Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1300.

Die Notwendigkeit der Wahrheit

Der Bund der Vertriebenen begeht den Tag der Heimat in Berlin mit der Gelassenheit, die man seinen Gegnern wünschte

„An das Leid durch Flucht und Vertreibung zu erinnern und dies als Teil der Geschichte wahrzunehmen, ohne jemals Ursache und Wirkung zu verkennen oder die Augen vor dem unvergleichbaren Leid anderer zu verschließen, ist Auftrag und Aufgabe für uns alle“, schrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Grußwort zum Tag der Heimat 2010 an Erika Steinbach. Zwischen den Zeilen liest man einen Nachklang zum Streit in der Fraktionssitzung der CDU zwei Tage vorher. Natürlich war er das Gesprächsthema des Tages. In den Medien wurde daher mehr kommentiert als direkt über die Feierstunde im Internationalen Congress Centrum Berlin berichtet. Hämisch merkte der Berliner „Tagesspiegel“ an, „ein paar hundert Verbandsmitglieder“ hätten mit Frau Steinbach gefeiert, und der Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ meinte eine sich überschlagende Stimme der BdV-Verbandspräsidentin gehört zu haben.

Die Realität war: Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, das „geistliche Wort“ zu Beginn des zweieinhalbstündigen Festakts sprach der neue katholische Vertriebenenbischof Dr. Reinhard Hauke aus Erfurt, erstmals war die Landtagspräsidentin aus Bayern Barbara Stamm erschienen, SPD und Grüne schnitten die eindrucksvolle Veranstaltung. Erika Steinbach sprach selbstbewußt und souverän und zeichnete – nach Otto Schily im vergangenen Jahr – diesmal in Anwesenheit des rumänischen Botschafters den so erfolgreichen Oberbürgermeister Klaus Johannis von Hermannstadt/Sibiu mit der Ehrenplakette des BdV aus: „Johannis genießt als Bürgermeister das Vertrauen sowohl der Rumänen als auch der deutschen und ungarischen Minderheit in Hermannstadt. Er hat sich herausragende Verdienste um die Völkerverständigung erworben und ist ein wirklicher Brückenbauer in einem zusammenwachsenden Europa.“

Wie Papst Benedikt XVI. in seinem schriftlichen Grußwort an die Notwendigkeit der Wahrheit erinnerte, so griff Weihbischof Hauke den Gedanken auf: „Ohne Wahrheit gibt es Geschichten, aber keine Geschichte.“ Stehend gedachte das Plenum aller früheren und gegenwärtigen Opfer von Vertreibung. Hauke: Es geht um eine würdige Gedenkstätte.

Erika Steinbach würdigte die „Charta der Heimatvertriebenen“, setzte sich erneut für den 5. August als nationalen Gedenktag ein und hielt fest: „In allen Nachbarländern werden seit Jahren an vielen Orten Erinnerungsstätten für ermordete Deutsche errichtet.“ Sinngemäß sagte sie, die Angriffe auf Vorstandsmitglieder des BdV hätten doch nur das Ziel,  das „Zentrum gegen Vertreibungen“ zu verhindern.

Festredner Horst Seehofer, Ministerpräsident des Freistaates Bayern, dankte für die demokratische Gundhaltung der Vertriebenen. „Spätaussiedler sind keine Asylbewer-
ber.“ Er bekräftigte, daß seine Regierung weiterhin an der Seite der Vertriebenen stehen werde, denn „sie haben einen Anspruch darauf, mit ihrem Schmerz nicht allein gelassen zu werden“.

Norbert Matern (KK)

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