Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1360.

Die Donau mag schön und blau sein

Das Donauschwäbische Zentralmuseum Ulm sorgt dafür, dass viele anderen Farben hinzukommen

DZM[1]Das im Sommer des Jahres 2000 eröffnete Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm präsentiert auf 1500 Quadratmetern die Geschichte der deutschen Bauern und Handwerker, die von der Habsburgermonarchie im 18. und 19. Jahrhundert in Ungarn angesiedelt wurden. Das DZM versteht sich als Vermittlungsinstanz zwischen wissenschaftlichem Anspruch, dem Erfahrungsschatz der Erlebnisgeneration und den Bedürfnissen des Publikums.

Derzeit wird in 26 Abteilungen der Dauerausstellung unter dem Motto „Räume, Zeiten, Menschen“ das Leben der deutschen Minderheit in der Vielvölkerregion Südosteuropa vorgestellt. Vor kurzem hat der Stiftungsrat über eine Überarbeitung der permanenten Ausstellung entschieden. Der Vorsitzende des Stiftungsrates, der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall MdL, erklärt, dabei müsse auch an neue Formen der kulturellen Bildung und deren Vermittlung gedacht werden. Die Vorstandsvorsitzende, Bürgermeisterin Iris Mann, sieht in einer Überarbeitung der Präsentation die Chance, das Museum mit neuen Themen für weitere Zielgruppen zugänglich zu machen.

Durch die Umgestaltung der Dauerausstellung soll ein neuer Parallelrundgang zu den großen Themenräumen entstehen, der das Leitthema „Donau“ aufgreift. Hier werden verschiedene Aspekte rund um den europäischen Strom behandelt, von der Ulmer Donauschifffahrt über die Dialekte der Donauschwaben bis hin zu den kulturellen Wechselbeziehungen in deren Siedlungsgebieten. Das Handwerk der Schiffbauer kann mit Werkzeugen, Zeichnungen und Fotografien anschaulich dargestellt werden. Schließlich sollte damit nicht zuletzt auch daran erinnert werden, dass es die Ulmer Schiffer waren, die die Auswanderer vor 300 Jahren auf ihren „Ulmer Schachteln“ nach Ungarn transportierten. Hinzu kommen aktuelle länderkundliche und touristische Aspekte, die mit Exponaten aus der Sammlung des DZM veranschaulicht werden können.

Herzstück der Einrichtung wird nach wie vor die Darstellung der donauschwäbischen Geschichte sein, die einen Bogen von der Auswanderung im 18. Jahrhundert in die Gegenwart spannt. Viele Themen aus der donauschwäbischen Vergangenheit wie Flucht, Vertreibung, Migration oder multiethnisches Zusammenleben sind auch heute noch aktuell und lassen sich bestens in einen europäischen Kontext einbauen. Vor dem Hintergrund, dass die Zeitzeugen immer weniger werden, muss das Museumsteam die Präsentation dahingehend umgestalten, dass sie auch für ein Publikum interessant ist, das keine unmittelbar persönlichen Bezüge zum Thema hat.

Nach dem grundsätzlichen Beschluss des Stiftungsrates erarbeitet das Museumsteam um Direktor Christian Glass zusammen mit dem wissenschaftlichen Beirat eine Detailkonzeption. Ziel ist es, dass das DZM zum 20jährigen Jubiläum im Jahr 2020 seine Besucher mit einer neu gestalteten Dauerausstellung empfangen kann.

Das Museum beherbergt am 9. Oktober 2015 die Eröffnungsveranstaltung der Ungarischen Kulturtage. Bei dieser Gelegenheit wird die Ausstellung „Donaublicke. Ungarische Kunst aus Szentendre“ eröffnet. Zu den Ehrengästen gehören Ivo Gönner, Oberbürgermeister der Stadt Ulm, János Berényi, Generalkonsul von Ungarn in Stuttgart, und Regina Hellwig-Schmid, Mitkuratorin der Ausstellung „Donaublicke“. Musikalisch wird die Veranstaltung vom „Donau Harmonie Brass Ensemble“ begleitet.

Die diesjährigen ungarischen Kulturtage Ulm werden von der Stadt Ulm, dem DZM, dem Haus der Donau, dem Jazzkeller Sauschdall und der Pfarrkirche St. Michael zu den Wengen ausgerichtet. Zum Programm gehört u. a. ein literarischer Abend, in dem Hannelore Jäger und Sibylle Schleicher aus Magda Szabós Veröffentlichung „Hinter der Tür“ lesen. Hinzu kommen ein Bildervortrag mit Bernadett Gyuricza, der Direktorin des Ungarischen Tourismusamtes München, sowie ein Podiumsgespräch mit dem Titel „Deutsche in Ungarn – gestern und heute“ unter der Moderation von Anita Schlesak (SWR). Ein A-cappella-Konzert mit „Ars Nova Sacra“ unter der Leitung von Dénes Répássy und ein Jazzkonzert mit Béla Szakcsi Lakatos & Friends sind weitere Höhepunkte der diesjährigen ungarischen Kulturtage in Ulm.

(KK)

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