Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1296.

Die Beständigkeit des Unsteten

Die in zwei Bänden vorliegende Auswahl ist bestrebt, das umfangreiche und vielfältige Werk Karl von Holteis (1798–1880), der als Schauspieler, Rezitator und Theaterdirektor ein bewegtes Leben führte, als Dramatiker, Lyriker und Romancier beachtliche Erfolge erntete, in exemplarischen und repräsentativen Ausschnitten zu bieten, die auch heute noch interessieren.

Der schlesische Autor hat zwischen Romantik, Biedermeier und Realismus ein Stück deutscher Kulturgeschichte mitgeschrieben. Wer ihn als konservativ, zuweilen trivial bezeichnet, verkennt die breite Palette seines Werkes, welche Popularität er mit den „Schlesischen Gedichten“ und seinen Dramen genoß, welche Bedeutung er – auch als Rezitator und Schauspieler – für die regionale und überregionale Kultur-, Theater- und Literaturgeschichte gewann. Einzelne seiner lyrischen, epischen, dramatischen und kritisch-essayistischen Texte haben mehr als eine nur kulturhistorische Bedeutung. Das gilt auch für die Autobiographie „Vierzig Jahre“, die ein Stück lebendiger Literatur- und Theatergeschichte des 19. Jahrhunderts darstellt.

Eine Gesamtausgabe der Schriften Holteis existiert nicht. Die für die zweibändige Auswahl benutzten Einzelausgaben sind jeweils im Anhang der Bände als Quelle angegeben. Sämtliche Texte folgen in Orthographie und Interpunktion der jeweils angegebenen Quelle, offensichtliche Druckfehler wurden stillschweigend verbessert.

Bot der erste Band einen Querschnitt durch das lyrische Schaffen Holteis mit den „Schlesischen Gedichten“, mit Liedern und Stücken wie „Ein Wiener in Berlin“ sowie ausgewählte Schriften zu Literatur und Theater, so macht der zum 130. Todestag des Dichters erschienene zweite Band auf dessen Prosawerk aufmerksam. Den größten Teil stellen die Auszüge aus Holteis Lebensbeschreibung „Vierzig Jahre“ dar, 1804 mit dem ersten Theatererlebnis beginnend, der Begegnungen mit Hermes, Ludwig Devrient, Iffland und Karl Schall gedenkend, das literarische Leben in Breslau, Wien, Berlin in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schildernd und die eigene Tätigkeit in den genannten Städten sowie in Graz, Lübeck und Hamburg behandelnd. Wiener Erinnerungen finden sich in den Erzählungen „So war’s nicht gemeint“ und „‚Hat ihm schon‘“, weitere Texte sind u.a. „Was ist des Deutschen Vaterland?“ und „Saphir als Possendichter“. Sogar eine Kriminalgeschichte hat der vielseitige Holtei geschrieben: „Die Stadtkokette“.

Der Band schließt mit einem Leben und Werk Karl von Holteis würdigenden Nachwort, einer Auswahlbibliographie, einer Zeittafel und einem beide Bände erschließenden Personenregister.
Es gilt, Karl von Holtei wiederzuentdecken – mit der vorliegenden Werkauswahl ist dies möglich.                                                          

(KK)

Karl von Holtei: Ausgewählte Werke. Bd. 2: Vierzig Jahre (Auswahl). Erzähl- und andere Prosa. Herausgegeben von Jürgen Hein und Henk J. Koning unter Mitarbeit von Claudia Meyer. Bergstadtverlag W. G. Korn, Würzburg 2009, 444 S., 20 Euro

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