Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1217.

Die innere und die Kunstsammlung

Königsberger Malerei aus der Sammlung Dr. Paul Ronge im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg

Jurist im NS-Staat: Wer nicht Mitglied in einer Parteiorganisation war, hatte es schwer. Dr. Paul Ronge (1901–1965) war als junger Rechtsanwalt einer von wenigen Juristen in Ostpreußen, die nicht der NSDAP angehörten. So konnte er weitgehend unabhängig vom staatlich gelenkten Justizapparat arbeiten und vertrat viele im NS-Staat benachteiligte Menschen. Ronge war ein Freund des ehemaligen Königsberger Bürgermeisters Carl Goerdeler. Daher entging er nach dem 20. Juli 1944 nur knapp der Verhaftung und Hinrichtung.

Im September 1945 floh Ronge mit seiner Familie aus Königsberg. In Berlin konnte er gleich als Rechtsanwalt wieder anfangen, weil seine parteiferne Haltung während des Dritten Reiches bekannt war. Er wurde einer der bekanntesten Strafverteidiger Berlins, Mitglied des Abgeordnetenhauses und Universitätslehrer.

Ronge, ein musischer Mensch, liebte das Theater und die Fotografie, die er selbst ausübte. Er pflegte in seiner Königsberger Zeit viele Kontakte zu Künstlern und legte eine eigene Kunstsammlung an. Allein Werke des Neoklassizismus, der vom NS-Regime geförderten Kunstrichtung, gehörten nicht dazu. Es gelang ihm, einen Teil der Sammlung auf der Flucht zu retten, versteckt in einem Kinderwagen.

Die Sammlung Ronge, deren Glanzstücke bis zum 7. Mai im Ostpreußischen Landersmuseum Lüneburg zu sehen sind, ist ein Beispiel für viele untergegangene Kunstsammlungen und den ausgeprägten Kunstsinn der Königsberger. Sie umfaßt Werke bedeutender Künstler Ostpreußens aus der Zeit von 1920 bis 1944 wie Eduard Bischoff, Erich Behrendt und Julius Freymuth.

(KK)

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