Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1306.

Die bildende Kraft des Faktischen

Darauf setzt das Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf mit Veranstaltungen zur Zeitgeschichte

In diesem Jahr stehen mehrere bedeutende Gedenktage an, die von den Institutionen des West-Ost-Dialoges mit verschiedenen Veranstaltungen gewürdigt werden. So hat die Düsseldorfer Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus – Deutsch-osteuropäisches Forum das Jahresthema „1941 und die damit verbundenen Folgen“ aufgegriffen. Dokumentiert wird über das ganze Jahr hinweg der 70. Jahrestag des Angriffs der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion (22. Juni 1941) und die Deportation der Rußlanddeutschen. Die Veranstaltungen werden größtenteils in Kooperation mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland und mit der Vereinigung zur Integration der rußlanddeutschen Aussiedler (VIRA) e.V. angeboten.

Im ersten Quartal 2011 gab es bereits im Januar einen Vortrag von Professor Dr. Hans Hecker von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit dem Titel „Von Katharina der Großen bis zum Ersten Weltkrieg (1763–1914)“. Dem „Jahresthema“ gewidmet war auch der Vortrag „Vernichtungskrieg ist nicht gleich Vernichtungskrieg: Die deutsche Kriegführung gegen Polen und gegen die Sowjetunion 1939/1941“, den Professor Dr. Jürgen Förster von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. am 2. März hielt.

Professor Förster gilt als einer der führenden deutschen Militärhistoriker. Er hat einen wesentlichen Anteil an dem Großprojekt „Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg“, das seit 2008 in zehn umfangreichen Bänden abgeschlossen vorliegt und als das wissenschaftliche Standardwerk von deutscher Seite gilt.

Herausgearbeitet wurden hier sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede beim Vorgehen deutscher Kräfte zunächst in Polen seit dem September 1939 und dann in der Sowjetunion seit dem Juni 1941. Dr. Winfrid Halder, der Direktor des Gerhart-Hauptmann-Hauses, erläutert: „Die Form, in der vor allem die damaligen deutschen Ostprovinzen von den sowjetischen Streitkräften erobert und besetzt wurden, ferner der Umgang mit den Deutschen, die in den 1945 zum neu umschriebenen polnischen Staat geschlagenen Gebieten lebten, ist nicht zu trennen vom Verhalten wenigstens von Teilen der deutschen Besatzungskräfte zuvor auf polnischem und sowjetischem Territorium. Daher ist es wichtig, auch dies in die Erinnerung an das Schlüsseljahr 1941 einzubeziehen.“

Ebenfalls mit einem Vortrag erinnert die Düsseldorfer Institution auch an das Ereignis der Volksabstimmung vor 90 Jahren. „Um Oberschlesiens Zukunft – Vor 90 Jahren: Volksabstimmung“ war der Titel des Referates, das am 23. März von Dr. Guido Hitze von der Landeszentrale für politische Bildung geboten wurde. Der Referent hat sich u.a. mit seiner Dissertation über das Leben und Werk des Priesters und Politikers Carl Ulitzka als Oberschlesien-Experte profiliert.

An den diesjährigen „Jüdischen Kulturtagen“ – die vom 3. März bis zum 17. April 2011 in Nordrhein-Westfalen stattfinden – beteiligt sich die Stiftung mit der Ausstellung „Wer war Eduard von Simson?“ (30. März bis 14. April). Das Leben und Werk einer Schlüsselfigur des deutschen Parlamentarismus im 19. Jahrhundert wird anhand von Zeitdokumenten und Bildern veranschaulicht. Auch die Lesung mit Frank Schablewski am 31. März läuft im Rahmen der Jüdischen Kulturtage und trägt den Titel „Zwischen dem Jetzt und dem Jetzt: Ilana Shmueli und Paul Celan. Zwei Literaten aus Czernowitz“. Das Literaturprogramm wird in Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft sowie der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf abgehalten.

(KK)

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