, aber ebenso viele Verdächtigte und Unschuldige.

Allein in diesen zehnten Band sind etwa 1000 Rumäniendeutsche, etliche mit Bild, aufgenommen worden. Beim Großteil handelt es sich um Opfer der Deportation in die Sowjetunion und das rumänische Tiefland Baragan, allein fast 200 namens Schmidt. Begrüßenswert, daß die Schriftsteller Georg Scherg, Harald Siegmund und Eginald (im Buch Norbert) Schlattner aufgenommen wurden, unerklärlich, weshalb Daten zu Bischof Wilhelm Staedel fehlen (zwei Zeilen). Beispielhaft seien erwähnt die spektakuläre Fallschirmaktion, an der Wilhelm Spindler beteiligt war, der 1951 erschossen wurde, die Angaben über Werner Sommerauer, der 1987 an der Revolte in Kronstadt beteiligt war, oder über Kurt Scherg, der 1953 am Kanal umgekommen ist.

Wichtige Quelle ist das Buch für die Forschung in den Bereichen bewaffneter Widerstand (Banat, Bukowina, Dobrudscha, Siebenbürgen) und (teils inszenierte) Prozesse gegen verschiedene „Feind-Gruppen“ oder zum Thema Landesflucht, besonders für die frühen Nachkriegsjahre. Aber auch zu weniger erforschten und bekannten Themen finden sich aufschlußreiche Daten und Fakten: 16 Jahre Gefängnis für Widerstand gegen die Kollektivierung in der Landwirtschaft, 1961 Schießbefehl des damaligen Generals Nicolae Ceausescu gegen unbewaffnete protestierende Bauern, Kerkerhaft wegen Nichtabgabe der Pflichtquote bei Getreide, Gefängnisstrafe wegen „Sympathie“ für Bauernproteste. Allgemein wichtig sind die vielen Angaben zu den Opfern aus den Reihen der griechisch-katholischen Geistlichkeit sowie zu Anhängern von neoprotestantischen Glaubensgemeinschaften, die das Martyrologium der christlichen Kirchen in Rumänien ergänzen, sowie zu vergessenen rumäniendeutschen Geistlichen, etwa dem katholischen Theologieprofessor Karl Starke, der 1945 aus Bukarest deportiert wurde.

In Bukarest ist kürzlich der zehnte Band – Buchstabe S, 527 Seiten – der vierzehnbändigen Dokumentation von  Cicerone Ionitoiu (Paris) erschienen, eines „Lexikons“ der Opfer  des kommunistischen Terrors in Rumänien, nicht nur der Toten, sondern auch der Opfer von Folter, Kerkerstrafen, von Gewalt, Zwangsarbeit und Deportationen. Der erste Band war im Jahre 2000 im selben Verlag erschienen, den letzten Bänden ist ein Vorwort von Prof. Dr. Alex. Stefanescu vorangestellt, in dem auf die etwa zwei Millionen politischen Häftlinge im kommunistischen Rumänien verwiesen wird. Nachweislich kamen davon rund 200000 in Gefängnissen und Lagern um, eine beträchtliche Zahl aber auch in den benachbarten Ländern, der Sowjetunion und Jugoslawien.

Die Dokumentation will ein vorläufiges Verzeichnis sein und noch mehr eine Maßnahme gegen das kollektive Vergessen. Die herausragende Arbeit des Seniors Ionitoiu (geb. 1924 in Craiova) wird zu Recht mit der einer ganzen Institution verglichen, denn zum Schluß werden auf über 6000 Seiten die Leidenswege mit Kurzbiographien von über 70000 Opfern festgehalten sein, Menschen aller Altersgruppen und sozialen wie beruflichen Schichten, aller ethnischen, konfessionellen und politischen Gruppen des Landes, tatsächliche Gegner des Regimes, aber ebenso viele Verdächtigte und Unschuldige.

Allein in diesen zehnten Band sind etwa 1000 Rumäniendeutsche, etliche mit Bild, aufgenommen worden. Beim Großteil handelt es sich um Opfer der Deportation in die Sowjetunion und das rumänische Tiefland Baragan, allein fast 200 namens Schmidt. Begrüßenswert, daß die Schriftsteller Georg Scherg, Harald Siegmund und Eginald (im Buch Norbert) Schlattner aufgenommen wurden, unerklärlich, weshalb Daten zu Bischof Wilhelm Staedel fehlen (zwei Zeilen). Beispielhaft seien erwähnt die spektakuläre Fallschirmaktion, an der Wilhelm Spindler beteiligt war, der 1951 erschossen wurde, die Angaben über Werner Sommerauer, der 1987 an der Revolte in Kronstadt beteiligt war, oder über Kurt Scherg, der 1953 am Kanal umgekommen ist.Wichtige Quelle ist das Buch für die Forschung in den Bereichen bewaffneter Widerstand (Banat, Bukowina, Dobrudscha, Siebenbürgen) und (teils inszenierte) Prozesse gegen verschiedene „Feind-Gruppen“ oder zum Thema Landesflucht, besonders für die frühen Nachkriegsjahre.

Aber auch zu weniger erforschten und bekannten Themen finden sich aufschlußreiche Daten und Fakten: 16 Jahre Gefängnis für Widerstand gegen die Kollektivierung in der Landwirtschaft, 1961 Schießbefehl des damaligen Generals Nicolae Ceausescu gegen unbewaffnete protestierende Bauern, Kerkerhaft wegen Nichtabgabe der Pflichtquote bei Getreide, Gefängnisstrafe wegen „Sympathie“ für Bauernproteste. Allgemein wichtig sind die vielen Angaben zu den Opfern aus den Reihen der griechisch-katholischen Geistlichkeit sowie zu Anhängern von neoprotestantischen Glaubensgemeinschaften, die das Martyrologium der christlichen Kirchen in Rumänien ergänzen, sowie zu vergessenen rumäniendeutschen Geistlichen, etwa dem katholischen Theologieprofessor Karl Starke, der 1945 aus Bukarest deportiert wurde.

Luzian Geier (KK)

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