Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1350.

Die Eisenbahn zerfetzt Reste des Eisernen Vorhangs

Eine Ausstellung in Troppau/Opava zeigt alte Technik im Dienst  moderner Mobilität

Auch-Ratingen2„Die Entwicklung des Eisenbahnnetzes veränderte wesentlich die Bedeutung alter Handelswege.“ Diesem Satz der deutschen Zusammenfassung zum Katalog der Ausstellung „Troppauer Eisenbahn“ kann man nur zustimmen. Was es damit für das schlesische Grenzgebiet auf sich hat, das zeigt eine eindrucksvolle Ausstellung in Troppau/Opava.

Vor 160 Jahren wurde ein Ableger der Kaiser-Ferdinand-Nordbahn in Troppau eröffnet. Daher hat der an sich im Süden der Stadt gelegene Hauptbahnhof Opava východ (= Nord) seinen irreführenden Namen. Bis heute kommen mit den regelmäßigen Zügen aus Ostrau/Ostrava viele Reisende, die sich in die Stadt ergießen oder auf die drei Anschlussstrecken verteilen. Wenige Minuten nach der Ankunft der City-Elefant genannten dreiteiligen Doppelstocktriebzüge, gebaut vor wenigen Jahren bei Škoda Transportation in Ostrau, sind die Reisenden dann schon wieder unterwegs. Dieses System der Fahrgastversorgung funktioniert seit nunmehr 160 Jahren.

Die Ausstellung kann in ansprechendem Rahmen jede Strecke in das Bahnnetz der österreichisch-ungarischen Monarchie einordnen. Auch heute liegt Troppau nah an der Staatsgrenze, die freilich seit dem EU-Beitritt leicht zu überschreiten ist. Doch die Verkehrspolitik in Polen ist heute wie einst in Preußisch-Schlesien so prekär, dass mit Blick auf den weitgehenden Kollaps des Eisenbahnregionalverkehrs davon nur abschätzig die Rede ist.

Das ist auch nicht verwunderlich, denn eine Anschlussstrecke ist akut gefährdet. Von Troppau aus führt die Trasse der 1872 eröffneten Mährisch-schlesischen Zentralbahn über Jägerndorf/Krnov und Freudenthal/Bruntál nach Olmütz/Olomouc. In Jägerndorf kann man umsteigen ins Altvatergebirge, so nach Freiwaldau/Jeseník, von wo es nicht weit zum bekannten Kurort Gräfenberg/Lázne Jeseník ist. Doch diese Strecke macht einen Bogen durch Polen mit einem Zugrichtungswechsel in Ziegenhals/Głuchołazy. Während die Strecke bis Jägerndorf mit 80 km/h befahren werden kann, sind es anschließend 60 km/h bis zur Grenze und auf dem polnischen Abschnitt nur 20 km/h.

Die Tschechische Bahn muss natürlich für die Streckennutzung bezahlen, doch seit Jahrzehnten wird polnischerseits keine Instandhaltung betrieben. Wegen dieser Nachlässigkeit ist in Tschechien die Meinung von der polnischen Bahn sehr schlecht. Für das offensichtliche Desinteresse der polnischen Bahnverwaltung ist bezeichnend, dass die Stadt Ziegenhals seit Jahren nicht mehr mit einem PKP-Zug erreichbar ist. Sucht man dennoch im Internet auf dem (deutschen) Bahnportal eine Verbindung von Neisse/Nysa ins 20 km entfernte Ziegenhals, so wird man auf eine zehnstündige Umwegstrecke über Kattowitz, Ostrau und sodann die tschechische Bahnlinie über Troppau verwiesen. Klar, dass damit die Bahn in Polen keine Chancen hat.

Kurz hinter Jägerndorf ist in gutem Zustand noch ein anderes Verkehrsrelikt als Touristenattraktion erhalten. Es ist der Schmalspurbetrieb der Tschechischen Bahn von Röversdorf/Tremešná ve Slezsku nach Hotzenplotz/Osoblaha. Im Sommer fährt an den Wochenenden für die Touristen ein Dampfzug auf dieser landschaftlich reizvollen Strecke. Der Trägerverein möchte eine Erweiterung der „Hotzenplotzerin“ nach dem ehemaligen Deutsch Rasselwitz, jetzt polnischen Racławice Slaskie vornehmen, wenn es bei den hohen administrativen Hürden gelingt, die stillgelegte Strecke zu kaufen.

Doch zurück zur Troppauer Ausstellung. Erst im Jahre 1895 wurden die beiden Troppauer Bahnhöfe auf der Schiene verbunden, als vom Nordbahnhof eine Strecke nach dem nahen Ratibor auf der preußischen Seite Oberschlesiens eröffnet wurde. Jede dieser sogenannten Lokalbahnen wird separat betrachtet. Daneben wird auf die verschiedenen Hochbauten auf den Strecken rund um die einstige Hauptstadt des Kronlandes Österreichisch-Schlesien eingegangen. Auch die technischen Nebenanlagen sowie Wohngebäude für Bahnbedienstete werden vorgestellt. Die kleinen und vergleichsweise jungen Bahnlinien haben zum Aufblühen der Stadt beigetragen. Jeweils einmal pro Stunde, wenn die Züge aus den verschiedenen Strecken einfahren, die Fahrgäste aus-, zu- und umsteigen, kann man sich am „Staatsbahnhof“ selbst von dieser anhaltenden Bedeutung überzeugen.

Die Ausstellung wird bis zum 31. März 2015 gezeigt. Zu sehen ist sie nicht im Schlesischen Museum, sondern dem ebenfalls vor einigen Jahren mustergültig restaurierten Gebäude der Troppauer Kulturorganisation. Begleitend ist ein bebilderter 140seitiger Katalog in tschechischer Sprache erschienen. Weitere Informationen zur Hotzenplotzer Schmalspurbahn gibt es unter www.osoblazsko.com.

Stephan Kaiser (KK)

An der diesjährigen Breslauer Buchmesse Wrocławskie Targi Dobrych Ksiazek nehmen erstmalig Verlage und Einrichtungen aus Deutschland mit einem Messestand teil. Vom 4. bis zum 7. Dezember 2014 präsentieren sich der Görlitzer Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn und das Schlesische Museum zu Görlitz an einem Gemeinschaftsstand. Der Verlag Wilhelm Gottlieb Korn wurde 1732 in Breslau, sein Tochterunternehmen Bergstadtverlag 1914 ebenfalls in Breslau gegründet.

(KK)

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